Haller Häuserlexikon – Besitzerliste 1827

Crailsheimer Straße 4 - Crailsheimer (= Langenfelder) Tor

Adresse: Crailsheimer Straße 4
Primärkatasternummer: 821
Besitzer
Die Stadtgemeinde


Besitzerliste

1827: Die Stadtgemeinde

 

 

 

 

 

 

 

 

1922: Der

Gemeinderat beschließt in seiner Sitzung am 26. April 1922, das

Gesuch des Schwäbischen Albvereins „um Ueberlassung des

Crailsheimer Torturms als Jugendherberge“ in „stets

widerruflicher Weise“ zu genehmigen, unter der Bedingung, dass

bauliche Veränderungen nur in Absprache mit dem Stadtbauamt

durchgeführt werden.

Befunde aus Bauforschung

Archäologische Funde aus dem 12., 14., 16. und 19. Jahrhundert (StadtA Schwäb. Hall BF 170 u. 219)

Beschreibungen

historische Beschreibungen

1827: Crailsheimer Thor. Thorgebäude mit Anbau 18,7 Ruten, Torhaus mit 9,6 Ruten, weiteres Torhaus mit 4,5 Ruten und Zugbrücke mit 5,4 Ruten, insgesamt 38,2 Ruten

Beschreibungen aus den Denkmallisten

Torturm der Stadtbefestigung; 1550, Crailsheimer (= Langenfelder) Tor. Eingetragen in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08.10.1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 134)

Crailsheimer Straße 4, Zwinger 2: Crailsheimer oder Langenfelder Tor. Torturm der Stadtbefestigung, 1550, mit Torhaus. Barockes Fachwerkhaus an Zwingermauer, Mansarddach, 18. Jahrhundert (§28). (siehe auch unter Sachgesamtheit Stadtbefestigung "Am Markt 14, ...") (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

 

Das Crailsheimer oder Langenfelder Tor

Das (äußere) Crailsheimer bzw. Langenfelder Tor (benannt nach der abgegangenen Ortschaft Langenfeld) ist laut E. Krüger das bedeutendste und besterhaltene der Stadttore. Es war eines von zwei aufeinanderfolgenden Toren, die diesen Stadteingang doppelt absicherten. Das innere Langenfelder Tor, das vor der Mündung des Rosenbühls lag, wurde 1826 abgebrochen. Das äußere Tor bildete die Ecke zwischen dem Schiedgraben und den Stadtbefestigungen gegen Osten. Die etwa 5 m tiefen Gräben an der Ost- und Südseite hat man im frühen 19. Jahrhundert aufgefüllt. Der Bau des äußeren  Langenfelder Tores um 1515 schloss die massive Verstärkung der Befestigungsanlagen im Bereich des Schiedgrabens im 15. und frühen 16. Jahrhundert ab. Im Hintergrund dieser Bauarbeiten standen die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit den benachbarten Schenken von Limpurg, deren Territorium hier an das der Reichsstadt Hall angrenzte. Der Turm hat einen Grundriss von 10,60 x 10,76 m und weist im Erdgeschoss 3,35 m dicke Mauern auf. Die heutige Höhe beträgt 32 m und lag unter Einbeziehung des heute zugeschütteten, 5 m tiefen Grabens bei etwa 37 m. Die Durchfahrt ist mit einem Tonnengewölbe überdeckt, in einem eisenbeschlagenen Schrank an der Westseite wurden wahrscheinlich Torschlüssel und Zolleinnahmen aufbewahrt. Über dem äußeren Torbogen hing ein Fallgatter, dessen Führungssteine teilweise noch vorhanden sind. Das zeitgleich entstandene Vortor zeigt Schlitze für die Schwungbalken der über den Schiedgraben führenden Zugbrücke und einen Falz für die Aufnahme der Brückentafel. Die westliche Wand wurde im 18. Jahrhundert beim Bau des Torwächterhauses (siehe Zwinger 2) abgerissen. Das Tor trug einen Wehrgang, dessen Spuren noch erkennbar sind. Die offene Sandsteinkanzel an der Südwestecke weist auf ein dort früher befindliches Ecktürmchen hin, die Öffnung nach Osten hin entstand 1837 beim Abbruch einer breiten Pechnase, die über den Graben hing.
Ab 1922 wurde der Torturm als Jugendherberge genutzt. Ursprünglich waren die Verhältnisse sehr rustikal. Es gab kein fließendes Wasser, die Besucher mussten sich - so ein Zeitungsartikel von 1955 - in aller Öffentlichkeit am "Schwanenbrünnele" waschen. Auf entsprechende BItten des Schwäbischen Albvereins erfolgten 1925 Sanierungs- und Verbesserungsarbeiten. Zwischen 1925 und 1930 zählte man 600 bis 1.000 Besucher pro Jahr, bis 1935 wuchsen die Zahlen auf 2.500 bis 3.000 an. Die 40 bis 50 vorhandenen Betten reichten nicht mehr aus, weshalb ihre Zahl auf 70 aufgestockt wurde. 1937/38 erhielt die "JuHe" einen neuen Tagesraum und eine neue Küche, außerdem baute man in den Turm sanitäre Anlagen ein. Die Zahl der Waschstellen steigerte sich von zwei auf 14, die der Betten auf 70. Nachdem bereits in den 1950er Jahren die Einrichtung einer neuen Jugendherberge angeregt worden war, machten in den 1970er Jahren schärfere Brandschutzauflagen einen Weiterbetrieb der Jugendherberge im Torturm unmöglich. Sie wurde deshalb 1979 in das ehemalige Bürgerheim verlegt.
(nach Krüger: Stadtbefestigungen, S. 55ff und HT v. 7.10.1955)

Quellen

Literatur:

  • Eduard Krüger: Die Stadtbefestigung von Schwäbisch Hall, Schwäbisch Hall 1966, S. 55ff
  • Schwäbisch Hall als Wanderziel, Jugendherberge im Langenfelder Torturm immer stark besucht, in: Haller Tagblatt v. 7.10.1955

Archivalien:

  • StadtA Schwäb. Hall 19/426, S. 128 (Beschluss über JuHe)