Haller Häuserlexikon – Besitzerliste 1827

Gelbinger Gasse 99

Adresse: Gelbinger Gasse 99
Primärkatasternummer: 340
Besitzer: 1827
Schlenk, Jacob Friedrich, Rotgerber


Besitzerliste

1632/24: Ab diesem Jahrgang ist aus den Beetlisten (= Bürgersteuerlisten) der Schreiner Jacob Laccorn [oder: Lackorn] (1610-1680) als Hausbesitzer zu erschließen. Zum Vorbesitzer lassen sich keine stichhaltigen Hinweise finden. Ein Kaufvertrag scheint nicht (mehr) zu existieren, in der Beetliste wurde Laccorn in eine Lücke (zwischen Hans Georg Seiferheld und Peter Geier, Hafner) eingefügt, ohne an Stelle einer anderen Person zu treten (die dann als Vorbesitzer des Hauses in Frage käme).

1661: Ab 1661 kann Jacob Laccorns Sohn Hans Adam Laccorn (1637-1724), ebenfalls Schreiner, in den Beetlisten als Besitzer des Hauses identifiziert werden. Er dürfte es von seinem Vater übernommen haben. Das in der Beetliste 1660 genannte Datum "den 13. Augusti 1661" könnte das Datum der Übernahme sein.  Ein Kaufvertrag ist nicht nachweisbar.

1724: Johann Conrad Schmid, Zimmermann, erwirbt das Haus zusammen mit dem zugehörigen "Scheuerlein" (heute: Gelbinger Gasse 101/1) für 600 Gulden aus dem Nachlass seines verstorbenen Schwiegervaters Johann Adam Laccorn bzw. von dessen Sohn Johann Georg Lackorn, Präzeptor Quintae Classis des Gymnasiums.

1733: Am 5. Mai 1733 verkauft Johann Conrad Schmid, Zimmermann und Bestandssägemüller auf der herrschaftlichen Sägemühle vor dem Riedener Tor, die Behausung mit dem Gärtlein sowie das Scheuerlein und Gärtlein am Gelbinger Tor für 600 Gulden an seinen Sohn Johann Andreas Schmid, Bürger und Schreiner in Hall.

1782: Spätestens im Zuge der Nachlassteilung des am 9. März 1782 verstorbenen Johann Andreas Schmid geht das Haus mit Garten auf dessen Sohn Joseph Nikolaus Schmid über (Kaufvertrag oder Inventur nicht auffindbar).

1793: Joseph Nicolaus Schmidt, Bürger und Schreinermeister, verkauft seine Behausung mitsamt dahinter gelegenem Küchengärtlein am 25. Oktober 1793 für 950 Gulden an Friedrich Carl Schlenck, Bürger und Rotgerbermeister.

1820: Der Rotgerbermeister Friedrich Karl Schlenk verkauft das Haus samt dem dahinter gelegenen Gärtlein am 5. Dezember 1820 für 900 Gulden an seinen Sohn Jakob Friedrich Schlenk, ebenfalls Rotgerber. Friedrich Karl Schlenk lässt sich ein lebenslanges Wohnrecht in der "unteren Stube" zusichern; weiterhin "darf der Vatter sein Handwerk in der Werkstatt mit dem Sohn treiben."

1827 (im Primärkataster als Besitzer genannt): Schlenk, Jacob Friedrich, Rotgerber

1844: Das Haus wird mitsamt der zugehörigen Scheuer Nr. 340a von Jakob Friedrich Schlenks Witwe an den Kübler Karl Johann Truppel verkauft (s. auch Kaufbuch Bl. 159b)

1867: Der Lederhändler Sigmund Burkhard erwirbt das Haus aus dem Vorbesitz von Kübler Truppel (s. auch Güterbuch X, S. 571; Kaufbuch 15, S. 76).

1870: Nach dem Tod Burkhards fällt sein Besitz an seine Witwe und die fünf gemeinsamen Kinder.

1878/79: Das Haus kommt an den Gerbermeister Johann August Burkhard (1833-1892), dem seit 1857 bereits das benachbarte Haus Nr. 339 (heute Gelbinger Gasse 101) gehört (s. auch Kaufbuch 25, S. 320).

1888: Johann August Burkhard verkauft das Haus an den Taglöhner Michael Beyerbach (s. auch Kaufbuch 35, S. 64).

