Gebäudeverzeichnis

Mohrenstraße 8

Frontalaansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern
Adresse: Mohrenstraße 8
Primärkatasternummer: 396
Besitzer
Omeis, Georg, Schneider; Groß, Christoph Peter, Salzsieders Witwe


Besitzerliste

Anmerkung: Bis zum Großen Stadtbrand von 1728 standen hier zwei Vorgängergebäude. Eines davon gehörte dem Bäcker Georg Michael Heydemann (davor: Andreas Schnerz), das andere dem Unterpfandsbuch 1717/18 zufolge der Witwe des Ratsherrn und Arztes Johann Michael Sutorius. Die beiden Grundstücke wurden nach 1728 durch den Schwiegersohn von Sutorius, den Stadtumgelter Johann Wilhelm Müller, mit einem neuen Haus überbaut.

1684: Der Küfer Andreas Schnerz erwirbt das Haus von einem namentlich nicht genannten Vorbesitzer für 300 Gulden.

1723: Der Bäcker Georg Michael Heydemann erwirbt das Haus am 13. Juli 1723 mit allen, in einem früheren Kaufbrief vom 31. August 1649 beschriebenen Rechten, vom städtischen Umschlagsamt für 360 Gulden, wovon er 60 Gulden bar erlegt. Das Haus wurde wegen der vom verstorbenen Vorbesitzer Andreas Schnertz "hinterlassenen zimlichen Schulden" durch die städtische Behörde versteigert.

1733: Stadtumgelter Johann Wilhelm Müller erwirbt am 17. Mai 1733 von Georg Michael Heydemann für 102 Gulden "diesen Hauß Brandplatz" und für weitere 155 Gulden den großen Keller, "welchen Plaz und Keller Er zu dem Sutoriusschen gezogen und unter ein Tach gebracht." Beim Wiederaufbau wird das benachbarte Grundstück des früher dem Ratsherrn und Arzt Johann Michael Sutorius bzw. dessen Witwe gehörenden Hauses mit einbezogen.Offenbar hat Müller den sog. "Schnerzischen Brand-Plaz" bereits vor Abschluss des Vertrags überbaut. Der Verkäufer erhält lediglich 15 Gulden in bar, der Rest wird durch die Übernahme verschiedener Schulden abgegolten. Heydemann darf den Keller noch für drei Jahre nutzen.

1766: Johann Wilhelm Müller verkauft das Haus am 25. März 1766 für 1.500 Gulden an seinen mit seiner Tochter Susanne Marie verheirateten Schwiegersohn Dr. Johann Heinrich Bonhöffer, Physicus ordinarius und Lizenziat der Medizin. In dem nicht im Kaufbuch eingetragenen Vertrag wird vermutlich ein Wohnrecht des Verkäufers vereinbart.

1796: Im Zuge der Erbteilung des am 24. November 1796 verstorbenen Dr. Johann Heinrich Bonhöffer fällt das Haus je zur Hälfte an den Sohn Dr. Johann Friedrich Bonhöffer und an die unverheiratete Tochter Sibille Pauline Sofie Bonhöffer.

1804: Dr. Johann Friedrich Bonhöffer, Physicus des Stabsamts Rosengarten, verkauft seine Hälfte am Haus am 1. August 1804 für 2.000 Gulden und sieben Luis d'or an Armenverwalter Johann Michael Schloßstein.

1826: Der Schneidermeister Georg Omeis kauft am 6. März 1826 die Hälfte des Hauses, bestehend aus dem ganzen mittleren Stock, Teilen des unteren Stocks, eines "Kellerles", Anteilen an zwei weiteren Kellern, Anteilen am Dachboden und am Hofraum für 2.005 Gulden von den Erben des Stiftungsverwalters Johann Michael Schloßstein.

1830: Christina Elisabetha Margaretha Mayer geb. Bonhöffer, die Witwe des Jacob David Mayer, Pfarrer zu Stöckenburg, verkauft als Erbin der Pauline Bonhöffer deren Hausanteil am 10. September 1830 für 1.150 Gulden an die Witwe des Salzsieders Christoph Peter Groß.Die Verkäuferin (*14.02.1761) ist eine Tochter des Dr. Johann Heinrich Bonhöffer und damit eine Schwester der Pauline Bonhöffer (= Sibille Pauline Sofie Bonhöffer, *24.01.1763).

