Haller Häuserlexikon – Besitzerliste 1827

Gelbinger Gasse 88 - ehem. Gerberei

Adresse: Gelbinger Gasse 88
Primärkatasternummer: 338
Besitzer
Schmied, Georg Melchior, Zimmermeisters Erben


Besitzerliste

1613/14: In den Beetlisten (Bürgersteuerlisten) wird ab 1613/14 der Gerber und (seit 1651) Innere Rat Georg (oder Jörg) Schmidt (1592-1655), als Anwohner beim Gelbinger Tor genannt. Dass er der früheste identifizierbare Besitzer des heutigen Hauses Gelbinger Gasse 88 mit der zugehörigen Gerberei war, ist sehr plausibel, aber nicht mit letzter Sicherheit zu belegen.  U.a. werden Georg Schmidt und sein Sohn mehrfach als Nachbarn der Pflästererfamilie Mehrer bezeichnet, der offenbar über drei Generationen das südliche Nachbarhaus (heute Gelbinger Gasse 86) gehörte.

1654: Abhand der Beetlisten (Bürgersteuerlisten) ist ab dem 4. Quartal 1654 der Rotgerber Hans Jörg Schmidt (1617-1691) als vermutlicher Besitzer bzw. Bewohner des Hauses zu belegen. Er dürfte es von seinem Vater erworben haben, dem Gerber und (seit 1651) Inneren Rat Georg Schmidt.

1682: Hans Jörg Schmidt, Bürger und Rotgerber, verkauft am 26. September 1682 an seinen Tochtermann Johann Nicolaus Belstner (oder: Belzner), Rotgerber aus Feuchtwangen, nun aber Bürger allhier, seine Wohnbehausung in der Gelbinger Gasse zwischen Jakob Mehrer, Pflästerers Wittib und dem Gelbinger Tor gelegen (heute Gelbinger Gasse 88), mitsamt dem gegenüber gelegenen Brandplatz samt Waschhaus (Standort Gelbinger Gasse 101) für 600 Gulden. Hiervon werden 150 Gulden als "Heiratsgut" der Tochter bzw. Ehefrau abgezogen. Weitere 150 Gulden sind durch die Übernahme einer Schuld von 150 Gulden beim Hospital zu begleichen, die restlichen 300 Gulden bleiben bis zum Tod des Verkäufers als unverzinsliches Darlehen stehen. Nach dessen Tod soll der Betrag verzinst werden, die Zinsen sind an die Erben Hans Jörg Schmidts zu bezahlen. Weiterhin verpflichtet sich der Käufer, seinem unverheirateten Schwager Hans Caspar Schmidt auf zwei Jahre das Rotgerberhandwerk zu lehren. Schmidt lässt sich auch den lebenslangen freien "Beysitz" im Haus zusichern.

1698: Johann Nicolaus Belzner, früher Bürger und Rotgerber allhier, nun aber in Feuchtwangen, verkauft in einem am 2. August 1698 abgeschlossenen Vertrag seine draußen am Gelbinger Tor gelegene Behausung mit allen Rechten und Zubehörden, einschließlich des gegenüber gelegenen Brandplatzes, für 600 Gulden an den Bürger und Rotgerber Gabriel Schlenk (1670-1751).

1732: Der Rotgerber und Witwer Gabriel Schlenk verkauft "wegen anrükenden Alters und Baufälligkeit, auch reiffer Überlegung seiner bißher geführten beschwehrlichen Haußhaltung und Beybehaltung seiner 3en Kinder Einträchtigkeit" seine zwei am Gelbinger Tor gegeneinander über gelegenen Behausungen samt Gerbgerechtigkeit, Stallung und Gärten am 22. März 1732 für 1.200 Gulden an seinen Sohn Johann Abraham Schlenk (1706-?), ebenfalls Rotgerber. Vom Kaufpreis weren 600 Gulden Heiratsgut abgezogen. Der Verkäufer behält sich und seiner noch nicht verheirateten Tochter Margaretha Barbara ein lebenslanges Wohnrecht im neuen Haus vor. Weiterhin hat der ältere Bruder Johann Friedrich das lebenslängliche Recht, die Gerberei gleichberechtigt und unentgeltlich zu nutzen, um sein Handwerk auszuüben.

