Gebäudeverzeichnis

Am Markt 11 - Gasthaus "Adler" oder "Goldener Adler"

Adresse: Am Markt 11
Primärkatasternummer: 227
Besitzer
Maier, Bernhard Michael, Adlerwirt


Besitzerliste

1578-1581 Hans Krauß in den Beetlisten (Bürgersteuerlisten) als Adlerwirt genannt.

1591: Die Witwe des Hans Krauß wird erwähnt

1597: Hans Georg Sülzer ( Sulzer) als Wirt genannt

1601-1609/10: Hans Endris Sulzer als Wirt genannt

1611-1623/24: Ulrich Weber, des Rats und Wirt, als Adlerwirt genannt. Ulrich Weber wird 1609 Bürger von Hall, heiratet im selben Jahr in erster Ehe die Witwe des Hans Endris Sulzer und übernimmt damit die Wirtschaft.

1625/26-1632: Johann Mangold als Wirt genannt

1633: Johann Mangolds Witwe als Adlerwirtin genannt.

1640: Wolf Jakob Mayer, Gastgeber zum güldenen Adler, im Zusammenhang mit dem Kauf eines Anteils an einem Erb- und Eigentumssieden genannt.

1653: Wolfgang Jacob Mair, Gastgeber zum Goldenen Adler, als Käufer eines Anteils an einer Hofstatt im Haal erwähnt. W.J. Mayer war vorher Berling'scher Hofmeister und Bereiter sowie Sieder. In erster Ehe mit einer Dorothea (Nachname unbekannt) verheiratet. Die zweite Ehe war "schlecht".

1663-1691: Josias Christian Hocheycher (Hocheicher,Hochaicher), Adlerwirt und Salzverwalter. Er wurde 1639 in Rantzau / Schleswig Holstein geboren, besuchte die Lateinschule in Königsberg, arbeitete als Kaufmann in Amsterdam, Köln und Bönnigheim. 1663 heiratete er Eva Regina Mayer, die Tochter aus der zweiten Ehe des Adlerwirts Wolfgang Jakob Mayer mit Katharina, geb. Retz. Die Tochter Maria Katharine heiratet Johann Jakob Sigel, Forstmeister zu Vellberg, der den Goldenen Adler erwirbt.

1702: Abschluss eines Vergleichs über den Verkauf des Gasthofs durch Johann Jakob Sigelin, gewesener Gastwirt zum Goldenen Adler, an Johann Caspar Sprügel, bisher Bürger und Metzger in Ilshofen, jetzt Gastwirt zum Goldenen Adler. Johann Jakob Sigelin wird gewaltsam in das Spital eingewiesen. Johann Kaspar Sprügel, geboren am 2. April 1671, heiratet 1702 Maria Margarethe Scheu aus Vellberg. Er stirbt am 18. Dezember 1707, seine Witwe heiratet ein Jahr später Johann Adam Brellochs ( Pröllochs).

1729: Nach dem Tod des Vaters übernimmt die Tochter Anna Katharina Pröllochs den Gasthof und heiratet 1729 Georg Hieronymus Meissner, der damit Adlerwirt wird. Meissner wurde am 15. April 1700 als Sohn des Johann Georg Meissner, Stabsschultheiß in Schwabach und der M.M., geb. Pfiffler geboren. Er lernt Metzger in Weinsberg und war in der Fremde. In 30jähriger Ehe werden dem Ehepaar 4 Söhne und 4 Töchter geboren, von denen 2 Söhne und 1 Tochter überleben.

1760: Der Sohn Friedrich David Meissner übernimmt den "Adler". Geboren am 17. August 1733, lernt er das Metzgerhandwerk und lebt 8 Jahre in Frankreich. Er übernimmt 1760 den Gasthof, und heiratet im selben Jahr Maria Margarethe Happold. Er wird Mitglied des Äußeren Rats und des Gerichts. Von den 8 Kindern erreichen ein Sohn und eine Tochter das Erwachsenalter.

1791: Der Sohn Johann Friedrich David Meissner übernimmt den "Adler". Geboren am 26. Dezekmber 1761, heiratet er 1791 Maria Margarethe Ziegler, die Tochter von Johann Friedrich Ziegler, Wirt in Kupferzell. 1810 stirbt J.F.D. Meissner.

1812: Maria Margaretha Meissner geb, Ziegler, die Witwe des Adlerwirts Johann Friedrich David Meissner, heiratet Carl Traugott Erdmannsdörfer, der damit die Wirtschaft übernimmt.