1835: Der Siedmeister Johann Friedrich Groß erwirbt am 26. Mai 1835 die Hälfte des Hauses, bestehend aus der Hälfte der zwei größeren Keller, einer Kammer und Haustenne im unteren Stock, dem ganzen oberen Stock, Anteilen am Dachboten und am Hofraum für 1.600 Gulden von der Witwe des Salzsieders Christoph Peter Groß. 

1845/46: Der Hausanteil des Johann Friedrich Groß geht als Erbe an die Witwe des Joseph Lay, Bäcker.

1847: Werkmeister David Friedrich Christoph Omeis kauft am 26. Mai 1847 von seinem Vater Georg Omeis für 3.800 Gulden dessen Hausanteil sowie einen davor liegenden Garten, unter dem sich ein Keller befindet. 500 Gulden gehen als Heiratsgut vom Kaufpreis ab, weitere 1.500 Gulden entfallen auf einen von Stadtrat Kupp aufgenommenen Kredit. 600 Gulden sind bereits bar bezahlt, der Rest wird gegen 4,5% Verzinsung stehen gelassen. Der Verkäufer hat bis Martini (11. November) ein zinsfreies Wohnrecht und hat danach das Haus zu räumen.

1852: Der früher Johann Friedrich Groß gehörende Hausanteil von Joseph Peter Lay, Bäckers Witwe, "der Tochter Maria Susanna, Ehefrau des Zimmermalers Gottlieb Groß, als Heiratsgut gegeben". 

1866: Nach dem Tod des Zimmermalers Gottlieb Friedrich Groß wird seine Witwe Maria geb. Lay alleinige Eigentümerin des von ihr mit in die Ehe gebrachten Hausanteils.

1887: Nach dem Tod des Werkmeisters Omeis fällt sein Hausanteil an seine Erben:
1. Friedrich Omeis, Werkmeister in Stuttgart (Anteil: 8/24)
2. Franz Omeis, Werkmeister in Chikago (Anteil: 8/24)
3. die Witwe des verstorbenen Sohnes Georg Omeis, Werkmeister hier, Marie geb. Hafner (Anteil: 3/24)
4. deren Kinder Johanna und Helene Omeis, Pfleger Louis Groß (Anteil 5/24).

In den Adressbüchern genannte Hausbesitzer und -bewohner

1886: als Besitzer genannt: [Werkmeister Friedrich Omeis' Erben (auswärts); Gottlieb Groß, Malers Witwe, je zur Hälfte], Anschrift: "Klingenstraße 396"
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Omeis, Werkmeister; Dorothea Groh, Schullehrers Witwe; Gottlob Ulrich, Steuerwächter

1890: als Besitzer genannt: Werkmeister Friedrich Omeis' Erben (alle auswärts); Marie Groß, Malers Witwe; Anschrift: "Klingenstraße 396"
Mieter/Mitbewohner: Wilhelm Karl Friedrich Burkhardt, Buchdruckereibesitzer; Elsner, Präzeptor; Lotte Röhler, Glasers Witwe

1894: als Besitzer genannt: Werkmeister Friedrich Omeis' Erben (alle auswärts); Marie Groß, Malers Witwe; Anschrift: "Klingenstraße 396a"
Mieter/Mitbewohner: Edwin Grimm, Buchdrucker; Rosine Hetschel, Witwe; Christian Schoch, Schuhmacher; Johann Thoma, Bäckers Witwe; Rosine Treuter, ledig

1901: als Besitzer genannt: Werkmeister Friedrich Omeis' Erben (alle auswärts); Marie Groß, Malers Witwe; neue Anschrift "Mohrenstraße 8"
Mieter/Mitbewohner: (Hausanteil Groß) Marie Bosler, Amtsbaumeisters Witwe; Katharina Egner, Witwe; (Hausanteil Omeis) Jakob Herold, Schneider; Gottlieb Göpfert, Privatier