1744: Johann Abraham Schlenk verkauft seine beiden gegenüber gelegenen Behausungen samt Gerbgerechtigkeit, Stallung und Gärtlein am Gelbinger Tor nach vorangegangenen Ratsbeschlüssen vom 10. Juni und 28. August 1744 zufolge eines am 25. Oktober 1744 eingetragenen Kaufvertrags für 1.200 Gulden an seinen Bruder Johann Friedrich Schlenk (1699-1758). Das dem Vater Gabriel Schlenk eingeräumte lebenslange Wohnrecht im neuen Haus wird bestätigt, weiterhin darf Johann Abraham Schlenk für 12 Jahre die zuvor seinem Bruder zugesicherten Rechte zur Ausübung des Gerberhandwerks in beiden Häusern auf 12 Jahre für sich in Anspruch nehmen. Johann Abraham Schlenk ist allerdings laut der Inventur seines 1751 verstorbenen Vaters Gabriel Schlenk "entwichen" und soll sich in "Ostindien" aufhalten (Asien, möglicherweise die Territorien der Niederländischen Ostindien-Kompanie im heutigen Indonesien).

1767: Maria Clara Schlenk geb. Schwarz (1703-1782), Witwe des Rotgerbers Johann Friedrich Schlenk (1699-1758), verkauft die Gerbstatt in dem noch ihr gehörenden Haus sowie ihr zweites Haus am Gelbinger Tor zwischen dem Schreiner Andreas Schmidt und dem ihr gehörenden Scheuerlein (heute Gelbinger Gasse 101)  am 28. Januar 1767 für 750 Gulden an ihren ältesten Sohn Bernhard Wolfgang Schlenk (1726-1798), ebenfalls Rotgerber. Vom Kaufpreis werden 200 Gulden als "Heiratsgut" abgezogen.

1782: Die Erben des Rotgerbers Johann Friedrich Schlenk bzw. seiner Witwe Maria Clara Schlenk geb. Schwarz (1703-1782) verkaufen ihre zwischen Bäcker Dierolf und der "Lezt-Staffel" gelegene Behausung samt zugehärigem Scheuerlein und Gartenbeeten, aber ohne die im Haus gelegene, 1767 an Bernhard Wolfgang Schlenk verkaufte Gerbstatt, am 24. Mai 1782 für 624 Gulden an den Zimmermann Georg Melchior Schmidt (1745-1827) und seine Ehefrau Maria Margaretha geb. Schlenk (1753-1830). Zweitere ist eine Tochter von Bernhard Wolfgang Schlenk (1726-1798) und eine Enkelin von Johann Friedrich Schlenk. Sie gehört damit zu den Erben der Maria Clara Schlenk. Georg Melchior Schmidt verkauft das "Scheuerlen" noch am selben Tag für 111 Gulden an seinen "Schweher" (tatsächlich Schwiegervater) Bernhard Wolfgang Schlenk.

1827: Nach dem Tod des Zimmermeisters Georg Melchior Schmidt am 25. Oktober 1827 fallen seine Besitzümer an seine Witwe Maria Margaretha geb. Schlenk (1753-1830).

1830: Georg Melchior Schmidts Witwe Maria Margaretha Schmidt geb. Schlenk (1753-1830) stirbt am 7. Dezember 1830. Da das Paar keine eigenen Kinder hatte, fällt die Erbmasse einschließlich des Hauses an eine Erbengemeinschaft von weitläufigeren Verwandten, v.a. den Nachfahren der Geschwister Maria Margarethas (Inventur verloren).

Anmerkung: Mit dem separaten Verkauf der Gerberwerkstatt 1767 und der folgenden Teilung von 1830 ist das Haus auf verschiedene Eigentümer aufgeteilt. Zur besseren Übersichtlichkeit werden die verschiedenen Anteile nachfolgend separat abgehandelt:

Gerberwerkstatt im 1. Stock (zum gegenüber gelegenen Haus [Gelbinger Gasse 101] gehörig)

1798: Die im Haus befindliche Gerbstatt wird zusammen mit dem gegenüber gelegenen Haus (heute Nr. 101) aus dem Vorbesitz von Bernhard Wolfgang Schlenk für 950 Gulden an seinen Sohn Albrecht Friedrich Schlenk (1767-1849) verkauft (kein Kaufbuch vorhanden).

