Haller Häuserlexikon – Besitzerliste 1827

Gelbinger Gasse 84 - Haus mit Stadtmauerteil, ehem. Gastwirtschaft "Zur Harmonie"

Adresse: Gelbinger Gasse 84
Primärkatasternummer: 336
Besitzer
Treutter, Johann Andreas' Witwe


Besitzerliste

1617: Ein früher Besitzer des Hauses könnte der Traubenwirt David Hennenberger († 1617) gewesen sein. Er wird in einem Kaufvertrag vom 19. Februar 1617 als Nachbar der Apollonia Mehrer genannt, die zumindest ab 1625/26 vermutlich Besitzerin des Nachbarhauses (heute Gelbinger Gasse 86) war. Da jedoch nicht eindeutig zu belegen ist, dass sich der Kaufvertrag auf dieses Haus bezieht, muss auch offen bleiben, ob die dort genannten Anlieger Besitzer der Nachbarhäuser waren.

vor 1689: früheste eindeutig zu belegende Besitzerin des Hauses ist Catharina Berger geb. Laccorn (1647-1704), Tochter des Pfarrers Georg Laccorn zu Bibersfeld, später zu Buchenbach, seit 1670 Ehefrau des aus der Schweiz stammenden Christian Berger (ca. 1648-1688), Huf- und Waffenschmied, später Grabenreiter in Schwäbisch Hall. Christian Berger könnte das Haus 1681 erworben haben, da in einer späteren Inventur von einem aus diesem Jahr stammenden Kaufbrief über das Haus die Rede ist. Dieser hat sich aber weder im Original noch als Abschrift in den Kaufbüchern erhalten. Anhand von Einträgen in den Beetlisten (Bürgersteuerlisten) konnten Berger oder ein Vorbesitzer nicht identifiziert werden.

1689: Catharina Bercher, Witwe des Christian Bercher [oder: Berger], Grabenreiter zu Schwäbisch Hall, geht eine zweite Ehe mit Augustin Röger (1654-1722), ehemaliger Soldat (Kavallerist im Haller Kontingent der Reichsarmee, Teilnahme an den Türkenkriegen, in sieben Feldschlachten, mehrfach verwundet), Grabenreiter und Sohn des Matthes Röger zu Tullau ein. Im Ehevertrag räumt sie ihm das Recht ein, das Haus  aus ihrem Nachlass zu übernehmen, falls sie vor ihm sterben sollte.

1704: Nach dem Tod der Anna Catharina Röger, Ehefrau des Augustin Röger, Grabenreiter in der Schlicht, zuvor Witwe des Christian Berger, wird das Haus neben dem Bürgerarbeiter Friedrich Mehrer und der Gasse sowie das anstoßende Nebenhaus aus dem Nachlass an den Witwer verkauft.

1722: Nach dem Tod Augustin Rögers wird im Zuge der Inventur sein Haus in der Gelbinger Gasse zwischen Friedrich Mehrer, Bürgerarbeiter, und der gemeinen Straße an die zweite Ehefrau und nunmehrige Witwe Maria Regina Röger geb. Heydecker (1673-1747) verkauft. Das bisher zugehörige kleine Haus neben dem anderen geht an den Sohn Georg Wolfgang Röger, Schuhmacher und Torwart im Badtürlein.

1748: Nach dem Tod der am 30. November 1747 gestorbenen Maria Regina Röger, Witwe des Augustin Röger, Grabenreiter im Amt Schlicht, wird das Haus der Tochter Susanna Eva Stitzner [oder: Stützner] (1710-1766) überlassen, die seit 1743 mit Albrecht Friedrich Stitzner, Schleifer zu Gelbingen und Bürger zu Schwäbisch Hall, verheiratet ist. Der zweite Erbe, der Sohn Heinrich Peter Röger (*1712), "seiner Profession ein Jäger", ist bereits seit 11 Jahren abwesend, ohne dass eine Nachricht von ihm eingegangen sei. Sollte er zurückkommen, kann er seine Erbansprüche an seine Schwester geltend machen.