1906: als Besitzer genannt: Werkmeister Friedrich Omeis' Erben (alle auswärts); Karoline Pfeiffer, Privatiere
Mieter/Mitbewohner: Jakob Herold, Schneidermeister; Wunibald Kiem, Schleifer; Christian Köhnlein, Taglöhner; Karl Pfeiffer, Metzger und stellv. Fleischbeschauer

1910: als Besitzer genannt: Karl Scholl, Schlachthausverwalter (wohnhaft Haalstraße 9); Friedrich Throm, Ratsdiener (wohnhaft Neue Straße 3)
Mieter/Mitbewohner: Gotthold Waiditschka, Schlosser; Friederike Wolfram, Fabrikarbeiterin; Marie Kochendörfer, Bäckers Witwe; Gustav Kochendörfer, Fabrikarbeiter; Christian Köhnlein, Fabrikarbeiter; David Lauth, Hauptlehrer

1920: als Besitzer genannt: Friedrich Throm, Ratsdiener (nun im Haus wohnhaft); Heinrich Fremd (wohnhaft Sporersgasse 4)
Mieter/Mitbewohner: Josef Müller, Werkführer; Johann Müller, Zigarrenmacher; Friedrich Kuhn, Eisenbahnarbeiter; Luise Friedlein, Privatiere; Heinrich Fackler, Holzdreher; Jakob Herolt, Schneidermeister

1928: als Besitzer genannt: Friedrich Throm, Ratsdiener a.D.; Heinrich Fremd, Privatmann (nun im Haus wohnhaft)
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Kuhn, Gepäckarbeiter; Julie Butz Wwe., Vertreterin in Aussteuerwaren; Wilhelm Kütterer, Erdarbeiter; Jakob Herolt, Schneidermeister

1932: als Besitzer genannt: Friedrich Throm, Ratsdiener a.D.; Heinrich Fremd, Privatmann
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Kuhn, Lademeister; Wilhelm Krautter, Dreher; Jakob Herold, Schneidermeister

1938: als Besitzer genannt: keine Angaben
Mieter/Mitbewohner: Gottlieb Kugler, Arbeiter; Hans Bauer, Hilfsarbeiter; Fritz Giebler, Arbeiter; Erna Kuhn, Arbeiterin; Friedrich Kuhn, Rangierarbeiter

1956: als Besitzer genannt: keine Angaben
Mieter/Mitbewohner: Erna Ceder, Serviererin; Franz Ceder, Plattenleger; Erna Finkbeiner, Hausfrau; Friedrich Finkbeiner, Bauer; Heinrich Finkbeiner, Rentner; Katharine Finkbeiner, Hausfrau; Adolf Klenk, Schreiner; Helene Klenk, Nähhilfe; Lina Kugler, Witwe; Friedrich Kuhn, Weichenwärter; Rosa Kuhn, Hausfrau; Anna Odenwälder, Hausfrau; Otto Odenwälder, Arbeiter; Christina Raab, Hausfrau; Luise Schwarz, Näherin; Albert Weiß, städt. Angestellter

Beschreibungen

1723: "...weyl. Andreae Schnertzens Bürgers und Kiefers seel. wegen dessen hinterlassenen ziml. Schulden sub hasta gestandene gültfreye Behaußung in der Klingen, sambt deme zur lincken Hand darhinter ligenden Höfflein (massen das Höfflein rechter Handt, samt dem Waschkessel u. Backoffen Lor. Frid. Firnhaber, Zeuchmacher, ... gehörig), mit all ander dazu gehörigen Recht und Gerechtigkeit, wie solches gemelter Andres Schnertz und alle seinige viel Jahr ruhig genossen u. besessen, und der vom 31ten Aug. 1649 vorhandene Kauffbrief mit mehrerm erläutert..." 