1849: Der Rotgerber Christian Friedrich Schlenk (1809-1874) erwirbt die Gerbstatt zusammen mit dem gegenüber gelegenen Haus (heute Nr. 101) aus dem Vorbesitz seines Vaters Albrecht Friedrich Schlenk (s. auch Kaufbuch Bl. 27).

1857: Christian Friedrich Schlenk verkauft die Gerberwerkstatt und das gegenüber gelegene Haus (heute Nr. 101) für 4.000 Gulden an den Gerbermeister August Burkhard (1833-1892) (kein Verweis auf Kaufbuch). 

1892: Die Gerberwerkstatt wird zusammen mit dem gegenüber gelegenen Haus (heute Nr. 101) aus der Nachlassmasse des am 9.Januar 1892 verstorbenen August Burkhard an den Gerber Georg Lambrecht verkauft (s. auch Kaufbuch 39, S. 232ff)

oberes Drittel

1830: Ein Drittel des Hauses (der ganze dritte Stock, die straßenseitige Hälfte am unteren Dachboden) geht aus dem Nachlass des Zimmermanns Georg Melchior Schmidt (1745-1827) und seiner Ehefrau Maria Margaretha geb. Schlenk (1753-1830) an Maria Elisabetha Kern geb. Seyboth (1784-1855), die Ehefrau des Metzgers Georg Friedrich Christian Kern (1784-1859). Maria Elisabetha ist eine Tochter der Anna Marie Seyboth geb. Schlenk (1752-1822) und eine Enkelin Bernhard Wolfgang Schlenks (keine Inventur vorhanden).

1860: Der Buchbindermeister David Magnus Scheuermann (1794-1873) erwirbt aus der Realteilung des Metzgers Georg Friedrich Kern als Alleinerbe das bisher diesem gehörende Drittel des Hauses, bestehend aus dem ganzen dritten Stock und der straßenseitigen Hälfte am unteren Dachboden. Scheuermanns dritte Ehefrau Susanna Carolina (1814-1857) ist das einzige überlebende Kind des Ehepaars Kern.

1862: Am 25. März 1862 verkauft der Buchbindermeister Magnus David Scheuermann sein Drittel am Haus, bestehend aus dem ganzen dritten Stock und der straßenseitigen Hälfte am unteren Dachboden für 700 Gulden an den Zimmermeister Johann Friedrich Seeger (1819-1862).

1864: Friedrich Seegers Witwe Rosina geb. Wieland (*1828) verkauft unter Beistand ihres nunmehrigen Verlobten, Kaufmann David Stützner, am 30. Januar 1864 ihr Drittel am Haus, bestehend aus dem ganzen dritten Stock und der straßenseitigen Hälfte am unteren Dachboden, an den Nagelschmied Georg Stutz (bereits Besitzer des unteren Hausdrittels) und den Gasfabrikarbeiter Johann Epple. Stutz übernimmt 2/5 des Hausanteils und bezahlt 400 Gulden, Epple übernimmt 3/5 des Hausanteils und bezahlt 600 Gulden.

1874: Die 1864 an Georg Stutz verkauften 2/5 vom oberen Drittel werden am 30. Januar 1874 an den Säger Karl Bauer aus Gelbingen verkauft; nach dessen Tod im selben Jahr fällt er in der am 6. Juni 1874 durchgeführten Erbteilung an die ledige Tochter Marie Bauer (s. auch Kaufbuch 21, S. 51).

1877: Marie Bauer verkauft ihre 2/5 am oberen Drittel des Hauses an den Salinenschlosser Anton Mühlbauer weiter (s. auch Kaufbuch 24, S. 97)

1879: Der Anteil von 2/5 am oberen Drittel geht für 1.200 Mark von Anton Mühlbauer an den Schuhmacher Friedrich Zimmermann und nach dessen Tod an seine Witwe, die noch bei der 1904 erfolgten Umschreibung in das Grundbuch Besitzerin dieses Hausanteils ist (s. auch Kaufbuch 25. S. 36).

