Haller Häuserlexikon – Primärkataster-Nr.

Gelbinger Gasse 101/1

Adresse: Gelbinger Gasse 101/1
Primärkatasternummer: 340a
Besitzer
Schlenk, Jacob Friedrich, Rotgerber


Besitzerliste

1717/18 (Unterpfandsbuch): als Besitzer des "Scheuerleins" genannt ist Johann Adam Laccorn, Herrenschreiner, dem auch das heutige Haus Gelbinger Gasse 99 gehört.

1724: Der Tochtermann Johann Conrad Schmidt, Zimmermann, erwirbt das "Scheuerlein" zusammen mit dem Wohnhaus (heute Gelbinger Gasse 99) für 600 Gulden aus dem Nachlass seines Schwiegervaters Johann Adam Laccorn bzw. von dessen Sohn Johann Georg Lackorn, Präzeptor Quintae Classis des Gymnasiums.

1737: Der Schreiner Johann Andreas Schmidt, dem auch das heutige Haus Gelbinger Gasse 99 gehört, verkauft das "Scheuerle" mit den zugehörigen Gartenbeeten für 125 Gulden an Johann Abraham Schlenk, Rotgerber.

1747: Georg Friedrich Weber erwirbt "dieses Scheuerlein" am 27. März 1747 vom reichsstädtischen Umschlagamt für 130 bar erlegte Gulden und verkauft es am 16. Dezember 1747 für 100 Gulden an den Rotgerber Johann Friedrich Schlenk weiter. 

1782: Johann Friedrichs Sohn, der Rotgerber Bernhard Wolfgang Schlenk, erwirbt das "Scheuerlein" am 24. Mai 1782 für 110 Gulden.

1793: Das Scheuerle kommt am 18. Oktober 1793 für 150 Gulden samt der Hälfte an einer gegenüber liegenden Werkstatt von Bernhard Wolfgang Schlenk an dessen Sohn Friedrich Carl Schlenk, Rotgerber.

1820: Jakob Friedrich Schlenk, Sohn von Friedrich Carl Schlenk und Besitzer des heutigen Hauses Nr. 99, erwirbt das Scheuerlein 1820.

1827: Jacob Friedrich Schlenk, Rotgerber (gehört zu Gelbinger Gasse 99, PKN 340)

Befunde aus Bauakten

1934: Anlage eines Gewölbekellers unter dem Haus mit Steinen des 1933 abgebauten Heimbachtunnels (vgl. HT-Artikel Kalinke).

Beschreibungen

1724 (Inventur des J. A. Laccorn): „Ein Scheuerlein, sambt einem Gärtlein darbey, zwischen gedachten Rothgerber Schlenckens Behaußung, und der Stadtmauer gelegen, so gültfrey, laut pergamentinen Brieffs de dato 3. Julii anno 1615...“ (14/2003).

1827: Eine Scheuer mit 6,0 Ruten, gehörend zu PKN 340 (Gelbinger Gasse 99)

Besonderheiten

Gewölbekeller aus Steinen des Heimbachtunnels

Der im Zusammenhang mit dem Bau der 1862 eröffneten Eisenbahnlinie angelegte Heimbachtunnel wurde 1933 abgebaut und durch eine Eisenbahnbrücke ersetzt, unter der die Stuttgarter Straße bis heute die Eisenbahnlinie unterquert. 1934 erwarb der Küfer Gustav Stähle die Steine des Tunnelgewölbes, um damit unter dem im selben Jahr von ihm erworbenen Haus Gelbinger Gasse 101/1 einen Gewölbekeller anzulegen. Der Keller wurde in Handarbeit ausgegraben, die Steine des Heimbachtunnels nummerierte man und setzte sie an ihrem neuen Bestimmungsort wieder zusammen. Gustav Stähle stellte in diesem Keller 16 bis 17 Fässer mit bis zu 50 Hektoliter Fassungsvermögen auf, die er zur Lagerung von Wein und Most nutzte. Den Wein verkaufte Stähle überwiegend an Gastwirtschaften, aber auch an Privatkunden. Auf Wunsch wurde der Wein in Flaschen mit eigenem Etikett abgefüllt. Den Apfelwein lieferte er in 50-Liter-Fässern an Landwirte bis in den Raum Dinkelsbühhl, Feuchtwangen und Ansbach. Mit dem Tod von Gustav Stähle am 23. September 1985 endete auch die Küferei im Haus. Die Fässer wurden 1988 verkauft.

Quellen

Archivalien:

  • StadtA Schwäb. Hall 4/1544 (Unterpfandsbuch Vorstädte 1717/18ff), Bl. 632b
  • StadtA Schwäb. Hall 14/2003 (Inventur des Johann Adam Laccorn, Herrenschreiner, 1724-1725)

Literatur:

  • Dieter Kalinke: Erinnerung an die gute alte Zeit. Faßlager der Firma Stähle hat ausgedient - aber der alte Heimbachtunnel bleibt erhalten, in: Haller Tagblatt Nr. 30 v. 6.2.1988, S. 19