Haller Häuserlexikon – Primärkataster-Nr.

Lange Straße 26 - Verfallen, saniert, ausgezeichnet

Adresse: Lange Straße 26
Primärkatasternummer: 701
Besitzer
Groh, Georg Adam, Beisitzer zu 1/3; Ikinger, Küfer, Witwe zu 2/3


Besitzerliste

Kaufbriefe v. 1559, 1654, 1675

 

Möglicherweise bezieht sich ein Kreditvertrag von 1559 (StadtA Schwäb. Hall 17/872), in dem Leonhard Schmid, Bürger zu Schwäbisch Hall, ein Darlehen von 15 Gulden bei der Bruderschaft von St. Katharina aufnahm, auf dieses Haus. Schmid bot als Sicherheit für das Darlehen eine Hypothek auf sein Haus in der St. Katharinengasse jenseits Kochens zwischen Hans Glück und Leonhard Nadler an. Das Haus gültete 6 1/2 Schilling Vorgeld an den Heiligen von St. Katharina.

Aus den Beetlisten (Bürgersteuerlisten) lässt sich ab 1651 der Kornmesser Hermann Krumray als Bewohner des Hauses nachweisen. Da es in den Beetlisten zwischen 1633 und 1651 eine Lücke gibt, lässt sich durch sie ein (ungefähres) Datum des Erwerbs nicht feststellen.

1675 erwarb Johann Georg Wibel, Pfarrer zu St. Katharina, von den drei hinterlassenen Kindern des Hermann Krumray, Kornmesser, deren Haus in der Katharinen oder Langen Gasse (gelegen zwischen Michel Zihr, Kornmesser, und Ursula Maria Hofmann) um 300 Gulden. Das Haus gültete in die Pflege zu St. Katharina 6 Schilling Vorgeld, der Garten einen Schilling Zehntgeld. Die zwei Söhne Krumrays waren in das Spital aufgenommen worden, 100 Gulden von der Kaufsumme flossen als Pfründgeld an diese Einrichtung. (StadtA Schwäb. Hall 4/844, fol. 161V-R)

 

1714 kaufte der Schneider Johann Jacob Röthel das Haus für 500 Gulden. Verkäufer waren die Erben der Maria Wibel, Witwe des Johann Georg Wibel, Pfarrer zu St. Katharina, Consistorialis und Scholarch. Anlieger waren damals die verwitwete Frau Pfarrer Dötschmann und Hans Michael Stadtmüller, Tuchmacher. (StadtA Schwäb. Hall 4/673, S. 353-356; 14/1820) Um den Kauf diesen Hauses zu finanzieren, verkaufte Röthel (oder auch Rödel) sein bis dahin besessenes Haus an Johann Balthasar Groß, Salzsieder, um 233 Gulden (ebd., S. 397-399)

 

Aus dem Nachlassinventar der Maria Wibel 1713 (StadtA Schwäb. Hall 14/1820) lässt sich die Aufteilung des Hauses erkennen: genannt werden eine hintere Stube (darin standen mindestens zwei Sessel, ein Tisch mit Schieferplatte und ein Stuhl mit gedrechselten Armlehnen), eine hintere Kammer (mit einem "Behälter" = Schrank, einer "wohl verschlossenen, grün angestrichenen Truhe", einer Reisetruhe, einem alten Schrein und einem Nachtstuhl) und eine vordere Kammer (enthielt eine "gehimmelte Bettlade", einen Brotschrank, einen Sessel, ein Kästlein mit Schubladen, einen "Behälter") sowie eine vordere Stube (worin sich ein Stuhl mit Armlehnen, ein Tisch, ein "Trißur" (=Schrank für Wertsachen) und ein "sauberer" Stuhl mit Armlehnen befanden). In der Tenne standen zwei Ofenschrannen (=Bänke) und ein Mehlkasten sowie ein Waschtisch. Auf der Bühne befanden sich ein "Siedel" (= Truhe), ein Küchenschrank, eine weitere Truhe, ein runder Tisch und ein Backtrog. In der Küche stand eine Schranne. Weiteres (schlechtes) Mobiliar ist nicht exakt den jeweiligen Räumen zugeschrieben. (StadtA Schwäb. Hall 14/1820)

 

1737 starb Maria Helena Röthel, die Witwe des Johann Jacob Röthel, Schneider, die in erster Ehe mit Johann Michael Koch, Salzsieder, verheiratet gewesen war. Maria Helena hinterließ zwei Söhne: Johann Balthasar Koch aus erster Ehe und Johann Bernhard Röthel aus der zweiten. Koch war Soldat im Türkenkrieg und fiel 1737 vor Widin. (StadtA Schwäb. Hall 14/2258 und 14/2268)