1820: Bernhard Michael Mayer (Mair), bisheriger Gastgeber zu Lamm, "jetzt zum Adler", als neuer Besitzer der Wirtschaft erwähnt.

1838: Die "Relikten" des verstorbenen Adlerwirts Bernhard Michael Mayer werden an den Stadtrat und Kaufmann Bühl für seinen Sohn David Friedrich Bühl,Kellner und dessen Braut Elisabetha Wolz aus Mainz verkauft, jedoch unter eigener Haftung des Herrn Stadtrats Bühl als "Prinzipalkontrahent" und Selbstzahler. Der Gasthof zum Goldenen Adler mit allen Nebengebäuden und den vorhandenen Weinvorräten kostet 15.000 Gulden.

1840: David Friedrich Bühl und seiner Ehefrau Lisette verkaufen die Wirtschaft an den ledigen Friedrich Rudolph Ackermann.

1868: Friedrich Rudolph Ackermann verkauft das Anwesen an Friedrich Seeger von Übrigshausen und seine Ehefrau Lina, geb. Rück als Mitkäuferin.

1885: Die Ehefrau des Adlerwirts Friedrich Seeger, Lina, geb. Rück, verkauft den "Adler" für 45.000 Mark an Leonhard Hornberger, Hirschwirt in Weikersheim.

1888: Auf Ableben des Adlerwirts Leonhard Hornberger hat dessen Witwe Elise, geb. Wenzel, die sämtliche Liegenschaft als "Benefzialerbin" übernommen.

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: Als Besitzer genannt: Leonhard Hornberger, Hotel zum Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1890: Als Besitzer genannt: Georg Michael Haaf, Hotel goldener Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1894: Als Besitzer genannt: Georg Michael Haaf, Hotel goldener Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1901: Als Besitzer genannt: Georg Haaf, Hotel zum Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1906: Als Besitzer genannt: Karl Kieß, Hotel zum Adler
Mieter/ Mitbewohner: -
1910: Als Besitzer genannt: Karl Kieß, Hotel zum Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1920: Als Besitzer genannt: Karl Kieß, Hotel zum Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1928: Als Besitzer genannt: Karl Kieß, Hotelier, Inhaber des Hotels zum goldenen Adler
Mieter/ Mitbewohner: -

1932: Als Besitzer genannt: Karl Kieß senior, Hotelier, Hotel zum Goldenen Adler
Mieter/ Mitbewohner: Karl Kieß junior, Koch; Paula Kieß, Krankenschwester

1938: Als Besitzer genannt:  Erwin Kranl, Hotelier, Hotel zum Goldenen Adler
Mieter/ Mitbewohner: Wilhelm Hannemann, Hausdiener; Alfons Hörner, Kellner; Johann Kaufmann, Privatier; Marie Laun, Hausgehilfin, Marie Stelzle, Hausgehilfin

1956: Als Besitzer genannt: Ernst Sickinger, Goldener Adler, Hotel Restaurant
Mieter/ Mitbewohner: Arthur Drößler, Hausdiener; Anna Gramling; Emmerich Jüngst, Bäcker; Auguste Kaufmann, Hausfrau; Johann Kaufmann, Privatier; Josef Mück, Kellner; Ernst Sickinger, Kellner; Marianne Sickinger, Hausfrau; Edith Wild, Zimmermädchen

Haustafel

Die wohl noch aus der Stauferzeit stammende dicke Mauer zwischen den Häusern Nr. 10 und 11 hat verhindert, dass das Feuer 1728 sich weiter nach Osten den Berg hinauf fressen konnte. Im Hof hinter dem schmucken Fachwerkbau steht eines der ältesten erhaltenen Häuser Halls überhaupt: das als „Gerichtshaus“ bezeichnete Hinterhaus des Gasthauses Adler von 1315, in dem heute Hotelgäste ihr müdes Haupt ausruhen dürfen.

Befunde aus Bauforschung

Dendrochronologisch datiert: Rückgebäude Gerüst auf 1314/15; Rückgebäude Umbau auf 1431/32. (BF Büro Lohrum/Bleyer)

Befunde aus Bauakten

(Quelle, soweit nicht anders angegeben: Bauakten)

1844: Bei Adlerwirt Akermann wird ein Augenschein vorgenommen, da dieser im zweiten Stock einen Saal mit Nebenzimmer einrichten will, dessen Außenwand teilweise auf einer zum Nachbargrundstück (heute Am Markt 12) gehörenden Mauer aufliegt.. Die Nachbarn, Pflugwirt Happold und Werkmeister Haag, erklären unter verschiedenen Bedingungen ihre Zustimmung zu dem Vorhaben (21/2096).