1898: Der Hausanteil des Gasfabrikarbeiters Johann Epple von 3/5 vom oberen Drittel geht 1898 nach dem Ableben der Mutter als Erbschaft an den Sohn Georg Epple, Monteur.

unteres Drittel

1835: Der Rotgerber Albrecht Friedrich Schlenk (1767-1849), ein Sohn Wolfgang Bernhard Schlenks, verkauft das bisher ihm gehörende (vermutlich 1830 aus dem Nachlass der Maria Margaretha Schmidt geb. Schlenk erworbene) Hausdrittel, bestehend aus einer Stube, Alkoven, Küche, der ganze Tenne, einer großen Kammer, dem Hühnerstall unter der Stiege und einem Abtritt im unteren Stock, weiterhin  der Hälfte am unteren Boden sowie dem 2,7 Ruten messenden Grundstück des abgebrochenen Scheuerles neben dem Haus an den Nagelschmied Johann Georg Kupfer (1800-1856) s. auch Kaufbuch Bl. 163).

1861: Johann Georg Kupfers Witwe Maria Susanna Margaretha geb. Stutz (1807-1871)  verkauft ihr Drittel am Haus (im unteren Stock eine Stube, Alkoven, Küche, die ganze Tenne, eine große Kammer, Hühnerstall unter der Stiege, ein Abtritt, die Hälfte am unteren Boden, 2,7 Ruten vom Grundstück des abgebrochenen Scheuerleins) für 400 Gulden an den Nagelschmied Georg Stutz und seine Ehefrau Catharina geb. Tochtermann (s. auch Kaufbuch Bl. 195b).

1876/77: Georg Stutz verkauft sein unteres Drittel an den Schreiner Friedrich Lochstampfer. Dieser ist noch Besitzer des Hausanteils, als dieser 1902 in das Grundbuch umgeschrieben wird (s. auch Kaufbuch 23, S. 498).

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: [Besitzer erschlossen]: August Burkhardt, Rotgerber, wohnhaft Gelbinger Gasse 339 [= 101]  [Anschrift: „Gelbingerstraße 338“]
Mieter/Mitbewohner: Johann Epple, Gasarbeiter; Friedrich Lochstampfer, Schreiner; [Friedrich] Zimmermann, Schuhmacher u. Musikvereinsdiener; Katharine Zimmermann, Spinners Witwe; Friedrich Wacker, Taglöhner

1890: als Besitzer genannt: August Burkhard, Rotgerber (s.o.)
Mieter/Mitbewohner:  Philippine Epple, Taglöhners Witwe; Friedrich Lochstampfer, Schreiner; Friedrich Zimmermann, Gewerbebank- und Musikvereinsdiener; Katharine Zimmermann, Spinners Witwe; Friedrich Wacker, Taglöhner; Dorothea Würth, Köchin

1894: als Besitzer/innen genannt: Philippine Epple, Taglöhners Witwe; Friedrich Lochstampfer, Schreiner; Katharine Zimmermann, Spinners Witwe
Mieter/Mitbewohner: Johann Röck, Fabrikarbeiter; Johanne Schweikert, Malers Witwe

1901: als Besitzer/innen genannt: Johann Georg Epple, Monteur; Friedrich Lochstampfer, Schreiner; Katharine Zimmermann, Spinners Witwe [neue Anschrift: „Heilbronnerstraße 88“]
Mieter/Mitbewohner: Karl Endreß, Schlosser; Johann Röck, Fabrikarbeiter

1906: als Besitzer genannt: Georg Epple, Maschinist; Friedrich Lochstampfer, Schreinermeister; Georg Krumrey, Taglöhner
Mieter/Mitbewohner: Johann Röck, Salinenarbeiter; Georg Zimmermann, Salinenarbeiter

1910: als Besitzer/innen genannt: Friedrich Lochstampfer, Schreinermeister; Georg Krumrein, Taglöhner; Johann Röck, Fabrikarbeiter; Katharine Zimmermann, Witwe
Mieter/Mitbewohner: August Lochstampfer, Zeichner; Karl Fick, Taglöhner; Georg Zimmermann, Salinenarbeiter

