Haller Häuserlexikon – Primärkataster-Nr.

Sparkassenplatz 4 (früher: Hinter der Post) - ehem. Post (Postablage-Bureau)

Adresse: Sparkassenplatz 4 (früher: Hinter der Post)
Primärkatasternummer: 431
Besitzer
Hutzelsieder, Christoph David, Konditor, zu 2/3; Dürolf, Georg David, Schneider, zu 1/3


Besitzerliste

1827: Friedrich Oesterle (oder: Österlin), Wirt zum Kurfürsten, verkauft ein Drittel am Haus, das aus Räumen im dritten Stock, Bodenkammern, einem Holzstall und der Hälfte am Keller besteht, am 13. Juni 1827 für 800 Gulden an den Schneidermeister Georg David Dierolf. Der Besitzübergang findet am 1. Juli statt.

1827: als Besitzer genannt (Primärkataster): Hutzelsieder, Christoph David, Konditor, zu 2/3 und Dürolf, Georg David, zu 1/3

1840: Schreiner Klinger als Pfleger der Erben des Lebküchners Christoph David Huzelsieder verkauft den Anteil von zwei Dritteln am Haus nach einer Versteigerung am 28. Dezember 1840 für 3.700 Gulden an Georg Leicht, Gastgeber zum Lamm. Das Haus ist von den Huzelsieder'schen Erben bis Lichtmeß 1841 (2. Februar) zu räumen

1846: Lammwirt Georg Michael Leicht und seine Ehefrau Wilhelmine geb . Happold verkaufen am 30. Januar 1846 die Wirtschaft zum Lamm in der Neuen Straße mit einem zugehörigen "Scheuerle" (PKN 428 u. 428a, heute Neue Straße 7, Stadtbibliothek), zwei Drittel an einem Wohnhaus gegen den Judenmarkt mit unten eingerichteter Stallung (PKN 431, heute Sparkassenplatz 4) und ein Remisengebäude im Haal am Eck zwischen Schlossermeister Fritsch und seiner Werkstätte für 25.000 Gulden an Hermann Kommerell aus Tübingen. Als Datum des Besitzübergangs wird der 1. April festgelegt. Kommerell tritt in den mit dem Kgl. Kameralamt bestehenden Mietvertrag "über das Schullokal im Huzelsiederschen Haus" ein, aus dem er jährlich 88 Gulden bezieht.

1846: Schneidermeister Georg David Dierolf verkauft seinen Hausanteil von einem Drittel am 31. Oktober 1846 für 1.800 Gulden an Lammwirt Hermann Kommerell. Der Verkäufer hat seinen bisherigen Hausteil innerhalb von sechs Wochen zu räumen.

1858: Lammwirt Hermann Kommerell verkauft das Anwesen am 30. Januar 1858 für 6.000 Gulden an die württembergische Staatsfinanzverwaltung "als Central-Behörde für die Verkehrs-Anstalten zur Verwendung als Post-Gebäude." Kommerell verpflichtet sich, bei dem anstoßenden Stallgebäude und Heuboden das Dach abzunehmen und es "bis auf die zweite Stokhöhe" des Wohnhauses zu erniedrigen. Außerdem soll das Dach so umgebaut werden, dass es keine direkte Verbindung mehr zwischen dem Stallgebäude und dem verkauften Wohnhaus mehr gibt, sondern "wie früher" einen gemeinschaftlichen "Winkel" (Durchgang?). Die Kosten für den Umbau übernimmt die Finanzverwaltung. Außerdem verzichtet Kommerell auf Forderungen aus einem Mietvertrag mit der Finanzverwaltung "über die Benuzung einer Schulstube" im Gebäude (?).

1891: Das Gebäude wird mit Ausnahme des "Postablage-Bureaus" von der Staatsfinanzverwaltung an die Stadtgemeinde Hall übertragen.

1900: Die Staatsfinanzverwaltung verkauft den restlichen Hausanteil (ehem. Postablage-Büro) an die Stadtgemeinde Hall.

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: [Besitzer: Staatsfinanzverwaltung], Anschrift: "Judenmarkt 431"
Mieter/Mitbewohner: Otto Wunderlich, Stadtschultheiß; Karl Keinath, Präzeptor

1890: Besitzer: Stadtgemeinde, Anschrift "Judenmarkt 431"
Mieter/Mitbewohner: Karl Keinath, Präzeptor; Julius Krauß, Spital-Forstverwalter; Pauline Walter, Postsekretairs-Frau

1894: Besitzer: Stadtgemeinde, Anschrift "Judenmarkt 431"
Mieter/Mitbewohner: Karl Keinath, Präzeptor; Julius Krauß, Oberförster

1901: Besitzer: Städtisches Eigentum, Anschrift "Unterer Postplatz 4"
Mieter/Mitbewohner: Emil Hauber, Stadtschultheiß; Wilhelm Großmüller, Musikdirektor

