Gebäudeverzeichnis

Klosterstraße 9 - ehem. Bäckerei und Weinstube Noller

Adresse: Klosterstraße 9
Primärkatasternummer: 43
Besitzer
Koch, Georg Wilhelm, Haal- und Siedmeister


Besitzerliste

1609/10: Ab 1609/1610 ist anhand der Beetlisten (Bürgersteuerlisten) der aus Rothenburg stammende Apotheker Michael Stellwag (1583-1639) als (vermutlicher) Besitzer des Hauses nachweisbar. Stellwag könnte das Haus 1608 durch seine Eheschließung mit Katharine geb. Weidner (1582-1645) erworben haben. Sie war eine Witwe des Apothekers Johann Kaspar Weinlin (1559-1608) und Tochter des Johann Weidner (1545-1606), Prediger zu St. Michael. Ausweislich seines Testaments und der Beetlisten besaß Weinlin ein Haus am Markt, dessen untere Wohnstube zum Haus von Claus Vogelmanns Witwe lag. Nach derzeitigem Stand kann aber nicht belegt werden, dass dieses Haus mit dem später von Stellwag besessenen identisch ist.

1646: Nach dem Tod der Katharine geb. Weidner (1582-1645), Witwe des Apothekers Michael Stellwag (1583-1639), wird die "Behausung bey der Pfaffengassen" dem Sohn Hans Michel Stellwag (1616-1664) zugewiesen, wobei sein Bruder Johann David ein Wohnrecht auf ein Vierteljahr und für den Fall des Verkaufs ein Vorkaufsrecht erhalten soll.  

1670: Laut einem Kaufvertrag über das Nachbarhaus (heute Klosterstraße 10) gehört das Haus Margaretha Stellwag geb. Günzlin (1597-1673), der Witwe des Johann Michael Stellwag (1616-1664), Apotheker und Ratsherr.

1674: Nach dem Tod der Margaretha Stellwag geb. Günzlin am 7. Dezember 1673 wird im Zuge der Inventur festgestellt, dass die auf dem Nachlass haftenden Schulden das Vermögen bis auf einen Rest von etwa 10 Gulden aufzehren. Aufgrund einer Vereinbarung der Erben wird der Nachlass von Johann David Stellwag (1622-1679) übernommen, einem Bruder des Johann Michael Stellwag, der sich im Gegenzug verpflichtet, die Schulden zu begleichen.

1712: Besitzerin ist Euphrosine geb. Driller (1655-1733), die Witwe des Archidiaconus Joseph Bernhard Wibel (1652-1710).

1734: Das Haus wird aus dem Nachlass der am 23. Oktober 1733 verstorbenen Euphrosine Wibel an ihren Sohn, den Stadtpfarrer Friedrich Peter Wibel verkauft. Die Verstorbene hat testamentarisch festgelegt: Das Haus darf "nicht in frembde Hände verkaufft werden, sondern muß beständig unter denen Wiblischen in einem billigen Kinds-Kauff verbleiben."

vor 1754: Friedrich Peter Wibel hat das "Hauß in der Pfarr-Gassen" zwischen 1741 und seinem Tod 1754 an die "Amtmann Wiblischen Kinder" verkauft (laut Vermerk in dem seiner Inventur von 1754 beiliegenden  revidierten Beibringensinventar von 1741). Gemeint sind hiermit offenbar die Kinder des Bruders Johann Balthasar Wibel (1693-1737) und der Katharina Elisabetha Wibel geb. Seiferheld (1694-1762). In einem Nachtrag zum Häuserbuch von 1712 wird allerdings "Fr. Amtmann Wiblin" als Besitzerin erwähnt. also Katharina Elisabetha Wibel selbst und nicht ihre Kinder. In deren Inventur von 1762 wird das Haus allerdings nicht erwähnt. 

1764: Das Haus geht auf nicht genau nachvollziehbare Weise an den Pfarrer und Archidiakon Johann Carl Wibel (1732-1788), einen Sohn von Johann Balthasar Wibel und Katharina Elisabetha Wibel. Als Erwerbsdatum wird der 23. Januar 1764 angegeben.

vor 1779: Das Anwesen kommt an Ratsadvokat Georg Wilhelm Hezel (1738-1796).Dieser ist mit Katharina Magdalena geb. Wibel (1735-1769) verheiratet, einer Tochter des Ratsherrn Johann Balthasar Wibel und einer Schwester des vorher als Besitzer genannten Johann Carl Wibel. 