1903: Am 12. Juni 1903 verkauft an den Taglöhner Christian Wagner und in das Grundbuch übertragen.

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: [Besitzer erschlossen]: Johann August Burkhardt, Rotgerber, wohnhaft Gelbinger Gasse 101  [Anschrift: „Gelbingerstraße 339“]
Mieter/Mitbewohner: Christof Frank, Nagelschmied; Fr. Glessing, Schleifer; Johann Mack, Briefträger

1890: als Besitzer genannt: Michael Bayerbach, Taglöhner
Mieter/Mitbewohner: Heinrich Gienlein, Taglöhner; Michael Hoffmann, Taglöhner; Gottfried Weller, Taglöhner

1894: als Besitzer genannt: Michael Bayerbach, Taglöhner
Mieter/Mitbewohner: Franz Bauer, Zeugschmied; Joseph Klenk, Taglöhner; Katharina Köhler, Gipsers Witwe; Georg Simmoth jr., Bildhauer

1901: als Besitzer genannt: Michael Bayerbach, Taglöhner [neue Anschrift: „Heilbronnerstraße 99“]
Mieter/Mitbewohner: Karl Spörle, Taglöhner; Peter Schübelin, Spinner; Katharina Köhler, Gipsers Witwe; Wilhelm Heinkel, Taglöhner; Georg Grün, Privatier; Margarethe Neumeister, Taglöhnerin

1906: als Besitzer genannt: Christian Wagner, Taglöhner
Mieter/Mitbewohner: Peter Schübelin, gewesener Spinner; K. Schwarz, Fabrikarbeiterin; F. Schanzenbach, Fabrikarbeiter; Karl Wieland, Kutscher

1910: als Besitzer genannt: Christian Wagner, Taglöhner
Mieter/Mitbewohner: Gottlieb Schmidt, Fabrikarbeiter; Pauline Böhringer, Witwe; Anton Heiland, Kaminfeger; Gottlob Maurer, Fabrikarbeiter; Karl Scheu, Fabrikarbeiter

1928: als Besitzerin genannt: Karoline Wagner, Witwe u. Wäscherin
Mieter/Mitbewohner: Wilhelm Trumpp, Hilfsarbeiter; Christine Röck, Witwe u. Wäscherin; Pauline Böhringer, Witwe u. Rentnerin; Rosine Maier, Witwe u. Rentnerin

1932: als Besitzer genannt: Karoline Wagner, Witwe u. Wäscherin
Mieter/Mitbewohner: Gottlieb Schoch, Hilfsarbeiter; Christine Röck, Witwe u. Wäscherin; Katharina Kautter, Witwe u. Wäscherin; Rosine Maier, Witwe u. Rentnerin

1938: [Besitzer im Adressbuch nicht gekennzeichnet] [neue Anschrift: „Gelbinger Gasse 99“]
Mieter/Bewohner: Lina Wagner, Privatschwester; Katharine Kautter, Sozialrentnerin; Ella Maier, Hausgehilfin; Katharine Philipp, Witwe; Chrstine Röck, Sozialrentnerin

1956: [Besitzer im Adressbuch nicht gekennzeichnet]
Mieter/Bewohner: Ella Ehrmann, Hilfsarbeiterin; Friedrich Hesser, Schneidermeister; Hilde Hesser, Hausfrau; Lydia Weinmann, Hausfrau; Richard Weinmann, Maurermeister

Befunde aus Bauforschung

Gerüst dendrochronologisch datiert auf 1458 (BF Lohrum/Bleyer). Portal mit Jahreszahl "1688".

Befunde aus Bauakten

1889/90: Das Haus wird "baulich verbessert u[nd] erhöht" (19/844, S. 215).

Beschreibungen

historische Beschreibungen

1717/18 (Unterpfandsbuch Vorstädte): „Eine Behaußung und Küchengärttlen, angeschlagen zu 400 fl. Gültet 11 ß in löbl[iches] Hospital. Item deßen Scheuerlen mit etlichen Gärttelbeethen, tax[iert] a 150 fl.“ (4/1544, Bl. 631).

1724 (Inventur des J. A. Laccorn): „Eine Behaußung in Gelbinger Gaßen, sambt einem Küchengärttlein darhinter, am Gelbinger Thor, zwischen Johann Georg Ehrlichs, Bürgers und Rothgerbers, und Gabriel Schlenckens, auch Bürgers und Rothgerbers, neu erbauten Behaußung gelegen, so in löbl[iches] Hospithal 11 ß Vorgeld gültbar“ (14/2003).

