Haller Häuserlexikon – Besitzerliste 1827

Gelbinger Gasse 91 - Bäckerei Renner

Adresse: Gelbinger Gasse 91
Primärkatasternummer: 343
Besitzer: 1827
Stadtmann, ?, Post Secretaire in Mergentheim


Besitzerliste

„Posthaus“ Gelbinger Gasse 91 (StadtA Schwäb. Hall 4/1544, fol. 628V-629V)

Besitzergeschichte

Erstes Haus

1717: Johann Friedrich Lenhard, Pulvermacher: Behausung, eine Scheuer, Küchengarten und Stallung, erkauft 1701 um 500 fl
?: Johann Caspar Schmidt, Posthalter und äußerer Rat: erkauft um 490 fl
1735: Jacob David Weidner, Posthalter (erkauft von seinem Schwager Gräter um 600 fl)
?: dessen Tochtermann Johann Carl Meißner, kaiserlicher Postverwalter (erkauft von seinem Schwiegervater samt dem zweiten Haus um 4.000 fl)
1792: Christoph Heinrich Dötschmann, Handelsmann (erkauft 6. Juli 1792 um 1.800 fl)
1793: Johann Friedrich Stadtmann, Postverwalter (Vorkaufsrecht 5. Juli 1793 um 1.200 fl)

Scheune dahinter: neu erbaute Scheune an der Stadtmauer. 1789 von Johann Friedrich Stadtmann, Postverwalter, von Postverwalter Meißner um 500 fl erkauft

Zweites Haus

1680 – Beetliste: David Glock (dann im Weiler), an dessen Stelle Philipp Reinhart Greter, Postreiter (4/1931, fol. 86)

1689 – Beetliste: Philipp Reinhart Greter, Postreiter (4/1946, fol. 92)
1692 – Beetliste: Philipp Reinhart Greter, Postreiter, an dessen Stelle künftig Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1950, fol. 90)
Haus des Philipp Reinhart Greter wird von der Obrigkeit verkauft. Käufer Johann Caspar Schmidt, neuer Postreiter, um 510 fl (StadtA Schwäb. Hall 4/300, fol. 833V-R, 844R).
1693 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, kopuliert 13. September 1692 (4/1952, fol. 91)
1694 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1954, fol. 89)
1695 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1956, fol. 87)
1696 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1958, fol. 88)
1697 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1960, fol. 87)
1699 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1963, fol. 89)
1701 – Beetliste: Hans Caspar Schmidt, Postreiter (4/1966, fol. 87)


1717: Johann Caspar Schmidt, Posthalter (auch Anbäule und Stallung an der Stadtmauer) (erkauft um 510 fl)
1735: dessen Tochtermann Jacob David Weidner, Posthalter (ererbt)
?: dessen Tochtermann Johann Carl Meißner, Postverwalter (erkauft samt dem ersten Haus)
1778: Johann Friedrich Stadtmann, äußerer Rat und Fleischschätzer (erkauft 18. März 1778 um 900 fl): Kaufvertrag vom 18. März 1778 zwischen Johann Carl Meißner, kaiserlicher Postverwalter, und Johann Friedrich Stadtmann, äußerer Rat und Oberfleischschätzer. Meißner verkauft sein Haus in der Gelbinger Gasse zwischen seinem eigenen anderen Haus und dem Haus Moll/Bratz gelegen, ehemals Posthalter Schmidtsche Behausung, wie sie die Wand vom ehemals Pulvermacher Lenhardschen Haus scheidet, samt dem großen und dem kleinen Courierstall sowie der Miststätte (wie sie zum verkauften Haus gehört). Meißner überlässt Stadtmann auch die zum anderen Haus gehörige Miststätte bis auf einen kleinen Teil, den er selber benötigt. Verkauft wird auch das Höfle hinter dem Haus Moll/Bratz samt den dort stehenden Schweineställen. Stadtmann darf auf ewige Zeiten durch den Hof des Verkäufers mit Pferden, Kutschen, Wagen und anderem Geschirr fahren. Dafür übernimmt Stadtmann die Pflasterung des Hofes zur Hälfte. Stadtmann darf in die Scheune Meißners eine Chaise und in den Hof einen Wagen stellen, wenn es nötig ist. Die beiden Vertragsparteien behalten sich das Auslosungsrecht vor. Der Kaufpreis beträgt 900 fl. (StadtA Schwäb. Hall 4/687, S. 684-690).
1786: Johann Friedrich Stadtmann junior, Postverwalter (erhalten als Mitgift 30. März 1786)


1827: Postsekretär Stadtmann in Mergentheim

1841: Christian Lechner, von Friedrich Stadtmanns Erben (KB 1841 Bl. 296 b)

1863: Der Bäckermeister und Gassenwirt Christian Löchner verkauft das Haus mit Nebengebäuden und Gärten am 5. Juni 1863 für 7.000 Gulden an den Bäcker Friedrich Roth und dessen Ehefrau Susanna geb. Drescher, die das Anwesen bislang gepachtet haben.