1928: als Besitzer/innen genannt: Magdalene Röser, Witwe; Karl Fick, Taglöhner; Johann Röck, Taglöhner
Mieter/Mitbewohner: Georg Krumrein,  Stadttaglöhner; Johann Schneider, Taglöhner

1932: als Besitzer/innen genannt: Magdalene Röser, Witwe; Ernst Seybold, Schmied; Karl Fick, Taglöhner; Katharine Röck, Witwe
Mieter/Mitbewohner: Georg Krumrein, Stadttaglöhner

1938: [Besitzer im Adressbuch nicht gekennzeichnet] [neue Anschrift: „Gelbinger Gasse 88“]
Mieter/Bewohner: Hermann Fick, Former; Karl Fick, Sozialrentner; Georg Krumrein, Sozialrentner; Magdalene Röser, Witwe; Ernst Seybold, Schmied

1956: [Besitzer im Adressbuch nicht gekennzeichnet]
Mieter/Bewohner: Anna Fick, Hausfrau; Hermann Fick, Former; Marie Fick, Witwe; Magdalene Röser, Witwe; Ernst Seybold, Schmied; Ewald Seybold, Automechaniker; Ilse Seybold, kaufm. Angestellte; Margot Seybold, Verkäuferin; Rosa Seybold, Hausfrau

Beschreibungen

historische Beschreibungen:

1682 (Verkauf an J. M. Belzner): „seine Wohnbehausung daselbst, zwischen Jacob Mehrers seel. geweßten Pflästerers Wittib Behausung u. dem Gelbinger Thor gelegen, zusambt deren darzu gehörigen u gegenüber befindlichen Brandtstatt und Waschhauß, auch allem demjenigen, waß eingemaurt, alß Kößel, Öfen u. dergleichen, oder auch sonsten Wüdt u. Nagel hebt, vornemblich aber allem deme, so zum Handtw[erk] gehörig, nichts davon außgenommen“ (4/664, Bl. 110ff).

1698 (Verkauf an G. Schlenk): „Seine beseßene Wohnbehaußung draußen in der Gelbingergaßen allernechst dem Gelbinger Thor, mitt allen deßelben An- und Zugehörden, Rechten und Gerechtigkeiten, sonderlich aber sambt deme gegenüber gelegenen Brand-Platz, da dann die Behaußung in alliesig löbl. Praesenz-Pfleeg jährlich mit 4 ß, der Brand-Platz aber in löbl. Ampt Schlicht jährl. auch mit 1 ß gültbar“ (4/669, Bl. 57)

1732 (Verkauf an J.A. Schlenk): „seine 2 Behaußung am dem Gelbinger Thor gegeneinander über gelegen, samt der dazu gehörigen Gerb-Gerechtigkeit, Stallung und Gärttlein, wie er Verkäuffer solche zwey Bewohnungen innegehabt, genuzt und besessen, mit allen Recht und Gerechtigkeiten, davon das neü erbaute Hauß sambt Stallung und Gärttlein zu löbl. Präsenz-Pfleg 5 ß und das alte Hauß zu löbl. Ambt Schlicht 1 ß Vorgeld gülttet“ (4/680, Bl. 9)

1744 (Verkauf an J.F. Schlenk): „seine in ao. 1734 von seinem Vatter Gabriel Schlencken erkauffte und bißhro ruhig beseßene 2 Behaußungen am Gelbinger Thor, gegeneinander über gelegen, samt der darzu gehöriger Gerb-Gerechtigkeit, Stallung und Gärttlein [...], mit allen Rechten und Gerechtigkeiten, davon das neu erbaute Hauß samt Stallung und Gärttlein jährl. zur Löbl. Präsenz-Pfleeg 4 ß und das alte Hauß zu Löbl. Amt Schlicht 1 ß Vorgeld gültet“ (4/681, Bl. 223)

1782 (Verkauf an G. M. Schmidt): „Ihre von ihren seel. Eltern ererbte, zwischen Bek Dyrolphen und der Lezt Staffel gelegene und uns Löbl. Amt Schlich mit 1 ß gültbare Behaußung in Gelbinger Gaßen, wovon die Gerbstatt dem Rothgerber Bernhard Wolffgang Schlencken, vermög vorhandenen Kaufbriefs vom 28ten Jan. 1767 zugehörig, sammt einem Scheuerlen mit etlichen Gärttel Beethen zwischen ged. Rothgerber Bernhard Wolfgang Schlencken und der Stadt mauer liegend, so gültfrey“ (4/688, S. 479ff).