1733 (Verkauf an J. A. Schmid): „sein bißhero ingehabt und ruhig beseßene Behaußung und Gärtlein in Gelbinger Gaßen zwischen des H[errn] Johann Georg Bauren, deß E[ußeren] Raths und Lebküchners Gartten, sodann Abraham Schlenckens, Rothgerbers, neu erbaute[r] Behaußung gelegen, so in löbl. Hospital allhier mit 11 ß Vorgeld-Gült gültbar, nebst deme zwischen erstged[achtem] Schlencken Hauß und der Stadt-Mauer gelegenen Scheuerlein und Gärtlein, welche gültfrey“ (4/679, Bl. 277b).

1793 (Verkauf an F. C. Schlenk): „Seine bisher ruhig beseßene in der Gelbinger Gassen zwischen Bernhard Wolfgang Schlencken Rothgerbermstr. und Rotgerbermstr. Häfflins Garten gelegene in löbl[iches] Hospithel mit 11 ß gültbare ganze Behausung samt dem darhinter befind[ichen] Küchengärttlen und übrig[en] Recht[en] u[nd] Gerechtigk[eiten]“ (4/692)

1820 (Verkauf an Jakob Friedrich Schlenk): „Seine bisher besessene Behausung in der Gelbinger Gaße, neben Albrecht Schlenk und Herrn Kaufmann Sandels Bretter Magazin, in löbl. Hospital mit 11 ß gültbar, nebst dem dahinder befindlichen Küchengärttlen“ (19/1005)

1827 (Primärkataster): Wohnhaus mit 9,9 Ruten, Scheuer 6 (Hsnr. 101/1) und Hof 2,3 Ruten insgesamt 18,2 Ruten (gemeinschaftlich Hof mit PKN 339) in der Heilbronner Straße

1844 (Güterbuch 10): „Gebäude 9,9 Rthn. IV 340. Ein zweistokigtes Wohnhaus in der Heilbronner Straße neben Albrecht Schlenk und Eberhard Sandel mit gewölbtem Keller“ (19/835, S. 571)

1888 (Güterbuch 19): „77 [qm] Gebäude: ein 2-stockiges [später geändert: 3-stockiges] Wohnhaus an der Gelbinger Straße, mit gewölbtem Keller, zwischen August Burkhard, Gerber, und Wagner Beck. 01 [qm] Abtritt. 44 [qm] Hofraum [später geändert: 34 qm]. 10 [qm] Anbau [dieser Eintrag später ergänzt].  [...] 1889/90 baulich verbessert u[nd] erhöht“ (19/844, S. 215).

Beschreibungen aus den Denkmallisten

Verputztes Fachwerk-Wohnhaus, profilierte Fußschwellen, viergeteilte Haustür mit Holzgewände, ornamentiert, bezeichnet 1688. Eingetragen in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08.10.1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 191)

Gelbinger Gasse 99 (Flst.Nr. 0-37/2). Verputztes Fachwerk-Wohnhaus, profilierte Fußschwellen, viergeteilte Haustür mit Holzgewände, ornamentiert, bez. 1688, 1458 (d). § 28. (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Quellen

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956

Archivalien:

  • StadtA Schwäb. Hall 4/679 (Kaufbuch 1728-1733), S. 277b (Verkauf an J. A. Schmid)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/692 (Kaufbuch 1792-1794), Bl. 227b (Verkauf an F. C. Schlenk)
  • StadtA Schwäb. Hall 4/1544 (Unterpfandsbuch Vorstädte 1717/18ff), Bl. 632
  • StadtA Schwäb. Hall 4/1696-4/1996 (Beetlisten 1617/18 - 1716)
  • StadtA Schwäb. Hall 14/2003 (Inventur des Johann Adam Laccorn, Herrenschreiner, 1724-1725)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/829 (Güterbuch 4), S. 474 (S. Burkhard)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/829 (Güterbuch 4), S. 214 (J. A. Burkhard)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/835 (Güterbuch 10), S. 571 (K. J. Truppel)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/844 (Güterbuch 19), S. 215 (M. Beyerbach)
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1005 (Kaufbuch 1820), Nr. 66 (Verkauf an J.F. Schlenk)