1779: Dr. Georg Ludwig Gräter (1744-1812), Arzt und Physicus ordinarius, hat das Haus von Georg Wilhelm Hezel am 17. Dezember 1779 "donirt erhalten".Hintergrund für diese Schenkung ist offenbar die Ehe Gräters mit Magdalene Elisabeth geb. Hezel (1746-1808), der Witwe von Dr. med. Johann Lorenz Ludwig Hezel (1744-1770), einem Bruder von Georg Wilhelm Hezel. 

1812: Siedmeister Georg Wilhelm Koch erwirbt das Haus laut Protokoll vom 13. Mai 1812 für 1.500 Gulden.

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: als Besitzer genannt: Georg Noller, Bäcker und Wirt (Anschrift: "Pfarrgasse 43")
Mieter/Mitbewohner: Adam Bräuninger, Taglöhner; Georg Friedrich Frank, Schneider; Johannes Herrmann, Taglöhner; Friederike Müller, Hochwächters Witwe

1890: als Besitzer genannt: Georg Noller, Bäcker und Wirt
Mieter/Mitbewohner: Helene Feuchter, Modistin; Math. Funk, Hilfswärter;  Marie Wolf, Polierswitwe

1894: als Besitzer genannt: Georg Noller, Bäcker und Wirt
Mieter/Mitbewohner: Katharina Bauer, Taglöhnerswitwe; Johann Bühler, Schneider; Friedrich Kühner, Comissionär; Sophie Reinhardt, Ökonomen Ehefrau

1901: als Besitzer genannt: Georg Noller, Bäcker [mit Wein- und Mostausschank] (Anschrift: "Klosterstraße 9")
Mieter/Mitbewohner: Georg Kraft, Eisendreher; Katharina Bauer, Wäscherin; Georg Späth, Zimmermann; Johann Schmid, Taglöhner;  Jakob Stecher, Küfer

1906: als Besitzerin genannt: Elisabethe Noller, Bäckerei und Weinwirtschaft
Mieter/Mitbewohner: Fr. Schaaf, Schreiner; Babette Weber, Schuhmachers Witwe; Georg Späth, Zimmermann; Josef Köder, Erdarbeiter

1910: als Besitzerin genannt: Elisabethe Noller, Bäckerei und Weinwirtschaft
Mieter/Mitbewohner: Georg Späth, Zimmermann; Babette Weber, Witwe; Friedrich Schaaf, Schreiner; Katharine Weidner, Witwe

1920: als Besitzer genannt: Georg Noller, Bäckermeister und Wirt
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Schaaf, Schreiner; Katharine Weidner, Taglöhners Witwe; Karl Herold, Schneidermeister

1928: als Besitzerin genannt: Rösle Noller, Witwe und Wirtin, Wirtschaft
Mieter/Mitbewohner: Josef Schips, Rentner; Lina Schips, Arbeiterin; Karl Herold, Mesner an St. Michael

1932: als Besitzer genannt: Friedrich Noller, Betriebsleiter, Schankwirtschaft
Mieter/Mitbewohner: Lina Schips, Arbeiterin; Karl Herold, Schneider und Mesner an St. Michael; Frida Herold, Arbeiterin

1938: als Besitzer genannt: Friedrich Noller, Weinwirt
Mieter/Mitbewohner: Elisabeth Noller; Heinrich Donner, Hilfsarbeiter; Friedrich Häußlein, Zimmermann; Lina Schips, Arbeiterin

1956: als Besitzerin genannt: Rosine Noller, Wirtschaft und Weinstube
Mieter/Mitbewohner: Eleonore Noller, Sportlehrerin; Else Noller, Hausfrau; Emma Noller, Angestellte; Friedrich Noller, Gastwirt; Gertrud Noller, Hausfrau; Hermann Noller, kaufmännischer Angestellter; Ludwig Noller, Elektromonteur

Befunde aus Bauforschung

Dach dendrochronologisch datiert auf 1393/94. (BF Lohrum/Bleyer)

Beschreibungen

1645 (Inventur K. Stellwag): "Die Behausung bey der Pfaffengaßen am Eckh, zwischen Herrn Johann Feyerabendt und Georg Ludwig Dillemann, welche dem Hanß Michel überlassen umb 670 fl. NB. Hanß Daviden solle auff künfftigen Verkauff die Losung, wie nicht weniger auch auch der Beysitz noch auff ein viertel Jahr von dato angerechnet, vorbehalten sein."