1827: Wohnhaus mit 18,5 Ruten, Hof 2,5 Ruten, insgesamt 21 Ruten Gesamtfläche in der Heilbronner Straße

um 1860 (Güterbuch 14): „42 [q]m eine (längst schon eingerichtete und besessene) Gerberwerkstatt im I. Stock des dem Nagelschmied Kupfer gehörigen Wohnhauses IV 338.“ (19/829, S. 213).

1862 (Verkauf des Hausdrittels des M. D. Scheuermann): „1/3tel an einem Wohnhaus am Öhringer Thor, wozu gehört der ganze dritte Stok, und die Haelfte am untern Dachboden gegen die Straße, unter den beiden Besitzern ungetheilt gemeinschaftlich“ (19/1030, S. 44)

Einträge in den Denkmallisten

Anm.: Das Gebäude wird in den Denkmallisten-Einträgen als "ehemalige Schmiede" bezeichnet. Tatsächlich dürfte es eine solche nur kurzzeitig Anfang des 20. Jh. gegeben haben. Tatsächlich befand sich hier mindestens seit dem 17. Jh. eine Gerberei (s. oben).

Die ehemalige Schmiede am Tor - ein zweigeschossiges, verputztes Fachwerkgebäude, rückseitig in Verbund mit der mittelalterlichen Stadtmauer - kann in die Zeit um 1500 datiert werden. Der deutlich vorkragende Vorstoß mit mehreren profilierten Knaggen bzw. Steinkonsolen, wie auch das kaum veränderte Obergeschoss mit den kleinformatigen Fensteröffnungen und schliesslich der hohe, stattliche Giebel legen dies nahe. Zum ursprünglichen Erscheinungsbild eines mittelalterlichen Handwerkerhauses trägt auch die intakte Erdgeschosszone zur Gelbinger Gasse hin bei. Somit kann dieses Gebäude zu den wichtigen Dokumenten Haller Fachwerkbauweise im Mittelalter gezählt werden. - Teile der mittelalterlichen Stadtmauer. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 188)

Gelbinger Gasse 88 (Flst.Nr. 0-612/3). Ehem. Schmiede, zweigeschossiges, verputztes Fachwerkgebäude, wohl 1500. Profilierte Knaggen bzw. Steinkonsolen, Obergeschoss mit kleinformatigen Fensteröffnungen, stattliche Giebel. (siehe auch unter Sachgesamtheit Stadtbefestigung "Am Markt 14, …") § 2. (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Besonderheiten

Tödlicher Unfall des drei Jahre alten Conrad Friedrich Schlenk in der väterlichen Gerberei im Jahr 1743

Am 1. Oktober 1743 ereignete sich in der zum Haus gehörenden Gerberwerkstatt ein tragisches Unglück, das Konrad Friedrich Schlenk, ein drei Jahre altes „Söhnlein“ des Gerbers Johann Abraham Schlenk, das Leben kostete. Der Pfarrer notierte im Totenbuch: „Das liebe Kind, da man meynte, daß es bey dem Altvatter [der Großvater Gabriel Schlenk] wol aufgehoben sey, ist ohnvermuthet durch einen Fehltritt in die mit Wasser angefüllte Loh-Farb-Grube gefallen, u[nd] hat darinn am Dienstag abends sein Leben kläglich geendet.“ Eine Untersuchung durch den reichsstädtischen Magistrat deckte wenig erfreuliche Verhältnisse in der Familie auf. Die Haushaltung der Eltern galt als „liederlich“. Die Mutter des verunglückten Kinds, Maria Margaretha Schlenk geb. Kütterer (1715-1747), eine Tochter des Gelbinger Wirts Georg Friedrich Kütterer, war offenbar der Trunksucht verfallen. Das Ehepaar Schlenk hatte sich mit seinen Nachbarn zerstritten, die  wenig Hemmungen zeigten, vor der Obrigkeit Kompromittierendes über das Ehepaar Schlenk zu Protokoll zu geben. Konflikte gab es auch mit dem Bruder Johann Friedrich Schlenk, der die Gerberwerkstatt im Haus mit nutzen durfte.
1747 verlor Johann Abraham Schlenk seine Frau, die im Alter von 32 Jahren, an den Folgen eines „Blutsturzes“ (Bluthusten als Folge von Tuberkulose oder Lungenkrebs) verstarb. Schlenk selbst „entwich“ wohl bald darauf aus Schwäbisch Hall und soll sich nach „Ostindien“ (vermutlich die Kolonien der Niederländischen Ostindien-Kompanie im heutigen Indonesien) begeben haben. Über sein Schicksal ist nichts weiteres bekannt.