1906: Besitzer: Städtisches Gebäude, Anschrift "Unterer Postplatz 4"
Mieter/Mitbewohner: Emil Hauber, Stadtschultheiß; Mina Kübler, Bierbrauereibesitzers-Witwe; Lina Humm, Salzsteueramtsassistenten-Witwe

1910: Besitzer: Städtisches Gebäude, Anschrift "Unterer Postplatz 4"
Mieter/Mitbewohner: Emil Hauber, Stadtschultheiß; Wilhelmine Kübler, Privatiere; Lina Humm, Salzsteuer-Assistenten-Witwe; Karl Sommer, L.-G.-Sekretär

1920: Besitzer: Städtisches Gebäude, Anschrift: "Unterer Postplatz 4"
Mieter/Mitbewohner: Wilhelmine Kübler, Privatierin; Lina Humm, Damenschneiderin; Isak Heumann, Zigarettenfabrikant; Sara Heumann, Privatierin

1928: Besitzer: Stadtgemeinde Hall, Anschrift "Unterer Postplatz (Judenmarkt) 4"
Mieter/Mitbewohner: Georg Kern, Former; Friedrich Kern, Former; Andreas Hecker, Steinschläger; Julius Kränzlein, Zollsekretär; Alfred Kränzlein, Lehrer; Luise Kränzlein, Nähterin; Friedrich Butz, Stadtpfleger

1932: Besitzer: Stadtgemeinde Hall, Anschrift "Unterer Postplatz (Judenmarkt) 4"
Mieter/Mitbewohner: Friederike Rupp, Witwe; Karl Rupp, Kistenmacher; Otto Wahl, Privatier; Elise Beck; Friedrich Butz, Stadtpfleger

1938: [Besitzer: Stadtgemeinde], Anschrift "Hinter der Post 4"
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Butz, Stadtpfleger; Else Butz; Otto Kuhn, Friseur; Karl Rupp, städtischer Arbeiter; Otto Wahl, Privatmann; Luise Wieland, Haushaltsgehilfin

1956: [Besitzer: Stadtgemeinde], Anschrift "Hinter der Post 4"
Mieter/Mitbewohner: Berta Englert, Schneiderin; Gertrud Fiedler, Hausfrau; Willy Fiedler, Dreher; Gertrud Fischer, Hilfsarbeiterin; Karoline Fischer, Witwe; Wilhelmine Franke, Witwe; Adolf Franz, Zimmerer; Martha Jagelle, Hausfrau; Paula Kirschner, Hausfrau; Martin Oettmeier, kaufmännischer Angestellter; Mathilde Oettmeier, kaufmännische Angestellte

Beschreibungen

historische Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit 16,9 Ruten, Traufrecht 0,5 Ruten am Juden Markt

1827: (Kaufbuch, Bl. 62b, Anteil des G. D. Dierolf): "Ein Drittheil an Einer 3stokigten Behausung beym Magazins-Plaz, neben Kübler Koch und dem Lamm (die übrigen zwey Drittheile besizt Kaufmann Huzelsieder). Dieses 1/3tel Hauß besteht im 3ten Stock in 2 Stuben, 1 Stubenkammer, Küche, 3 Kammern auf dem Boden, 1 Holzstall und der Hälfte am Keller, wie solcher abgetheilt ist, samt allen darauf haftenden Rechten Gerechtigkeiten und Beschwerden ... hat der Mithaußbesitzer der übrigen 2/3tel vermög Kaufbriefs vom 6. July 1802 das Recht, auf der großen Keller-Staffel ein Faß Wein oder andere Faß von Ladenwaaren in seinen Theil Kellers einzuthun, falls aber diese Staffel verlegt würde, so hat Käufer, das heißt der jeweilige Mithaußbesizer der übrigen zwey Drittheile so wie überhaupt am Secret, Stiegen und Dachwerk 2/3tel an Reparatur Kosten beyzutragen."

1858 (Kaufbuch 1857-59, S. 146): "Ein dreistokiges Wohnhaus am Judenmarkt, die Eke zwischen dem Lammwirtshaus und Hutmacher Mettle bildend, mit Traufrecht, mit gewölbtem Keller..."

 

 

Eintrag in der Denkmalliste

Sparkassenplatz 4 (Flst.Nr. 0-35/3). Dreigeschossiger Putzbau. Achsiale Fensterreihen, kräftig profiliertes Traufgesims, Mansarddach mit Zwerchhaus in spätbarocken Zügen. 2. Hälfte 18. Jahrhundert, nach dem Stadtbrand von 1728. § 2 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Quellen

Archivalien:

  • StadtA SHA 19/828 (Güterbuch 3), S. 415; 19/829 (Güterbuch 4), 527; 19/835 (Güterbuch 10), S. 327; 19/837 (Güterbuch 12), S.310,  535; 19/11010 (Kaufbuch 1827), Bl 62b; 19/1021 (Kaufbuch 1840-41), Bl. 199a; 19/1023 (Kaufbuch 1844-46), Bl. 316b, 447a; 19/1028 (Kaufbuch 1857-59), S. 146ff

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956