Gebäudeverzeichnis

Am Markt 10 - Café am Markt

Adresse: Am Markt 10
Primärkatasternummer: 226
Besitzer
Fink, Johann Albrecht, Konditor


Besitzerliste

1738 erbaut durch Geheimrat Johann Stier.

1748 ist die Bewohnung samt dem Hof auf die Witwe Maria Euprhosina, geb. Textor überschrieben und nach 1749 taxiert.

1788 erbte das Haus Johann Peter Stier, Mitglied des Inneren Rates und Catharina Sibylla geb. Bonhöffer. Das Haus geht auf den Sohn Wilhelm Wolfgang Stier über.

1808 stirbt Wilhelm Wolfgang Stier im Alter von knapp 30 Jahren. Daraufhin verkauften die Erben des Wilhelm Wolfgang Stier, Kandidat der Rechte, das Haus an Carl Spengler, Konditor und Spezereihändler, sowie dessen Braut Maria Magdalena Mayer. Der Kaufpreis betrug 4.000 Gulden. Da Maria Magdalena Mayers Vater zum Kreis der Erben gehört hätte, wenn er nicht wneige Wochen zuvor gestorben wäre, schenkte die Erbengemeinschaft Maria Magdalena 800 Gulden, die sie am Kaufpreis abrechneten. Zum Zeitpunkt des Verkaufs war das Haus vermietet: Der Mieter Forstkassier Strömfeld sollte es schnellstmöglich für Spenglers räumen. Carl Spengler, ein Sohn des verstorbenen Pfarrers Spengler von Gründelhardt, war am 28. September 1808 in das Haller Bürgerrecht aufgenommen worden. Vier Jahre später stirbt Carl Spengler.

1814 heiratet Maria Magdalena, geb. Mayer,verw. Spengler den Bürger und Konditor Johann Albrecht Finckh, Sohn des Johann Jacob Finkh, Handelsmann in Reutlingen.

1825 geht Johann Albrecht Finckh nach dem Tod seiner Frau Maria Magdalena eine zweite Ehe ein mit Sophia Christina, geb. Bühler.

1858 ist das Haus Eigentum des Sohnes Friedrich Finckh, Konditor und seiner Frau Pauline, geb. Seiferheld.

1901: Nach dem Tod von Friedrich Finckh steht seiner Witwe das unbeschränkte Veräußerungsrecht zu.

1914: Mit dem Tod der Witwe Pauline Finckh geht die Liegenschaft auf den Sohn Wilhelm Finckh über. Als Drogist firmiert Wilhelm bereits im Jahr

1893 in der Firma seines Vaters Friedrich Finckh, Droguen-Geschäft und Seemuschellager.

1935: Otto Finckh wird Nachfolger seines verstorbenen Vaters.

1949: Der Gemeinderat genehmigt die Erbauseinandersetzung der Erben des Wilhelm Finckh.

In den Adressbüchern genannte Besitzer, Mitbewohner und Mieter

1886: Als Besitzer genannt: Friedrich Finckh, Konditorei
Mieter/Mitbewohner: Otto Crespel, Rentier; Hugo Hüther, Fabrikant

1890: Als Besitzer genannt: Friedrich Finckh, Konditorei
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Finckh, jr. Kaufmann

1901: Als Besitzer genannt: Wilhelm Finckh, Kaufmann
Mieter/Mitbewohner: Eduard Knorr, Zahnarzt

1906: Als Besitzer genannt: Pauline Finckh, Witwe
Mieter/Mitbewohner: Pauline Finckh, Privatiere

1920: Als Besitzer genannt: Wilhelm Finckh, Kaufmann
Mieter/Mitbewohner: Dr.med. Eduard Knorr, Zahnarzt (Praxis Neue Straße 3)

1932: Als Besitzer genannt: Wilhelm Finckh, Kaufmann (Inhaber der Firma Fr. Finckh) Drogen- und Kolonialwarenhandlung
Mieter/Mitbewohner: Maria Finckh; Otto Finckh, Drogist

1938: Als Besitzer genannt: Maria Finckh; Otto Finckh, beide Teilhaber der Firma Fr. Finckh, Drogerie und Photoartikel.
Mieter/Mitbewohner: Ulrich Lörcher, Landgerichtsdirektor i.R.; Anna Simmoth, Hausgehilfin

1956: Als Besitzer genannt: Drogerie und Photo, Fr. Finckh
Mieter/Mitbewohner: Elisabeth Fabian, Hausfrau; Günter Fabian, Elektromonteuer; Elisabeth Finckh, Hausfrau; Otto Finckh, Kaufmann; Anne Haufler, Hausfrau; Hedwig Marcinkowski, Hausfrau; Franz Müller, Angestellter; Gertrude Müller, Tanzlehrerin



Haustafel

Nach dem verheerenden Stadtbrand 1728 holten sich die Haller für den Wiederaufbau viele Baumeister, Handwerker und Künstler von außerhalb in die Stadt. So entstand damals dieses prachtvolle Rokokohaus. Beispiele ähnlicher Qualität lassen sich eher in Residenzstädten finden, besonders im habsburgischen Raum wie in Salzburg und Eger oder in Ansbach, und erinnern viel mehr an Adligensitze als an einfache Bürgerhäuser.