Quellen (s. auch unten): 2/75, Bl. 130 (Nekrolog K. F. Schlenk); 5/1574 (Ermittlungen gegen den Vater)

Quellen

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956
  • Gerd Wunder: Die Ratsherren der Reichsstadt Hall 1487-1803, in: Württembergisch Franken 46 (1962), S. 100-160, hier Nr. 272 (G. Schmid)

Archivalien:

  • StadtA Schwäb. Hall 2/75 (Totenbuch St. Michael 1738-1762, Bl. 130 (Nekrolog C. F. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/664 (Kaufbuch 1680-1685), Bl. 110 (Verkauf an J. N.Belzner)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/669 (Kaufbuch 1698-1702), Bl. 57 (Verkauf an G. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/680 (Kaufbuch 1734-1739), Bl. 9 (Verkauf an J. A. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/688 (Kaufbuch 1734-1739), Bl. 9 (Verkauf an J. A. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/681 (Kaufbuch 1740-1745), Bl. 223 (Verkauf an J. F. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/685 (Kaufbuch 1762-1768), Bl. 696 (Verkauf an B. W. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/688 (Kaufbuch 1780-1782), S. 479 (Verkauf an G. M. Schmidt )
  • StadtA Schwäb. Hall 4/1544 (Unterpfandsbuch Vorstädte 1717/18ff), Bl. 594
  • StadtA Schwäb. Hall 4/1893 - 4/1933 (Beetlisten 1611/12 - 1682)
  • StadtA Schwäb. Hall 5/1574 (Tödlicher Unfall des dreijährigen Sohnes des Johann Abraham Schlenck, Rotgerber zu Schwäbisch Hall, 1743)
  • StadtA Schwäb. Hall 14/2632 (Inventur des Gabriel Schlenk, Rotgerber, 1751)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/827 (Güterbuch 2), S. 123 (J.F. Seeger)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/829 (Güterbuch 4), S. 193 (J. G. Kupfer)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/829 (Güterbuch 4), S. 203 (G. F. Kerns Ehefrau)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/829 (Güterbuch 4), S. 213 (C. F.- Schlenk, A. Burkhard [Gerberei])
  • StadtA Schwäb. Hall 19/830 (Güterbuch 5), S. 207 (D.M. Scheuermann)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/836 (Güterbuch 11), S. 513 (F. Lochstampfer)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/839 (Güterbuch 14), S. 197 (G. Stutz)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/839 (Güterbuch 14), S. 672-673 (J. Epple, G. Epple)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/842 (Güterbuch 17), S. 16 (M. Bauer)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/842 (Güterbuch 17), S. 649 (A. Mühlbauer)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/843 (Güterbuch 18), S. 175 (F. Zimmermann)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/845 (Güterbuch 20), S. 3 (G. Lambrecht)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1030 (Kaufbuch 1862/63), S. 44 (Verkauf an F. Seeger)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1031 (Kaufbuch 1864), S. 10 (Verkauf an G. Stutz und J. Epple)
  • StadtA Schwäb. Hall S27 (Genealog. Kartei)
  • Ancestry.com: Württemberg, Deutschland, evangelische Kirchenbücher, 1500-1985 [database on-line]