1674 (Inventur M. Stellwag): "Eine Wohnbehaußung vornen am Eckh der so genanten Pfaffengassen, bey Sanct Michaels Kirchen gleich über, ober ... Herrn Johann David Firnhabers deß Eußern Rhats und Spitalschreibers, sodann darhinder Herrn Johann Wolffgang Weidners, Apotheckhers Behaußung, welche frey aigen und ist angeschlagen pro 500 fl."

1734 (Inventur E. Wibel): "Eine Behaußung gegen der Haupt Kirchen zu Sct. Michael über, am Eck in der so genannten Pfaffen oder Pfarrer Gassen (: sambt dem obern Fisch-Casten :) zwischen Tit. Herrn Johann Peter Döllin, Medic. Doct. et Physici ordinarii und Hr. Barbierers Christoph Mayers, Behaußungen gelegen, so gantz gültfrey, auch auf Papier gefertigten Hauß Kaufs Brief de dato 5. Aug. 1691, welche Behaußung sambt allen im Keller befindlichen Fässern, der Sohn,Herr Stadtpfarrer Friderich Peter Wibel, in dem Preiß, wie solche bey Löbl. Beetstuben taxiret, zwar käuflich angenommen für und umb 800 fl. Nota; Diese Behausund darff vermög der Frau Defuncta Pfarrerin Wiblin seel. hinterlaßenen Disposition de dato 27. Decembris Anno 1730 ... nicht in frembde Hände verkaufft werden, sondern muß beständig unter denen wiblischen in einem billigen Kinds-Kauff verbleiben."

1827: Wohnhaus mit 11,4 Ruten in der Pfarrgasse

 

Einträge in den Denkmallisten

Das dreigeschossige, verputzte Fachwerkwohnhaus in Hanglage entstand im Kern um 1600, Umbauten erfolgten im 18. Jh. Bedeutende Elemente der spätgotischen Bausubstanz stellen die Stützen (Holzständer mit Kraghölzern) einer Laube traufseitig und eine Bohlendecke im Inneren dar. Die vier schwachen, verbretterten Vorstöße giebelseitig zeigen die barocke Umgestaltung an. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 273)

 

Klosterstraße 9 (Flst.Nr. 0-23/3). Wohnhaus. Dreigeschossiger verputzter Fachwerkbau mit vier Vorstößen. Spätgotische Stützen einer Laube. Bohlendecke im Inneren. Um 1600, mit Umbauten im 18. Jahrhundert, 1390 (d). § 2. (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Besonderheiten

Der angebliche "Säuferstein"

Außen am Haus angebracht ist eine Steinbank, bei der zufolge einer bei Stadtführungen gern erzählten Anekdote um einen aus dem Mittelalter stammenden "Säuferstein" handelt. Mit seiner Hilfe sollen betrunkene Zecher ihr Pferd bestiegen und sich daneben vorher erleichtert haben. Wie sich bei einer  Renovierung im Jahr 2006 herausstellte, ist  der "Stein" nicht älter als etwa 70 Jahre, stammt also wohl aus den 1930ern. Damals hat man offenbar einen in den Keller führenden Lichtschacht mit Zement und Ziegelsteinen zugemauert; durch Aufsetzen einer Sandsteinplatte wurde daraus eine Sitzbank.

Quellen

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956
  • T. Würth: Mittelalterlicher "Säuferstein" beim Haller Marktplatz ist nur 70 Jahre alt, in: Haller Tagblatt v. 24.06.2006, S. 22

Archivalien:

  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 4/881 (Unterpfandsbuch Stadt), Bl. 40; 4/1545 (Häuserbuch 1712),  S. 14; 4/1547 (Häuserbuch 1764), S. 11: 4/1547a (Häuserbuch 1782); S. 15; 4/1890-1901 (Beetlisten 1605/06-1633); 6/100 (Testament Johann Caspar Weinlin, 1607); 14/798 (Inventur Katharina Stellwag, 1645); 14/1097 (Inventur Margaretha Stellwag, 1673; 14/2173 (Inventur der Euphrosina Wibel, 1734); 14/2722 (Inventur Friedrich Peter Wibel, 1754); Genealogische Kartei S27