1853: Das Oberamt genehmigt eine nicht genauer beschriebene Baumaßnahme des Adlerwirts Ackermann, soweit diese die vor dem Haus vorbeiführende Staatsstraße betrifft. (Plan fehlt in Bauakten).

1892: Adlerwirt Haaf lässt im Hinterhaus weitere Abtritte im 1. Stock einbauen.

1912: Einbau einer Warmwasserheizung mit einem Heizkessel (Plan fehlt in Bauakten).

1926: Der "Goldene Adler" wird durch einen Brand am 16. Oktober 1926 erheblich beschädigt. Die Reparaturkosten werden auf 2.634 RM geschätzt.

1928: Einrichtung einer neuen Waschküche hinter dem Hauptgebäude mit Gasfeuerung.

1937: Genehmigung eines Werbeschilds an der Reichsstraße nach Stuttgart.

1947-1949: Adlerwirt Krayl beantragt, einen Schweinestall in seine frühere, baufällige Waschküche einbauen lassen zu dürfen, die am hinteren Saalbau angebaut ist. Die Nachbarn Otto Finckh und Wilhelm Kunz erheben Einspruch gegen das Vorhaben, da sie Geruchsbelästigungen und Rattenbefall befürchten. Bislang hält Krayl die Schweine in einem baufälligen Waschküchengebäude hinter dem Büschlerhaus (Ratskeller). Daraufhin beschränkt sich Krayl auf eine Reparatur des bestehenden Gebäudes.

1952: Im Zuge von Abbrucharbeiten an einem Hinterhaus des "Ratskellers" (Am Markt 12) entstehen u.a. Schäden an der Hofmauer zum Schuppach mit der darin enthaltenen gotischen Pforte. Da die Schäden nach Ansicht der Stadtverwaltung durch Baumängel der dort stehenden Garage des "Adlers" verursacht wurden, erhält die Besitzern Else Krayl die Auflage, die notwendigen Reparaturen auf eigene Kosten ausführen zu lassen (Bauakten am Markt 12).

1953: Nach Abschluss von Sanierungsarbeiten an der Fassade des "Goldenen Adlers" bittet Adlerwirtin Krayl um einen städtischen Zuschuss zu den Kosten von ca. 4000 DM. Die Stadt lehnt einen Zuschuss ab, da im laufenden Haushalt keine Mittel bereit stünden, und verweist an das Landesdenkmalamt, das seinerseits einen Zuschuss verweigert, wenn sich die Stadt nicht ebenfalls beteiligt.

1963/64: Die Genehmigung zum direkten Anschluss des "Goldenen Adlers" an das städtische Dolennetz wird erteilt (ausgeführt 1965).

1965: Einbau einer Damen- und Herrentoilettenanlage im Hinterhaus.

1967: Die Heizung wird auf Ölbefeuerung umgestellt. Hierzu wird im unter dem benachbarten Hotel "Ratskeller" ("Der Adelshof") gelegenen Keller ein 15.000-Liter-Öltank eingebaut.

1975: Herstellung eines neuen Abwasserkanals.

2011: Grundlegende Sanierung, Wiedereinweihung am 11.11.2011 (Haller Tagblatt). 

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit  1/8 Morgen, 11,4 Ruten, Stallung 5,3 und 4,2, Futterstall mit 5,3, Holzremise 2, Heuboden 5,8 und Hof mit 0,5 des weiteren Hof mit 20,7 Ruten, insgesamt 2/8 Morgen 7,2 Ruten Gesamtfläche 

Einträge in den Denkmallisten

Gasthaus "Adler". Fachwerkhaus auf Putzsockel; um 1500, nach 1728. Seit der Mitte des 12. Jh. Teil des neuen staufischen Verwaltungskomplexes nördlich von St. Michael, seit dem 17. Jh. Gasthof Adler. Im Inneren Stuckdecken und Wandmalereien. Rückgebäude Fachwerkbau mit Schopfwalm, ehemalige Gerichtshalle von 1510. Am 08.10.1925 in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg eingetragen. Mittelalterliche Bodenfunde sind auf dem gesamten Grundstück zu erwarten. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale der Stadt Schwäbisch Hall, Stand 10/1982, S. 71)