1782 (Häuserbuch): Als Besitzer wird immer noch Albrecht Friedrich Stützner aufgeführt.

danach: das Haus kommt auf bislang noch unbekannte Weise (laut Unterpfandsbuch als Erbschaft) an Anna Maria Rosina Bonhöffer geb. Hufnagel (1756-1837), die "Frau Wittib" des Dr. med. Johann Friedrich Bonhöffer (1754-1809), Stadt- und Amtsphysicus zu Comburg und Rosengarten.

1810: Anna Maria Rosina Bonhöffer geb. Hufnagel verkauft ihr Haus unweit des Gelbinger Tors, neben Philipp Grafen Witwe und der Gasse gelegen, am 17. Dezember 1810 für 500 Gulden an Johann Andreas Treuter.

1830: Nach dem Tod des nun als "Weinschenk" bezeichneten Johann Andreas Treuter am 20. Mai 1830 geht das Haus an seine aus Lauffen stammende Witwe Anna Regina Treuter geb. Steinle (1774-1847). Offenbar hat bereits Treuter im Haus eine Gassenwirtschaft eingerichtet.

1833: Johann Andreas Treuters Witwe Anna Regina Treuter geb. Steinle bringt das Haus in ihre zweite, am 10. Februar 1833 geschlossene Ehe mit dem Spitalmüller Heinrich Ludwig Meyding ein.

1835: Anna Regina Meyding geb. Steinle, zuvor Witwe des Weinschenks Johann Andreas Treuter, verkauft das Haus am 25. August 1835 für 1.700 Gulden sowie weitere 11 Gulden "Schlüsselgeld" (an die Tochter der Verkäuferin) an den ledigen Brauknecht und Küfer Friedrich Franz Treuter (1798-1854).

1854: Franz Treuters zweite Ehefrau und nunmehrige Witwe Charlotte Catharine Barbara geb. Göller (1817-1884) erwirbt das Anwesen mit einem zugehörigen Kirchenstuhl in St. Michael am 16. Juni 1854 für 800 Gulden im Zuge einer Versteigerung aus der Gantmasse (Konkursmasse) ihres verstorbenen Ehemanns.

1869: Zufolge eines auf einen oberamtsgerichtlichen Bescheid vom 19. Juni 1867 hin eingetragenen Kaufvertrags vom 8. Februar 1869 wird das Haus an der Öhringer Straße neben Michael Allinger und Lorenz Sommer aus der Gantmasse (Konkursmasse) von Franz Treuters Witwe Charlotte Catharine Barbara Treuter geb. Göller an dern Gärtner Ludwig Beyhl (1816-1889) verkauft.

1886: Der Gärtner und Wirt Ludwig Beyhl verkauft das Haus am 17. März 1886 für 14.200 Mark an August Göller, Bierbrauer und Wirt aus Obermünkheim. Göllner tritt auf 1. Mai in die bestehenden Mietverhältnisse und erhält die in einem separaten Verzeichnis aufgeführten Fahrnisgegenstände als kostenlose "Dareingabe".

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: [Besitzer erschlossen]: L. Beyhl, Wirtschaft zur Harmonie [Anschrift: „Gelbingerstraße 336“]
Mieter/Mitbewohner: F. Eisenmann, Salinenzimmermann; E. Kronberg, Wirtschaftspächter; Christian Siegel, Polierer

1890: als Besitzer genannt: August Göller, Wirt zur Harmonie
Mieter/Mitbewohner:  Fr. Eisenmann, Salinenzimmermann; Christian Heßer, Landwirt; Sophie Kaußler, ledig; Mich. Sahm, Taglöhners Witwe

1894: als Besitzer genannt: August Göller, Wirt zur Harmonie
Mieter/Mitbewohner: Luise Beyhl, ledig; Fr. Eisenmann, Salinenzimmermann; Sophie Kaußler, ledig; Goll. Kronmüller, Taglöhner

1901: als Besitzer genannt: August Göller, Wirt zur Harmonie [neue Anschrift: „Heilbronnerstraße 84“]
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Fink, Gußputzer; Friedrich Eisenmann, Salinenzimmermann; Elisabeth Sahm, Taglöhners Witwe