 

Am 17. Februar 1738 ging der vordere Teil des Hauses mitsamt dem ganzen Garten an Johann Heinrich Engel, Torwart am Steinernen Steg. Der Kaufpreis betrug 358 Gulden. Verkäufer waren die Vormünder von Johann Bernhard Rödel, Schneidersgeselle. Anlieger waren 1738 die verwitwete Buchdruckerin Luther und die Witwe von Tuchmacher Stadtmüller. Der verkaufte Teil des Hauses war im Kaufbrief von 1737 über den hinteren Teil des Hauses genau beschrieben. Privet und Backofen in der unteren Küche wurde von beiden Hausbesitzern gemeinsam genutzt. Der Besitzer des hinteren Teils hatte den Durchgang durch die Tenne mitsamt seinem Vieh in das Höfle und zu seiner Stallung. Der Schweinestall im Hof sollte erhalten bleiben. Geteilt waren die Holzkammer sowie der Waschkessel im Garten wie auch der Winkel und das Kellerle. Das Privet sollte jedes Jahr abwechslungsweise von den Besitzern auf einem gewissen Platz im Höfle ausgeschlagen werden. (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 233V-234V)

 

Schon am 9. Oktober 1738 erwarb Johann Philipp Otho, Advokat und Prozessregistrator, diesen Hausteil (für 415 Gulden). (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 274V-275R) Otho behielt den Garten, trennte sich aber schon einen Monat später wieder vom Hausteil, der unter dem 29. November 1738 an Georg Stephan Jörg, Beisitzer und Taglöhner, vorher Einwohner zu Leoweiler, ging (260 Gulden). Abgeschafft wurden der Waschkessel und die Waschgerechtigkeit im Garten, die Otho nicht mehr zuließ. (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 291R-293V; 13/281)

 

Georg Stephan Jörg folgte als Hausteilbesitzer seine Witwe und sein Sohn Georg Adam Jörg, Bürstenbinder, der den Hausteil kurz nach dem Erbfall verkaufte.

 

Am 23. Juni 1781 kaufte Jacob Friedrich Bauer, Bürger und Fuhrknecht, um 450 Gulden diesen Hausteil von Jörg. Anlieger waren Küfer Schwarz und Nachtwächter Sauer. Die Vorschriften über Backofen und Privet waren noch dieselben wie 1738. Mittlerweile (1768) hatte es allerdings Streit zwischen dem Besitzer des vorderen und des hinteren Teils wegen der Holzkammer gegeben, der auf dem Vergleichswege begelegt worden war. Die Größe der jeweiligen Holzkammern (für Jörg als damaligem Besitzer 14 Schuh und 4 Zoll, für Haaf 8 Schuh und 8 Zoll). Jörg hatte seine Kammer direkt hinter der Nebentür von der Gasse, Haaf musste sich mit dem hinteren Teil an seiner Stalltür zufrieden geben. Da Haaf seinen Teil mit Brettern verschließen wollte, wurde Jörg der freie Zugang in den Hof zu seinem Stall eingeräumt. (StadtA Schwäb. Hall 4/688, S. 316-321)

 

Auf Bauer folgten Johann Georg Ritter, Beisitzer, und Johann Carl Ikinger, Küfer, der Ehenachfolger Ritters, als Hausbesitzer.

 

Der hintere Teil (ohne Garten) war schon 1731 an Michel Kühnle, Beisitzer, für 150 Gulden verkauft worden. Kühnle (der aus Gottwollshausen stammte) bat am 11. Juni 1731 den Rat um die Gewährung des Schutzes und um die Ratifikation seines mit Schneider Hans Jacob Röthel getroffenen Kaufvertrages, der den hinteren Anbau des Röthelschen Hauses betraf. Der Katharinenpfleger Textor erhob Einspruch, da das Haus der Katharinenpflege gültbar war und erst die Gült verteilt werden musste, bevor das Haus zwei verschiedene Besitzer haben konnte. Zwei Tage später hatte Textor das Haus besichtigt und war mit der Teilung einverstanden, da kein neues Feuerrecht entstehen werde. Auf den hinteren Teil des Hauses sollte ein Vorgeld geschlagen (2 Schillinge) als Abgabe geschlagen werden. Der Rat war einverstanden, Michel Kühnle wurde in den städtischen Schutz aufgenommen und durfte sein halbes Haus beziehen. (StadtA Schwäb. Hall 4/340, fol. 284V, 288R)

 

1735 erwarb diesen hinteren Teil des Hauses Johann Michael Krauß, Beisitzer, für 150 Gulden.