Am Markt 11 (Flst.Nr. 0-95/9). Gasthaus Adler. Fachwerkhaus auf Putzsockel, um 1500, nach 1728 umgebaut. Im Inneren Stuckdecken, Wandmalereien. Rückgebäude Fachwerkbau mit Schopfwalm, ehem. Gerichtshalle, 1315 (d). § 28 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Besonderheiten

Biografien von Hausbesitzern und -bewohnern

Johann Adam Pröllochs (1681-1729)

Geboren am 19. August 1681 in Öhringen als Sohn des Hans Pröllochs, Lammwirt und Posthalter, und der Anna Ursula, geb. Dopf. Er erlernt das Metzgerhandwerk, verbringt vier Jahre in Frankfurt. Seine Frau Maria Margarethe stirbt am 10. Juni 1725. Noch im selben Jahr heiratet er Anna Katharina Textor, die Tochter von Georg Albrecht Textor, des Geheimen Rats und Obervormundsrichter aus Schwäbisch Hall. Von den sieben Kindern aus erster Ehe überlebt nur die Tochter Anna Katharina, geb. 10. Oktober 1712. Johann Adam Pröllochs ist Mitglied des Spitalgerichts. Er stirbt 1729 und seine Witwe überlebt ihn um 35 Jahre. Sie heiratet 1732 Johann Christoph Scheinhardt, Apotheker und 1743 in dritter Ehe, Johann Friedrich Christfels, ebenfalls Apotheker.

Königlicher Besuch am 22. Oktober 1864

König Karl I. von Württemberg und Königin Olga besuchten Schwäbisch Hall am 22. und 23. Oktober 1864 Das Königspaar nahm im "Adler" Quartier, wo es abends einen Empfang mit städtischen und königlichen Beamten sowie dem Fürsten Friedrich von Hohenlohe-Waldenburg gab. Auf dem Marktplatz fand zu Ehren der Besucher eine Festbeleuchtung mit "bengalischem Feuer" statt. Am nächsten Morgen besichtigte der König vor seiner Abreise das Schwäbisch Haller Gefängnis und würdigte damit die dort geleistete Pionierarbeit im Jugendstrafvollzug.

Quellen

Literatur:

  • Albrecht Bedal, Die ältesten Fachwerkhäuser in Schwäbisch Hall. In: Hausbau im Mittelalter III, Jahrbuch für Hausforschung, Sonderband. Bad Windsheim-Sobernheim 1988. S. 313-345 mit 4 Abbildungen.
  • Tobias Würth: Revoluzzer und König zu Gast - Sanierung des Gasthofs Goldener Adler in Hall, in: Zum Sonntag. Beilage zum Haller Tagblatt v. 05.08.11, S. I
  • Elefant im Adler einquartiert, in: Haller Tagblatt  v. 20.09.11, S. 13
  • Ein Elefant und alter Kaffee. Kurioses rund um den Traditionsgasthof Goldener Adler, in: Haller Tagblatt v. 18.11.2011, S. 12
  • Goldener Adler wieder geöffnet, in: Haller Tagblatt v. 12.11.2011, S. 18
  • Claudia Linz: Ein Stück Tradition wird wieder lebendig, in: Haller Tagblatt v. 18.11.2011, S. 11


Archivalien:

  • StadtA SHA 4/881 (Unterpfandsbuch Stadt 1717/18); 4/1545 (Häuserbuch 1712), S. 8; 4/1882-4/1901 (Beetlisten 1578-1633, jeweils Rubrik "Um den Marckh"); 13/1552 (Vergleich über den Verkauf des Gasthofs zum goldenen Adler, 1702);14/1444 (Inventur des Josias Christian Hocheycher, 1691); 14/2087 (Inventur des Johann Adam Pröllochs, 1729); 17/1619 (Verkauf Hofstatt im Haal, 1653); 19/827 (Güterbuch), S 245; 19/1021 (Kaufbuch 1838); 19/1021 (Kaufbuch 1840), S 181; 19/1035 (Kaufbuch 1868), S 79; 19/ 1050 (Kaufbuch 1885), S 162; 21/2096 (Verträge bzgl. Nachbarhaus Am Markt 12); HA/U 102 (Verkauf Siedrecht, 1640); H03/522 (Einweisung des Johann Jacob Sigelin in das Spital, 1702-1714); S27 (Genealog. Kartei)
  • Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 11


Pläne und Ansichten vor 1827:

  • StadtA SHA S10/0804 (1728, Ausschnitt); 16/0157 (nach 1735, Ausschnitt)