1772 (Inventur J. W. Müller): "Eine Behaußung in der Klingen zwischen des Herrn Schmid Reizen und Kriegsdiener Büttners Behaußung, Herrn Oberschreiber Reizen mit 12 ß Vorgeld gültbar lt. Cop. Briefs d. 1498. Vermög Kauffbrieffs d. d. 25ten Martii 1766 wurde solche an d. H. Stadtphysicus Bonhöffer cum conditione, daß H. Verkäuffer ad dies via die jährl. Costen hievon, welche dem pericolo, tragen solle, kauflich überlaßen pro 1.500 fl."
Anm.: Die Gültverpflichtung stammt wahrscheinlich von dem früheren Haus Sutorius, das Schnerz'sche Haus war ausweislich früherer Beschreibungen gültfrei.

1804 (Kaufbuch 1803-1805): "Die Helfte ungefehr an einer ganzen Behausung in der sogenannten Klingen, mit aller Zugehörde, Recht und Gerechtigkeiten, so wie er solche bisher selbst besessen und benuzt hat, und zwar besteht solche im untern Stok in 1 Stube mit Alcor und Stuben-Kammer samt einer großen Kammer an der Holzlege, die Küche aber samt Waschkessel, als Waschhaus, zur Helften. In dem ganz mittleren Stokwerk, worinnen befindlich, 2 Stuben, 2 Kammern, 1 Küche und 1 Speiß Kammer, ferner allein 1 geräumige verschlossene Holz-Kammer und 1 Holzlege unter der Steege. Sodann mit dem Mit Hauß Innhaber gemeinschaftlich und zur Helften: beede Keller, davon der eine abgetheilt und verschlossen ist; das kleine Kellerlen und Kohlen Gewölb im untern Boden; die vordere gegipste Kammer zum Frucht Aufschütten allein, den übrigen Theil dieses Bodens aber, mit Ausschluß der hintern Kammer und des Plazes an der Treppen biß zum Anbäulen, welche zum andern Haus Antheil gehören, gemeinschaftlich, so wie auch der obere Boden, die Rauchkammer, das Höfelein, ferner die Schwein- und Hünersställe gemeinschaftlich sind. Ueberdiß ist noch für den untern Stok ein Cloac auf Kosten des Käufers an den vorigen Ort einzurichten."

1826 (Kaufbuch 1825-26): "Die Helfte an einer dreystokigten Behaußung in der Klingen, Nro. 396, wovon Jungfer Pauline Bonhöfer die andere Helfte besizt, neben Schmidmstr. Carl Föll und Tuchmachermeister Beischlag allhier."

1827: Wohnhaus mit 24,1 Ruten, Anbau 0,4 und Hof 2,6, insgesamt 27,1 Ruten In der Klinge

 um 1840 (Güterbuch 2, S. 574, Anteil des G. Omeis): "1/2te an 24,1 Rthn VIII 369 Einem 3stokigten Wohnhaus in der Klinge, neben Smcid Carl Föll u. Tuchmacher Beyschlag mit 3 Kellern wozu gehört:
1. Ein kleines Kellerle allein, u. je die Helfte der 2 weiteren Keller, wovon der eine abgetheilt, der andere aber ungetheilt gemeinschaftlich ist.
2. der ganze untere Stok mit Ausnahme der vordern Holzlege, die besonders verschlossen. Der Haustennen ist gemeinschaftlich.
3. der ganze untere Stock.
4. im mittleren Dachboden die vordere geipste Kammer allein und den übrigen Raum mit Ausnahme eines Pläzchens von der Treppe bis zum Anbaule gemeinschaftlich.
5. die Haelfte des oberen Dachbodens.
B.V.A. 3.000 fl.
Von diesem Haus geht ein besonderes Gäßle zwischen dem Kaufmann Cranzschen und Seifensieder Holchschen Haus auf die dortige Straße, welches auch aus Vergünstigung von dem Nachbar Beischlag benuzt wird, es steht jedoch dem Haus-Eigenthümer das Recht zu, dasselbe zu verschließen.
1/2te an 2,6 Rthn VIII 396 gepflasterter Hofraum hinter dem Haus, ungetheilt gemeinschaftlich mit dem Mithausbesizer, von welchem Hofraum sich ein Wasser-Ablauf zwischen dem Schmid Föll'schen Haus auf die Straße zieht, welcher leztmals von Föll, Kaufmann Cranz und den Eigenthümern dieses Hauses auf gemeinschaftliche Kosten hergestellt worden ist. Ferner befindet sich in der Mitte dieses Hofraums ein versenktes Dungloch, welches dem Besizer des unteren Haus-Antheils allein gehört."

