Gebäudeverzeichnis

Mauerstraße 21

Adresse: Mauerstraße 21
Primärkatasternummer: 590
Besitzer
Stützel, Baltas, Rotgerber


Besitzerliste

Bis 1706 hatte das Gebäude Catharina Gräter, der Witwe des Johann Michael Gräter, Mitglied des äußeren Rates, gehört. Jeder ihrer drei Kinder (Euphrosina Walter, Ursula Maria Strobel und Johann Jacob Gräter, Kantengießer) erbte zunächst ein Drittel. Laut Inventur gültete das Haus der St. Michaelspflege 5 ß. Damals war auch ein Kaufbrief von 1653 vorhanden. (StadtA 14/1709)

 

1708 erwarb Johann David Döllin, Chirurg und Barbier, das Gebäude für 1.275 Gulden. Damals gehörte noch ein Baum- und Grasgarten samt Scheuer zum Anwesen. Verkäufer waren Johann David Walter, Mitglied des äußeren Rates und Handelsmann, und Georg Friedrich Strobel, Küfer. Die Lage des Hauses wurde als gegenüber dem Roten Steg und zwischen Hans David Röhler und Ezechiel Mangolt, Rotgerber, beschrieben. Der Garten hinter dem Haus wurde der Nonnengarten genannt. Die beiden Verkäufer hatten 2/3 des Hauses geerbt, 1/3 aber von ihrem Schwager Johann Joseph Gräter, Kantengießer, gekauft. (StadtA Schwäb. Hall 4/671, S. 34-36)

 1739 wurden der Garten und die Scheuer an Johann Jacob Happel, Leinenweber, um 300 Gulden verkauft. (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 289V-R)

Im gleichen Jahr 1739 erwarb Georg Melchior Bubinger, Schlosser, das Haus von Johann David Döllin, Mitglied des Inneren Rates und Reichalmosenpfleger, um 1.100 Gulden. Das Haus wurde beschrieben als gegenüber dem Roten Steg liegend zwischen den Häusern des Gabriel Kochendörfer, Bäcker, und des Leonhard Schloßstein, Rotgerber. Zum verkauften Haus gehörte auch das darunter befindliche Gerbhaus und zwei Brunnen (wovon der eine ein Schöpf-, der andere ein Röhrenbrunnen war, die ihr Wasser vom gegenüberstehenden Brunnen am Steg erhielten). Inbegriffen war auch ein Tisch in der Stube, ein Behälterlein in der Kammer und ein Küchenbehälter. Im Gegenzug versprach Bubinger im Neubau Döllins vier Fenster umsonst zu beschlagen. (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 325R-327V)

 

1745 erwarb Bubinger den 1739 verkauften Garten (StadtA Schwäb. Hall 4/680, fol. 289R) und 1761 die ebenfalls 1739 verkaufte Scheuer wieder zurück zum Haus. 1769 allerdings verkaufte er die Scheuer an Johann Ulrich Geßwein.

 

Mit Kaufvertrag v. 13. März 1771 verkauften die Erben Bubingers das Haus an Christoph Friedrich Schloßstein, Rotgerber. Die Lage wurde wieder als gegenüber dem Roten Steg und zwischen Johann Friedrich Fahr, Bäcker, sowie dem anderen Haus des Käufers beschrieben. Das Gerbhaus und die beiden Brunnen gehörten weiterhin dazu. Anstelle der Gerberwerkstatt war eine Schlosserei eingerichtet. Der Kaufpreis betrug 1.400 Gulden. (StadtA Schwäb. Hall 4/686, 179V-R)

 

Am 21. Juni 1771 kaufte Schloßstein auch die Scheune von Geßwein zurück. (StadtA Schwäb. Hall 4/686, fol. 204R)

 

1780: Christoph Friedrich Schloßstein, Rotgeber.
Johann Baltas Stützel.

1827 besitzt Baltas Stützel, Rotgerber, das Haus.

1848 an Christian Wurst, Rotgerber, verkauft.

Baltas Stützels Erben lt. Teilung v. 1850.
Wilhelm Krauß, Gerber von Aalen.

1893 verkauft von Wilhelm Krauß´ Witwe an Carl Krauß, Gerber, ledig.

1904 umgeschrieben ins Grundbuch.

1919: Erwerb des Hauses durch den Sattlermeister Friedrich Gräter für 32.000 Mark (laut Bauakten, Antrag auf amtliche Schätzung des Gebäudes).