1906: als Besitzer genannt: August Göller, Wirt zur Harmonie
Mieter/Mitbewohner: Georg Krauß, Privatier; Heinrich Burgermeister, Schlosser; Johann Reber, Taglöhner

1910: als Besitzer genannt: August Göller, Wirt
Mieter/Mitbewohner: Sophie Kaußler, Privatiere; Johann Reber, Taglöhner; Johann Rothenburger, Telefonarbeiter; Georg Friedrich Meyer, Müller; Georg Meyer, Taglöhner

1928: als Besitzer genannt: Wilhelm Häfner, Wirt; Schankwirtschaft zur Harmonie
Mieter/Mitbewohner: Sofie Schweizer, Wirtschaftshilfe; David Wais, Rentner

1932: als Besitzer genannt: Wilhelm Häfner, Wirt; Schankwirtschaft zur Harmonie
Mieter/Mitbewohner: Sofie Schweizer, Wirtschaftshilfe; Rosine Bullinger Wwe., Rentnerin; Pauline Eckert

1938: [Besitzer erschlossen]: Wilhelm Häfner, Wirt; Schankwirtschaft zur Harmonie [neue Anschrift: „Gelbinger Gasse 84“]
Mieter/Bewohner: Pauline Eckert, Sozialrentnerin; Helene Kettemann, Schreibgehilfin; Sofie Schweizer, Rentnerin

1956: [Besitzer im Adressbuch nicht gekennzeichnet]
Mieter/Bewohner: "Zur Harmonie", Gaststätte, Barbetrieb, Hermann Schumann; Emma Dudda, Hausgehilfin; Frida Blumenstock, Hausfrau; Georg Blumenstock, Hilfsarbeiter; Gisela Böhm, Hausfrau; Hedwig Linke, Hausfrau; Hermann Schumann, Gastwirt

Beschreibungen

historische Beschreibungen:

1704 (Inventur der Anna Catharina Röger): „Eine Behaußung fornen die Gaßen herauß, neben Friderich Mehrern, Bürgerarbeitern, und der gemeinen Gaßen gelegen, gülltet 1 ß Vorgellt in Löbl[iches] Schlichter Ambt, dann in Löbl[iche] Landheyligenpfleeg ewigs Zinnßgellt 22½ ß. Item ein kleines Häußlein an obigem, zwischen solchem, der Stattmaur und Thomas Dürren, Leistschneidern, gülltet auch 4 ß 8 hlr. Vorgellt, beedes in Löbl[iches] Schlichter Ambt, zusammen angeschlagen pro 475 fl.“ (14/1673)

1717/18 (Unterpfandsbuch): „Gelb[inger] Gaßen. Behaußung. Eine Bewohnung mit dem Anbäule, taxirt pro 450 fl. Erkaufft a 475 fl sambt dem Nebenhauß, gültet 4 fl 8 hlr. in Löbl[iches] Ambt Schlicht.“ (4/1544, Bl. 593) 

1722 (Inventur des Augustin Röger): „Eine Behaußung in der Gelbinger Gaßen, neben Friderich Mehrers, Bürgerarbeiters Hauß, und der gemeinen Straßen gelegen, gülltet 1 ß Vorgeld in Löbl[iches] Schlichter Ambt, laut Kauff Contracts de dato 22ten Aprilis 1681, welche Behaußung bey der Theilung der Wittib Rögerin käufflich überlaßen worden ist pro 450 fl, ferner ein kleines Häußlein, an vorstehende Behaußung und an die Stadt Mauer stoßend, neben Johann Melchior Francken, Metzgers Behaußung gelegen, auch in Löbl[iches] Ambt Schlicht mit 4 ß 8 hlr. Vorgeld gültbar, laut Kauff Contracts de dato 16ten Aprilis A[nn]o 1696, welch Häußlin bey der Theilung dem Sohn Georg Wolffgang Röger an seiner Erbs Portion verglichenermaßen überlaßen worden ist vor 60 fl. Nota: Vorstehende beede Behaußungen sind bei löbl[icher] Beethstuben zusammen angeschlagen pro 450 fl, welches man hiehero zur Nachricht annotiren wollen.“ (14/1961) 