um 1840 (Güterbuch 2, S. 582, Anteil des J. F. Groß):"1/2te an 24,1 Rthn VIII 396 Einem 3stokigten Wohnhaus in der Klingen, neben Schmid Föll und Tuchmacher Beischlag, mit 3 Kellern. Hiezu gehört:
a. die Haelfte der 2 größeren Keller, wovon der eine vertheilt und der ander aber ungetheilt ist,
b. im unteren Stok: die vordere verschlossene Holzkammer u. der gemeinschaftliche Haustennen,
c. der ganze obere Stok,
d. unterm Dach: eine verschlossene Kammer u. das Pläzchen von der Stiege bis zum Anbau im untern Boden allein, sodann der freie Raum u. der obere Dachboden gemeinschaftlich.
B.V.A. 1,200 fl. ... "

Besonderheiten

Vorfahren von Dietrich Bonhoeffer

Die Hausbesitzer Dr. Johann Heinrich Bonhöffer (1730-1796) und sein Sohn Dr. Johann Friedrich Bonhöffer (1754-1809) sind direkte Vorfahren des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945).


Biografien von Hausbesitzern und -bewohnern

Johann Wilhelm Müller (1696-1772)

Johann Wilhelm Müller wurde am 7. Oktober 1694 in Schwäbisch Hall als Sohn des Ratskonsulenten Friedrich Sibäus Müller und der Maria Magdalena geb. Firnhaber geboren. Er besuchte die Deutsche Schule, anschließend ab 1702 bis zur Klassenstufe der Secunda das Gymnasium. Da er "Lust bezeigte, die Schreyberey zu erlernen", begab er sich zunächst als "Recipient" in die württembergische Amts- und Stadtschreiberei Bietigheim und stand später als "Scribent" in Besigheim und Marbach in Dienst. 1717 kehrte er nach Schwäbisch Hall zurück, um die Stelle eines Kastenschreibers anzutreten, wurde fünf Jahre später Stadtumgelter und rückte nach 14 Jahren zum Bauverwalter auf. Mit seiner Berufung in den Inneren Rat im Jahr 1753 gelang ihm ein weiterer Karriereschritt. 1755 erhielt er Positionen im Einigungsgericht, als Assessor in der Almosenpflege sowie als Hauptmann über die Zunft der Nadler, Seckler, Weißgerber und Landschneider, 1759 folgte das Amt eines Rechnungsjustifikators. Am 6. Mai 1721 heiratete Müller im Alter von 26 Jahren die knapp zwei Jahre jüngere Margaretha Barbara Sutorius, eine 1696 in Nürnberg geborene Tochter des kaiserlichen und kurfürstlich pfälzischen Leib- und Hofchirurgen Johann Michael Sutorius und der Rosina geb. Romig. Sie war mit ihrer Familie 1708 nach Schwäbisch Hall gekommen und war "in allen einem Frauenzimmer anständigen Geschäften ... unterwießen" worden. Von den fünf Kindern des Ehepaars, Johann David (*1722), Margaretha Rosina (*1724), Susanna Maria (*1726), Nikolaus Georg (*1728) und Jakob Bernhard (*1731) erreichten bis auf den als Säugling gestorbenen Nikolaus Georg alle das Erwachsenenalter. Susanna Maria heiratete 1753 den Arzt Dr. Johann Heinrich Bonhöffer, den späteren Besitzer des Hauses. Um 1733 hatte Johann Wilhelm Müller das heutige Haus Mohrenstraße 8 am Standort des 1728 niedergebrannten Wohnhauses seines Schwiegervaters Johann Michael Sutorius und eines Nachbarhauses neu errichten lassen. Margaretha Barbara Müller erkrankte 1760 "an großer Hiz und Frost mit hefftigem Reißen in den Gliedern" und starb am 28. Mai im Alter von 63 Jahren. Johann Wilhem Müller selbst scheint in seinen letzten Lebensjahren unter Krankheiten gelitten haben, was im Totenbuch damit umschrieben wird, dass die Tage gekommen seien, "wo er sagen muste, sie gefallen mir nicht." Er verschied am 9. Dezember 1772 im hohen Alter von 78 Jahren. Die Todesursache ist nicht angegeben. In seinen letzten Lebensjahren dürften sich seine Tochter Susanna Maria und der Schwiegersohn Dr. Bonhöffer um ihn gekümmert haben, denen das Haus ja seit 1766 gehörte.