1873: Carl Preger, lediger Bäcker (KB Bd. 22, S. 381)

1875: Heinrich Renner, Bäcker aus Nitzenhausen (OA Künzelsau), von Rösel Preger geb. Dötschmann, Ehefrau des Carl Preger (KB 23, S. 480) (Anm.: Verkauf wegen Trennung der Ehe des Preger)

Beschreibungen

1827: PKN 342 und 343: Wohnhaus mit 27,9 Ruten, Scheune 22,4 Ruten, Scheune und Stallung 33,2 Ruten, Hof 16,8 Ruten, insgesamt 2/8 Morgen 4,3 Ruten Grundfläche in der Heilbronner Straße

1863 (Verkauf an Friedrich Roth): "...das bisher an den Käufer verpachtet gewesene Bek Haus in der Gelbinger Gaße
zwey aneinander gebaute Wohnhäuser 3stokig an der Gelbinger Straße, neben immermeister Seeger Wttb.
18,7 R. Hofraum neben u. hinter dem Haus
16,7 R. Eine Scheuer mit Stallung hinter dem Haus neben Sebnastian Heercher
40,8 R. Gemüs u. Blumen Garten,  gegenüber u. Haus neben Hafner Sieber."

Besonderheiten

Aufenthalt des Kronprinzen Friedrich von Preußen 1734

Am 5. Juli 1734 hielt sich der an den Schauplatz des Polnischen Erbfolgekriegs am Rhein reisende preußische Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II., im damaligen Posthaus auf und reiste von dort am selben Tag nach Heilbronn weiter. In seiner Begleitung befand sich der preußische General Adolph Friedrich von der Schulenburg. Der Kronprinz wurde von einer Delegation des Haller Rats begrüßt. Im entsprechenden Ratsprotokoll ist der folgende Bericht enthalten: „Herr Consulent Bonhöffer sen. refert, dass die Ihro Hoheit dem Cronprinzen von Preussen zu complimentiren ernannte Deputation, nachdem sie erfahren, dass derselbe im Posthauss absteigen werde, sich in das benachbarte Hauss des Sailer Schlostein begeben und sich nach der Ankunft sogleich anmelden lassen, auch alsbalden vorgelassen worden und er Consulent in convenienten Terminis darauf ein Compliment abgeleget, weilen selber aber sehr geeilet, solches nicht ausgewartet, sondern darzwischen gemeldet, sie, die Deputati möchten excusiren, er müsse eilen, weil er heute noch nacher Heilbronn wollte, jedoch hätten ihm die elogia wohlgefallen, und darzu gelächelt, darauf einen catholischen Geistlichen, so nur erst von der Armee gekommen, vor sich gelassen und befragt... , darauf der Deputation die Antwort auf das Compliment gemacht, bedanke sich vor die Bemühung, sich in die Chaisen begeben und sehr geeilet, jedoch weil noch ein anderes an derselben zu machen gewesen, zuwarten müssen..."  Zu erfahren ist auch, dass man „paratstehende Praesente von Haber und Wein wegen Eilfertigkeit  nicht praesentiren könnte."  Empfangen wurde der Besucher mit einer Parade der Siederskompanie auf dem Marktplatz „mit fliegender Fahne und klingendem Spiel" und weiteren Paraden der Kompanien der Gelbinger Gasse und Unterlimpurgs am Langenfelder und Gelbinger Tor (5/32).

Quellen

Literatur:

  • G. Lenckner: Auf der Durchreise zum Kriegsschauplatz am Rhein. Wie Hall 1734 den Prinzen Eugen von Savoyen und den Kronprinzen von Preußen begrüßt, in: Der Haalquell. Blätter für Heimakunde des Haller Landes 17 (1965), S. 69-70

Archivalien:

  • StadtA SHA 5/32 (Zeremoniell gegen durchreisende hohe Personen, 1774); 19/1030 (Kaufbuch 1863), Bl. 275R