Gebäudeverzeichnis

Klingenweg 7

Adresse: Klingenweg 7
Primärkatasternummer: 93
Besitzer
Hartmann, Andreas


Besitzerliste

Die heutigen Gebäude Klingenweg 7 und 8 bildeten lange eine Einheit. Zum Bad in Unterlimpurg und den Badern finden sich Hinweise beim Haus Klingenweg 8.

 

Als Besitzer des Hauses sind in den „Gültbüchern“ des Amtes Schlicht Georg Sontag (1602-1603), Hans Morstein (1620-1671), Hans Martin Morstein (1671-1710), dessen Witwe Anna Barbara Morstein, wiederverheiratete Tortur (1710-1716), Johann Georg Zinner (1716-1759), dessen Witwe Ursula Regina Elisabetha Zinner, wiederverheiratete Happel (1759-1769) und Johann Joseph Happel (1769-1779) genannt. Gültbücher verzeichnen die Entrichtung der Feudalabgaben an das reichsstädtische Amt Schlicht und Unterlimpurg. Im Falle des Badhauses mussten pro Jahr 2 Gulden 20 Schillinge und ein Fastnachtshuhn abgegeben werden (StadtA Schwäb. Hall 4/1705, fol. 152R; 4/1706, fol. 10R; 4/1707, fol. 265R; 4/1708, fol. 36R; 4/1709, fol. 74V; 4/1710, fol. 74V; 4/1711, fol. 74V; 4/1713, fol. 74V; 4/1714, fol. 74V; 4/1715, fol. 74V; 4/1716, fol. 74V; 4/1717, fol. 74V; 4/1718, fol. 74V).

 

Offenbar hatte Johann Georg Zinner neben das alte Badhaus ein neues Haus gesetzt. Das scheint ca. 1730 erfolgt zu sein. Denn 1770 stellte das Amt Schlicht fest, dass das Badhaus zu Unterlimpurg seit ungefähr 40 Jahren eigentlich aus zwei Häusern bestünde. Am 24. Oktober 1770 verkaufte Johann Joseph Happel das alte Badhaus (spätere Nummer: Klingenweg 8/1) samt Scheune, Stall und Keller an Georg Michael Dierolf, der auch den halben Garten erwarb. Backofen und Waschkessel teilten sich Happel und Dierolf. Dierolf zahlte 420 Gulden. Die Badgerechtigkeit behielt Happel auf seinem Hausteil (spätere Nummer: Klingenweg 7 und 8). Das Dach mussten beide gemeinsam unterhalten, während die „Privets“ (= Toiletten, Sickergruben) von Dierolf allein geleert werden durften. Er musste dafür aber auch die Reparaturen bezahlen. Der Inhalt von Sickergruben wurde als Dünger verwertet und verkauft (StadtA Schwäb. Hall 4/740, fol. 220R-221R; ebd. 4/1719, fol.73cR-74V).

 

Johann Joseph Happel setzte sich einige Jahre später nach Amerika ab, wobei er in Hall und Unterlimpurg zahlreiche Schulden hinterließ. 1776 versuchte der Rat das Badhaus zu verkaufen, es meldete sich aber kein Interessent. Erst 1779 erschienen zwei Käufer: Georg Michael Dierolf, der 1770 das alte Badhaus gekauft hatte, erwarb nun das neue Haus Happels, aber ohne den Anbau. Das alte Badhaus gab er an seinen Sohn Johann Georg Dierolf weiter. Georg Michael zahlte 242 Gulden für seinen Hausteil (spätere Nummer: Klingenweg 8). Der Anbau ging an Andreas Weber, Schutzverwandter zu Unterlimpurg, für 210 Gulden (spätere Nummer: Klingenweg 7) (StadtA Schwäb. Hall 4/742, fol. 37V-39V).

 

Damit waren aus einem ursprünglichen Haus drei geworden: der Anbau zum neuen Haus (Klingenweg 7), das neue Haus (Klingenweg 8) und das alte Haus (Klingenweg 8/1) (s.a. StadtA Schwäb. Hall 4/1734, fol. 105R-106V).