Ein Blick in seine Inventur weist darauf hin, dass es um die Finanzen des Verstorbenen nicht zum besten gestellt war. Zwar besaß Müller ein Vermögen von 9.862 Gulden, zu dem u.a. Gültrechte, ein auf 4.500 Gulden veranschlagtes Eigentumssieden und zu einem Herrn gehobenen Standes passende Besitztümer wie "1 silberne Sackuhr", ein silberner Degen oder zwei silberne "Tabattieren" (Tabaksdosen) gehörten. Dem standen jedoch erhebliche Verbindlichkeiten von 7.098 Gulden gegenüber. Zwar bestand ein erheblicher Teil dieser Schulden (1.635 Gulden) gegenüber dem Schwiegersohn Dr. Bonhöffer; zumindest teilweise könnte es sich hier um Heiratsgut der Tochter gehandelt haben, also keine "echten" Schulden. Enthalten sind auch kleine Legate z.B. für die Enkelkinder. Dass Müller jedoch bei zahlreichen Haller Bürgerinnen und Bürgern sowie Auswärtigen kleinere und größere Geldbeträge geliehen hatten, weist deutlich auf finanzielle Probleme hin. Genannt sind etwa 500 Gulden bei Handelsmann Harpprecht, 150 Gulden bei "des seeligen Herrn Musicus Glocken Magd", 200 Gulden bei der Witwe des Bäckers Ackermann, 100 Gulden bei Brunnenmeister Sommer oder bei Pfarrer Hoffmann zu Fachsenfeld zweimal 300 Gulden. Nach Abzug dieser Verbindlichkeiten blieben noch 2.764 Gulden Vermögen, die auf die Vier Erben verteilt wurden. Warum das Haus in der Klinge in der Inventur als Besitztum Müllers aufgelistet wird, obwohl es einer dort enthaltenen Notiz bereits 1766 an Tochter und Schwiegersohn verkauft wurde, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Denkbar ist etwa, dass die Kaufsumme nicht bezahlt und als - auf das Heiratsgut oder Erbansprüche anzurechnende - Schuld stehen gelassen wurde.

Bilder

Frontalaansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Frontalaansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Bild von 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Bild von 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Bild aus dem April 1977 (StadtA SHA FS 02909) Ansicht vergößern

Bild aus dem April 1977 (StadtA SHA FS 02909)


Quellen

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956

Archivalien:

  • StadtA SHA 2/75 (Totenbuch St. Michael 1738-62), Bl. 474a; 2/76 (Totenbuch St. Michael 1763-75), Bl. 503a; 4/677 (Kaufbuch 1722-23), Bl 71a; 4/679 (Kaufbuch 1728-33), Bl. 219a; 4/881 (Unterpfandsbuch Stadt 1717/18), Bl. 104; 14/3412 (Inventur L. W. Müller, 1772); 19/827 (Güterbuch 2), S. 573, 582; 19/835 (Güterbuch 10), S. 465; 19/837 (Güterbuch 12), S. 91; 19/838 (Güterbuch 13), S. 127; 19/998 (Kaufbuch 1803-05), Bl. 84b; 19/1009 (Kaufbuch 1825-26), Bl. 65b; 19/1012 (Kaufbuch 1830), Bl. 105b; 19/1017 (Kaufbuch 1835), Bl. 111b