1748 (Inventur der Maria Regina Röger): „Eine Wohnbehaußung in der Gelbinger Gaßen, zw[ischen] Grabenreither Schrodthen, und Kieffer Schnerzen Häußern gelegen, zinßt in L. Oberlandesheiligenpfleeg pro 400 fl. Nach der mütterl[ichen] Disposition de 20ten Jan[uar] 1746 ist diese Behaußung der Tochter um 400 fl verschrieben, daß sie nach Abzug 100 fl Heurath-Guths den Überrest mit ihrem schon 10 Jahr abweßenden Bruder Heinrich Peter Röger, wann er sich wieder einfinden solte, theilen,  und ihme seine Ratam hinauß zahlen, biß dahin aber solches allein nachgefallen zu nutzen befugt seyn solle.“ (14/2578)

1810 (Verkauf an Johann Andreas Treuter): „Ihre in der Gelbinger Gasse unweit des Gelbinger Thors neben Philipp Grafen Wittwe und der Gasse besizende Behaußung, welche Wohllöblichem Bürgermeisteramt Hall mit 9 xr 2 hlr. vorgeldgültbar ist.“ (19/1001, Bl. 111)

1827: Wohnhaus mit 13,4 Ruten Grundfläche in der Heilbronner Straße

1835 (Verkauf an F. F. Treuter): „Ein zweystökigtes Wohnhaus in der Gelbinger Gasse neben Küblermeister Roth  und Zimmergeselle Leypold et cons[ortes] Häußer gelegen.“ (19/1017, Bl. 182b)

um 1840 (Güterbuch 4): „13,4  Rthn. IV 336. Ein 2stokigtes Wohnhaus an der Heilbronner Straße neben Lorenz Sommer u[nd] Michel Allingers Wittib, mit gewölbtem Keller.“ (19/829, S. 181)

1886 (Verkauf an A.Göller): „Ein 2stockiges Wohnhaus in der Oehringer Straße, mit gewölbtem Keller, neben Michael Allinger, Weingärtner, und Adam Wieland, Fabrikarbeiter.“ (19/1051, S. 22).

Beschreibungen in den Denkmallisten:

Teile der mittelalterlichen Stadtmauer. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, S. 184)

Quellen

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1856

Archivalien:

  • StadtA Schwäb. Hall 4/1544 (Unterpfandsbuch Vorstädte 1717/18ff), Bl. 593
  • StadtA Schwäb. Hall 4/1547a (Häuserbuch 1782), S. 395
  • StadtA Schwäb. Hall 8/357 (Ehevertrag zwischen Anna Catharina Bercher und Augustin Röger, 1689)
  • StadtA Schwäb. Hall 14/1673 (Inventur der Anna Catharina Röger, Ehefrau des Augustin Röger, 1704)
  • StadtA Schwäb. Hall 14/1961 (Inventur des Augustin Röger, Grabenreiter, 1722)
  • StadtA Schwäb. Hall 14/2578 (Inventur der Maria Regina Röger, Witwe des Augustin Röger, 1748)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/829 (Güterbuch 4), S. 181 (F. Treuter)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/831 (Güterbuch 6), S. 410 (A. Göllner)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/831 (Güterbuch 6), S. 543 (L.Beyhl)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1001 (Kaufbuch 1810-1813), Bl. 111 (Verkauf an J.A. Treuter)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1017 (Kaufbuch 1835), Bl. 182 (Verkauf an F. F. Treuter)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1027 (Kaufbuch 1854-1856), Bl. 61 (Verkauf an C. Treuter)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1036 (Kaufbuch 1869), Bl. 61 (Verkauf an L. Beyhl)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1051 (Kaufbuch 1886), Bl. 61 (Verkauf an A. Göller)
  • StadtA Schwäb. Hall S27 (Genealog. Kartei)