Befunde aus Bauforschung

Keller aus dem 14./15. und 18. Jahrhundert. (StadtA Schwäb. Hall BF 239)

Reste einer mittelalterlichen Kelleranlage, (ca. 14. Jh.), erweitert im 15. Jh., überwiegender Teil der Kelleranlage nach Stadtbrand 1728 (vgl. Datenbank Bauforschung Baden-Württemberg).

Befunde aus Bauakten

1891-1892: Konditor Finckh lässt einen neuen Kamin vom 1. Stock an aufbauen.

1892: Am Hinterhaus entsteht ein "Abtrittschacht" zu den vorhandenen Abtritten (Toiletten) in sämtlichen Stockwerken.

1893: Zwei Fenster links des Eingangs vom Marktplatz her werden zu einem größeren Schaufenster umgebaut.

1898: Die bisherige Küche wird in ein Zimmer an der Hinterseite des Hauses verlegt.

1916: Zwecks Erweiterung des Verkaufsraums im Erdgeschoss will Wilhelm Finckh im Untergeschosss (links neben dem Marktbrunnen) einen neuen Eingang mit Treppenverbindung zum EG anlegen lassen. Ein bislang an dieser Stelle vorhandener Vorbau soll abgebrochen werden. Das Vorhaben scheint nicht ausgeführt worden zu sein, da der Vorbau erst 1940 abgebrochen wurde.

1926: Der Gemeinderat genehmigt den Aufbau einer Zapfsäule der deutschen Petroleumverkaufsgesellschaft "Olex" vor dem Haus.

1939: Ausführung kleinerer Reparaturen (Verputz und Dachladen). Die Tankstelle wird an den "Ortsausgang nach Crailsheim" verlegt.

1940: Aus Mitteln der Max Kade-Stiftung wird der alte Kellervorbau abgebrochen und ein neuer Kellereingang erstellt.

1941: Störende Werbeschilder und Automatenkästen müssen entfernt werden.

1958-1961: Ausführung einer grundlegenden Sanierung des gesamten Hauses unter der Leitung von Dr. Eduard Krüger.

1960: Ein Gesuch um die Erlaubnis zum Einbrechen zweier Fenster in die Brandmauer zum Haus Am Markt 9 wird durch den Kreisbrandmeister (Landratsamt) abgelehnt.

1972ff: umfassende Umbauten und Renovierungen; in deren Verlauf werden die Häuser Am Markt 9 und 10 baulich miteinander verbunden. Im EG wird das "Cafe am Markt" eingerichtet, das auch die mit Stuckdecken verzierten Räume im 1. OG des Nebenhauses Am Markt 9 umfasst. In die oberen Stockwerke kommen Tagungsräume. Das alte Hinterhaus wird abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, in dem sich u.a. die Konditorei befindet. Das Bauprojekt wird im Mai 1972 mit Abbrucharbeiten begonnen und ist bis September 1979 abgeschlossen.

1997-1998: Die Fassade des Hauses wird renoviert.

Beschreibungen

1827: Wohnhaus samt Anbau 30,5 Ruten, Hof 4,8, insgesamt 35,3 Ruten Fläche

Einträge in den Denkmallisten

Wohnhaus, barocker Putzbau mit Stuckdekor, Mansarddach, 1728. Eingetragen ins Landeszverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08.10.1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale der Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 70)

Am Markt 10 (Flst.Nr. 0-95/15). Wohnhaus, barocker Putzbau, Stuckdekor, Mansarddach, 1728. § 28 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Quellen

Archivalien:


StadtA Schwäb. Hall 4/455, fol. 311R-312V


StadtA Schwäb. Hall 4/881, fol. 23R


StadtA Schwäb. Hall 4/1000, fol. 193R-194R


StadtA Schwäb. Hall 4/1545, fol.8


StadtA Schwäb.Hall 4/1547, fol.8


StadtA Schwäb.Hall 4/1547a, fol.11


StadtA Schwäb.Hall 16/0157


StadtA Schwäb.Hall 18/180 Inv.und Teilungen


StadtA Schwäb.Hall 18/291 Inv.und Teilungen


StadtA Schwäb.Hall 18/315 Beibring-Inventar incl. Auflistung übernommene Laden-Waren Konditorei Mayer


StadtA Schwäb.Hall 18/5794 Beibring Inv.


StadtA Schwäb.Hall 18/8892 Beibring Inv.


StadtA Schwäb.Hall 18/9459 Nachlass


StadtA Schwäb.Hall 18/10192 inhaltlich Conto Buch Paul Bauer, Hall mit Fr. Finckh


StadtA Schwäb.Hall 18/11585 Nachlass


StadtA Schwäb.Hall


StadtA Schwäb.Hall 19/1000, fol.329 Kaufbuch


StadtA Schwäb.Hall 21/423 Zubring Inv.


StadtA Schwäb.Hall 35/9586 Zentralregistratur


StadtA Schwäb.Hall 55/9 Gemeinderatsprotokoll 1949, S. 337


StadtA Schwäb.Hall S 1 Archiv Sammlung 45 Königl.Gymnasium


 Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 9 und 10


Literatur:


- Adressbücher 1886-1956


Pläne und Ansichten vor 1827:

  • StadtA SHA 16/0157 (nach 1735, Ausschnitt)