 

Andreas Weber trennte sich schon am 5. Dezember 1780 wieder von seinem Haus. Er verkaufte an Georg Melchior Laukenmann, Zimmermann, geboren in Hummelsweiler. Laukenmann zahlte 250 Gulden. Weber hatte also in den nicht einmal zwei Jahren seines Besitzes einen ganz guten Wertzuwachs erzielt. Laukenmann heiratete Maria Catharina Bohn, Tochter des Straßenknechts Michel Bohn in Weckrieden, die ihm 200 Gulden als Mitgift in die Ehe brachte – nebst einem „ausgerüsteten“ Bett und Hausrat. Laukenmann selber hatte 150 Gulden (StadtA Schwäb. Hall 4/742, fol. 171V-172V).

 

Am 2. April 1800 verkaufte Georg Melchior Laukenmann sein Haus an seinen Bruder Johann Michael Laukenmann. Dieses Mal betrug der Kaufpreis 450 Gulden. Die Verkäufer wollten noch zwei Jahre im Haus wohnen bleiben und sich in diesem Zeitraum eine neue Bleibe suchen. Allerdings starb Georg Melchior Laukenmann unmittelbar nach Abschluss des Kaufvertrages, seine Witwe vereinbarte den lebenslänglichen freien Sitz im Haus. Ihr Bett durfte sie in einer Kammer auf dem Boden aufschlagen. Brennholz und Lichter, die sie für sich allein verbrauchte, musste sie auch selber anschaffen. Hielt sie sich dagegen in der Stube bei ihrem Schwager auf, übernahm der die Kosten für Heizung und Beleuchtung (StadtA Schwäb. Hall 13/1665 und Vorvertrag von 1799 ebd. 13/1743).

 

1807 ging das Haus an die Witwe Johann Michael Laukenmanns (StadtA Schwäb. Hall 4/1720, fol. 74V), die wahrscheinlich Andreas Hartmann heiratete (StadtA Schwäb. Hall 19/727, fol. 73V).

 

1827 besitzt Andreas Hartmann das Haus (Primärkataster Nummer 93).

 

1839 kauft Johann Georg Weidenbach, Jung, das Gebäude von Andreas Hartmann. Der Brandversicherungsanschlag beträgt 300 Gulden. Das Haus gibt zu diesem Zeitpunkt der Stadtpflege noch 40 Kreuzer Herrengült. Die Gült wird 1851/1866 mit je 1 Gulden 35 Kreuzern abgelöst. Nach dem Tod Weidenbachs 1863 geht das Haus an seine Frau Katharina, geb. Kächele, die es gemeinschaftlich mit den ihren Kindern besitzt (19/833, S.123).

 

1878 ererbt Johann Georg Weidenbach, Zimmermann, das Haus von seiner Mutter, Johann Georg Weidenbachs Witwe. Es wird beschrieben als ein zweistöckiges Wohnhaus mit 53 qm und 47 qm Hofraum, neben dem Kirchhof und Michael Hübner in der Klinge. 1881 verkauft Weidenbach das Haus an Johann Christian Ade für 1.100 Mark (19/833, S. 37).

 

1881 erwirbt der Taglöhner Johann Christian Ade das Haus für 1.100 Mark. Er war verheiratet mit Friederike, geb. Laib. Auf das Ehepaar wird das Haus 1903 ins Grundbuch umgeschrieben (19/843, S. 399f).

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit 6,5 Ruten, Hof 5,7, insgesamt 12,2 Ruten

Zweigeschossiges, verputztes Fachwerkwohnhaus mit einem deutlich ausgeprägten Vorstoß traufseitig, erbaut im Kern wohl im 16./17. Jh. Das Haus stellt einen Zeugen für die Wohnbauweise unterer sozialer Schichten zur Entstehungszeit dar. Dieser heimatgeschichtliche Grund belegt das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Objekts. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 266)

 

Klingenweg 7 (Flst.Nr. 0-184). Fachwerk-Wohnhaus, zweigeschossig und verputzt. Ausgeprägter Vorstoß traufseitig, im Kern 16./ 17. Jahrhundert. § 2. (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)