 

1737 kaufte Johann Jacob Bratz, Bürger und Hausmetzger, für 169 Gulden den Hausteil. Verkäufer war Johann Michael Krauß, Beisitzer. Als Anlieger werden die Witwe des Tuchmachers Stadtmüller und die Witwe des Buchdruckers Luther genannt. Der vordere Teil gehörte Johann Heinrich Engel, Torwart am Steinernen Steg. Zum hinteren Teil gehörte eine Stube, Stubenkammer und Küche ganz allein, wobei der Besitzer des vorderen Teils den Backofen und das Privet, die sich beide in der Küche befanden, zur Hälfte mitnutzen durfte. Der Besitzer des hinteren Teil durfte hingegen den Durchgang durch die Tenne mit seinem Vieh zu der im Hof befindlichen Stallung in Anspruch nehmen. Der Schweinestall im Hof gehörte auch ihm allein. In der Tenne durfte er ein Stück von der Holzkammer in Anspruch nehmen, im Garten den Waschkessel nutzen und die Hälfte des Winkels und des Kellers in Beschlag nehmen. Das Privet sollte jedes Jahr auf einen gewissen Platz im Höfle ausgeschlagen werden, was jeder der beiden Hausbesitzer abwechslungsweise erledigen durfte. (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 201V-202V)

 

1755 erwarb ihn Georg Michael Haff, Beisitzer (für 125 Gulden). Verkäuferin war Maria Catharina Schwend, Witwe des Johann Friedrich Schwend, Schneider, als Erbin der Maria Barbara Bratz, Witwe des Johann Jacob Bratz, Hausmetzger. Anlieger waren damals die Witwe des Tuchmachers Stadtmüller und Peter Trautmann, Zimmermann. Der vordere Teil gehörte Jörg Stephan Jörg, Beisitzer. Die Beschreibung der hinteren Haushälfte entspricht der von 1737. Am Rande wurde der Vergleich von 1768 (siehe oben) notiert. (StadtA Schwäb. Hall 4/683, fol. 235R-236R)

 

Weiterer Hausbesitzer war dann ab 1796 Georg Adam Groh, Beisitzer (125 Gulden). Verkäuferin war Eva Dorothea Sybilla Haaf, Witwe des Georg Michael Haaf, Beisitzer. Anlieger waren damals Küfer Schwarz und Schuhmacher Sanwald. Der vordere Hausteil gehörte Johann Georg Ritter, Beisitzer. Georg Adam Groh war der Tochtermann der Verkäuferin. Die Witwe Haaf bedang sich den lebenslänglichen Sitz im Haus und die notdürftige Unterhaltung aus. (StadtA Schwäb. Hall 4/761, fol. 311V-R)

 

Groh verkaufte 1810 einen Platz im unteren Tennen an Maria Catharina Ikinger, die Witwe Johann Carl Ikingers und Besitzerin der vorderen Haushälte (Kaufpreis: 18 Gulden).

 

1827: Groh, Georg Adam, Beisitzer, zu 1/3; Ikinger, Küfer, Witwe, zu 2/3

Haustafel

Die Gebäudezeile, zu der dieses Haus gehört, erinnert an moderne Reihenhäuser, stammt aber aus dem Mittelalter. Das Gebäude mit der gotischen Tür gehört zu den ältesten erhaltenen Kleinhäusern der Altstadt. Die vorbildliche Sanierung des Hauses, bei dem die historische Substanz erhalten blieb, wurde vom Schwäbischen Heimatbund mit einem Preis ausgezeichnet.

Befunde aus Bauforschung

Keller aus dem 13. und 14. Jahrhundert. (StadtA Schwäb. Hall BF 73)

Keller aus dem 14./15. Jahrhunder. (StadtA Schwäb. Hall BF 7)

Holzteile aus dem 14. und 16. Jahrhundert, dendrochronologisch datiert auf 1334/1335/1336, 1528/1529. (StadtA Schwäb. Hall BF 7 und BF 73)

Dendrochonoloigsch datiert: Gerüst (nur eine Probe) auf 1334/35; Umbau auf 1528/29. (BF Lohrum/Bleyer)

Im Innern (1. Obergeschoss) Reste der ursprünglichen Bohlenstube erhalten. Bemalungsreste vorhanden.

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit 9,9 Ruten samt Anbau, Hof 3,2 Ruten, insgesamt 13,1 Ruten

 

Lange Straße 26 (Flst.Nr. 0-366/1). Wohnhaus. Zweigeschossiges, traufständiges, verputztes Gebäude mit niedrigem Erdgeschoss und weit auskragendem Obergeschoss. Im rückseitigem Erdgeschoss gotisches Türgelände. 1335 (d), Dachkonstruktion in jüngerer Zeit erneuert. § 2 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Quellen

StadtA Schwäb. Hall 4/1544, fol. 464R, 464b V+R