Gebäudeverzeichnis

Hafenmarkt 3 - Alte Engelapotheke

Adresse: Hafenmarkt 3
Primärkatasternummer: 214
Besitzer: 1827
Kober, August Adolph, Apotheker


Besitzerliste

1643 legt Melchior Döllin, Apotheker, den Eid auf die Apothekerordnung zu Hall ab. Er führt die Apotheke am Hafenmarkt bis 1664. Sein Sohn Johann Christoph Döllin, * 1641, lernt fünf Jahre bei seinem Vater die "löbliche Apothekerkunst" dann hält er sich in Stuttgart, Bingen am Rhein und schließlich in Speyer auf, wo er die Stelle eines Provisors rühmlich versieht. 1664  übernimmt er die  Apotheke seines Vaters und wird in den Äußeren Rat aufgenommen. Er stirbt 1683. (aus dem Totenbuch von St. Michael 2/72a.

1687 verkaufen Dr. Johann Friedrich Eckhardt, limpurgischer Leibarzt, seine Frau Anna Rosina, verwitwete Döllin und der noch minderjährige Sohn Johann Heinrich Döllin im Einverständnis mit dessen Vormund Hans Michael Döllin, Barbier, die Apotheke an Johann Adam Bräun / Breun. 13/19

Johann Adam Bräun, * 1646 in Straßburg als Sohn des Apothekers und Rats Beisitzer Johann Bräun. Er erlernt bei seinem Vater das Apotherhandwerk und nach Durchreisung vieler Städte und Länder heiratet er 1673 in Straßburg Margaretha, Tochter des Herrn Dr. Kasten, des Fünfzehnerraths Beisitzer. In 19-jähriger Ehe kommen sieben Söhne und drei Töchter zur Welt. 1687 hat er sich in Hall bürgerlich niedergelassen und mit Weib und Kindern die erkaufte Döllin'sche Apotheke bezogen. Er stirbt 1693. (aus dem Totenbuch von St. Michael 2/72b)

Mit Datum vom 13.11.1703 verkaufte Margaretha Strobel, Witwe, "Bürgerin und Apothekerin" ihrem Sohn Philipp Jacob Breun, Apotheker und Mitglied des Hospitalgerichts, ihre Apotheke für 6.300 Gulden.

Damals wurden das Haus auf 1.500 Gulden, die Apothekenmaterialien auf 1.800 Gulden, die Guthaben, die der Apotheke noch zuzufließen hatten, auf 1.000 Gulden, die Geräte und Instrumente auf 600 Gulden, das Apothekenprivileg auf 500 Gulden und ein Vorschuss, den Breun für die Frankfurter Messe schon empfangen hatte, auf 150 Gulden geschätzt. Da Breun die genannten Summen nicht auf einmal aufbringen konnte, war Ratenzahlung mit seiner Mutter vereinbart worden. Anstatt Zinsen auf das jeweilige Restkapital sollte er pauschal 750 Gulden im Voraus entrichten, so dass sich die Gesamtkaufsumme von 6.300 Gulden ergibt. (4/790, fol. 45V-47R)

Ab 1703 gehörte das Haus dementsprechend Philipp Jacob Bräun, Apotheker und späteren Mitglied des äußeren Rates. 1724 heiratete seine Witwe Anna Maria, geb. Schragmüller, in zweiter Ehe Ernst Friedrich Wackerhagen aus Blankenhagen im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, der in den nächsten Jahren die Apotheke betrieb.

1739 nach dem Tod seiner Mutter übernahm der Sohn erster Ehe Johann Nicolaus Bräun die Apotheke. Seine Witwe Sybilla Martha, geb. Münster, ehelichte 1761 in zweiter Ehe Theodor Christian Weise aus Guben in der Niederlausitz. Nach dem Tod Sybilla Marthas verkaufte 1786 der Witwer die Engelapotheke an Juliana Maria Horlacher, die Witwe des Handelsmanns N. Horlacher (Kaufvertrag v. 13.3.1786: 4/690, fol. 19R-21V). Dieser Verkauf führte zu einem längeren Prozess zwischen den Kindern erster Ehe Sybilla Marthas und dem Witwer bzw. den Kindern zweiter Ehe.

 

Juliana Maria Horlacher verkaufte Haus und Apotheke wenige Monate später an ihren Tochtermann Apotheker Lorenz Michael Bär für 10.200 Gulden weiter (Kaufvertrag v. 3.7.1786: 4/690, fol. 48V-49R). Dessen Witwe ehelichte Christian August Kober, der die Apotheke weiterführte, dann aber an den Sohn erster Ehe seiner Frau Lorenz Friedrich Baer übergab. Dieser hatte zunächst Apotheker gelernt, studierte dann aber Medizin, so dass 1824 Kober erneut in den Besitz der Apotheke gelangte. Der Kaufpreis betrug jetzt 16.700 Gulden.

1827: Kober, August Adolph, Apotheker

 

1834 verkaufte Dr. Kober an Ludwig Deeg, Apotheker, der 1865 das Haus an Johann Ludwig Klein, Bürstenbinder, veräußerte, nicht aber die Apothekengerechtigkeit. Diese wurde vielmehr 1858 auf ein 1858 von Eberhard Friedrich Sandel erkauftes und 1863/1864 an Apotheker Picot verkauftes Gebäude in der Marktstraße 2 (PKN 412 und 413) übertragen.

 

Die Witwe Johann Ludwig Kleins verkaufte ihr Haus 1895 an den Fabrikanten Friedrich Klein.

Auf Friedrich Klein wurde das Gebäude 1900 in das Grundbuch umgeschrieben.

Beschreibungen

1687 (Verkauf an J. A. Bräun): "...Ihre ohnweit des hiesigen Rathhauß gelegene, Einerseits gegen den  sogenanten Schuemarckht, andererseits auff die offene Gaßen grüntende, von hinten an Hanß Jörg Baurs, Lebküchners, u. Bernhardt Hermans Gremplers Häußer stoßende Wohnbehaußung, und darinnen befindtliche Apothecken, wie dieselbe von obenged. H. Döllin seel. auff Sie Herrn undt Efrauen Verkäufern erblich kommen..."

1827: Wohnhaus samt Anbau mit 21 Ruten Hafenmarkt

Quellen

Archivalien:

  • StadtA Schwäb. Hall 10/625, 4/881, fol. 352V-R; 13/19; 19/827, S. 191; 19/845, S. 320