Gebäudeverzeichnis

Heimbacher Gasse 2 und 2/1 - Kaufhaus "Woha", ehem. Johanniterkommende und Ritterbrauerei: Private Krankenpflege

Adresse: Heimbacher Gasse 2 und 2/1
Primärkatasternummer: 557
Besitzer: 1827
Waker, Heinrich, Ritterwirt


Besitzerliste

kein Verweis auf 1712.

1767: Commentur-Hof

1782: Commentur-Hof (Gebäude, Scheuer, Keller, die darauf stehende Scheune und 1,5 Morgen Garten)

Heinrich Wacker, Ritterwirt, 1810 erkauft

1827: Gasthaus zum Ritter

1949: Der Gemeinderat genehmigt den Erbauseinandersetzungsvertrag der Erben des Emil Voelter.

Haustafel

Im hohen Mittelalter war das heutige Kaufhaus das einzige Spital in Hall. Der Johanniterorden führte hier ein privates Krankenhaus, bis sich die Stadt ihr eigenes in der Kernstadt leistete. Ein Relikt aus der Bauzeit um 1230 ist das Doppelfenster ("Biforium") rechts vom Eingang. Im 19. Jahrhundert mutierte der Gebäudekomplex zur Brauerei und Gaststätte. Die Johanniter waren Namensgeber für die hier ansässige Ritterbrauerei.

Leider hat die Hausbesitzerin das Anbringen der Haustafel nicht gestattet.

Befunde aus Bauforschung

Holzteile vom 16. und 19. Jahrhundert, dendrochronologisch datiert auf 1501/1502, 1822/1823. (StadtA Schwäb. Hall BF 75)

Vorderhaus Dach (Ostteil), dendrochronologisch datiert auf 1822/23; Hinterhaus Dach (Westteil) datiert auf 1501/02. (BF Lohrum/Bleyer)

St. Johann dendrochronologisch datiert: Langhaus Dach auf 1400/01; Chor Dach 1397/98; Turm 1417/18. (BF Lohrum/Bleyer)  

Während der Sanierungsarbeiten 1986 kam auf der Ostseite rechts von der Biedermeiertür noch der Rest eines rundbogigen Portals zum Vorschien.

Beschreibungen

1827: Wohnhaus (Zum Ritter) 1/8 Morgen und 45,2 Ruten; Scheuer samt Schweinestall 30,1 Ruten,

Heimbacher Gasse 2/1: (557b): Scheuer samt Remise 42,4 Ruten und Hof mit 2/8 Morgen, 1,5 Ruten, insgesamt 5/8 Morgen 23 Ruten Im Weiler

Ehem. Johanniterspital, später Gasthaus "Zum Ritter", bez. 1502. Am 08.10.1925 in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg eingetragen. Spuren mittelalterlicher Vorgängerbauten von Spital und Konturei sind zu erwarten. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 216)

Heimbacher Gasse 2 (Flst.Nr. 0-422, 0-422/1). Ehem. Johanniterspital (§ 28), später Gasthaus „Zum Ritter” bez. 1502. (Mauerwerk des 12./ 13. Jahrhunderts noch erhalten, Biforium freigelegt, Keller, aufgehende Mauern etc.) Jetziges Dach Vorderhaus 1822, Hinterhaus 1502 (d). § 28. (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Die Wirtschaft und Brauerei zum Ritter

1810 verkaufte der württembergische Staat die ehemalige Kommende des Johanniterordens im Weiler in der Heimbacher Gasse 2 an Heinrich Wacker, der dort die Wirtschaft "Zum Ritter" mit Brauerei einrichtete. Auf ihn folgte sein Sohn Friedrich, nach dessen Tod 1848 kam die Wirtschaft durch die Eheschließung seiner Witwe an Philipp Ott. Die Brauerei befand sich in einem "2stokigten Nebenbau".

Ott starb 1867, seine Witwe verkaufte das Anwesen 1870 an David Wacker, ihren Sohn aus erster Ehe. Dieser vergrößerte es 1882 durch den Anbau eines Maschinenhauses. Hinter dem Haupthaus entstanden im 19. und frühen 20. Jahrhundert weitere Nebengebäude, darunter ein eigenes Sudhaus, eine Mälzerei, ein Kesselhaus und eine Fasshalle. Wacker veräußerte den Komplex 1896 an den Bierbrauer Friedrich Schulz. Die Gastwirtschaft wurde seit dieser Zeit meist verpachtet. Von Schulz kam das Unternehmen 1909 an Friedrich Möhle, von diesem 1920 an Emil Voelter. Nach dessen Tod führte ab 1931 der Sohn Erich die Geschäfte weiter.

Die Gastwirtschaft wurde kriegsbedingt 1941 geschlossen, in ihren Räumen wurden Soldaten, später der sogenannte "Kriegshilfsdienst" der F. Groß AG (Grossag) untergebracht. Nach dem Kriegsende beschlagnahmte die US-Armee die Räume und quartierte von April bis August 1945 Soldaten ein. Trotz deren Auszug wurde die Wirtschaft wegen des weitgehenden Verlusts des Inventars nicht wieder eröffnet. Stattdessen kam hier zeitweilig die Bausparkasse unter. Während das Hauptgebäude nach Voelters Tod von seiner Witwe 1953 an die Firma Karl Kost verkauft wurde, ging die Brauerei an Günther Huchler, der sie weiter betrieb. Sie stellte 1979 den Betrieb ein.

Die Brauereigebäude wurden in den 1990er Jahren abgerissen, darunter auch die mächtigen, aus Natursteinquadern errichteten Keller der Ritterbrauerei aus dem 19. Jahrhundert. Das Grundstück diente zunächst als Parkplatz, wurde aber durch das im Jahr 2000 eingeweihte Park- und Geschäftshaus „Ritter“ überbaut. Ein in die Verkaufsfläche einbezogener Gewölbekeller stammt wohl aus dem Spätmittelalter, er ist der Rest eines Gebäudes nördlich der Johanniterkirche, auf den Ansichten des 18. Jh. gut zu erkennen. Das in der Werbung der Ritterbrauerei verwendete Gründungsdatum 1300 beruht wohl auf der Annahme, in der Ende des 12. Jahrhunderts gegründeten Johanniterkommende sei auch Bier gebraut worden, wofür aber keine Belege vorhanden sind.  (Text zur Ausstellung "Alte Bierwerbung auf Emaille" im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen)

Quellen

Archivalien:

 

  • StadtA SHA 4/1567a (Häuserbuch 1782), S. 221; 19/832 (Güterbuch 7), S. 291; 19/840 (Güterbuch 15), S. 355; 21/1855 (Erlaubnis zum Gaststättenbetrieb); 21/1930 (Erlaubnis zum Gaststättenbetrieb); 55/9 (Gemeinderatsprotokoll 1949), S. 338; Q2/41 (Feuervers.-Buch), S. 7; Q2/34 (Feuervers.-Buch), S. 9; Q2/41 (Feuervers.-Buch), S. 4.

Literatur:

  • Adressbuch 1950, S. 194
  • Manfred Akermann: Vom Bierbrauen in Hall, Schwäbisch Hall 1988, S. 13.

Pläne und Ansichten vor 1827:

  • StadtA SHA 4/4, Bl. 2V, Stadtansicht um 1600 (Ausschnitt)
  • StadtA SHA S10/0506, Stadtansicht Merian/Kern 1643 (Ausschnitt)
  • StadtA SHA Alte Dr./271, Stadtansicht 1747 (Ausschnitt)
  • StadtA SHA S10/0791, Stadtansicht Körner 1755 (Ausschnitt)