In den Adressbücher genannte Besitzer und Bewohner

1886: als Besitzerin genannt: Wilhelm Krauß, Rotgerbers Witwe (Anschrift: "Mauerstraße 590")
Mieter/Mitbewohner: Gustav Adolf Koch, Buchhalter; Wilhelm Belles, Metzgers Witwe

1890: als Besitzerin genannt: Sophie Krauß, Rotgerbers Witwe
Mieter/Mitbewohner: Wilhelm Belles, Metzgers Witwe

1894: als Besitzer genannt: Karl Krauß, Rotgerber
Mieter/Mitbewohner: Wilhelm Belles, Metzgers Witwe; Friedrich Reichert, Haalamts-Kontrolleur

1901: als Besitzer genannt: Karl Krauß, Rotgerber (Neue Anschrift: "Mauerstraße 13")
Mieter/Mitbewohner: David Knauß, Kameralamtsdiener; Karl Maier, Zugführer

1906: als Besitzer genannt: Karl Krauß, Gerberei und Schuhwarenhandlung
Mieter/Mitbewohner: Marie Platz, Privatiere; Karl Schmidle, Buchhalter

1910: als Besitzer genannt: Karl Falk, Schreiner
Mieter/Mitbewohner: Marie Platz, Privatiere; Alb. Wüstner, Metzger und Händler; Heinrich Elser, Sattler

1920: als Besitzer genannt: Karl Falk, Schreinermeister
Mieter/Mitbewohner: Karl Merz, Privatier; Georg Wieland, Maurer; Karoline Seifert, Wärterin; Katharine Rötter, Nähterin

1928: als Besitzer genannt: Friedrich Gräter, Sattlermeister; Sattlerei, Werkstatt und Laden
Mieter/Mitbewohner: Johanna Gräter, Witwe; Anton Halder, Fabrikarbeiter; Katharine Rötter, Witwe und Rentnerin; Karoline Seifert, Rentnerin; Franz Wirubal, Schneidermeister und Mesner

1932: als Besitzer genannt: Friedrich Gräter, Sattlermeister; Sattlerei, Werkstatt und Laden
Mieter/Mitbewohner: Johanna Gräter, Witwe; Anton Halder, Kontrolleur; Katharine Rötter, Witwe und Rentnerin; Karoline Seifert, Rentnerin; Fritz Böhm, Kaufmann; Ulrich Glunk, Strafanstalt-Wachtmeister; Elise Herzer. Privatlehrerin; Katharina Philipp, Witwe; Marie Wieland, Witwe

1938: als Besitzer genannt: Friedrich Gräter, Sattlerwerkstätte
Mieter/Mitbewohner: Johanna Gräter, Witwe; Katharine Jäger, Hausgehilfin; Marie Jäger, Damenschneiderin; Fritz Böhm, Kaufmann; Michael Hägele, Sozialrentner; Reinhold Hauf, Schneider; Karoline Seifert, Sozialrentnerin 

1956: als Besitzer genannt: Friedrich Gräter, Sattlermeister; Polstergeschäft und Lederwaren, Sattlerei
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Gräter (jun.), Sattlermeister; Johanna Gräter, Sattlergehilfin; Johannes Gräter, Student; Elisabeth Helmedach, städt. Angestellte; Marie Jäger, Damenschneiderin; Helene Marschat, Hausfrau; Ignaz Marschat, Postfacharbeiter; Eugen Probst, Sattler; Klara Probst, Stenotypistin

Befunde aus Bauforschung

Keller. keine Daten. (StadtA Schwäb. Hall BF 26)

Holzteile aus dem 15.?/16. Jahrhundert, dendrochronologisch datiert auf 1450-1500?, 1570. (StadtA Schwäb. Hall BF 72)

Vorderhaus Dach ( 1 Probe) dendrochronologisch datiert auf 1570/71. (BF Lohrum/Bleyer)

Befunde aus Bauakten

(soweit nicht anders angegeben, Baurechtsamt SHA, Bauakten)

1890: Rotgerbermeister Wilhelm Krauß lässt im "Geschäftslokal" zur Mauerstraße und zum Färbergässle jeweils ein Fenster einbauen. 

1893: Die Rotgerberswitwe Sophie Krauß lässt im 1. Stock eine Küche einrichten, deren Boden mit "Thonplatten" belegt wird.

1921: Sattlermeister Friedrich Gräter erhält die Genehmigung zum Einbau einer Dachgeschosswohnung mit zwei Zimmern und einer Küche.

1921: Im selben Jahr lässt Friedrich Gräter die Fenster seiner Werkstatt im Erdgeschoss des Hauses vergrößern. Weiterhin wird ein Gewölbe im nördlichen Teil des Hauses ausgebrochen und durch eine Flachdecke ersetzt. 

1926: Ein bereits vorhandener Kamin wird um ein Stockwerk nach unten verlängert. 

1928: Zwecks Verbesserung der Verkehrsverhältnisse erfolgt im Erdgeschoss und im 1. Stock eine Abschrägung der südöstlichen Hausecke zur Mauerstraße bzw. Bahnhofstraße hin.

1930: Bei Umbauten am Haus wird auf der Rückseite u.a. eine Abortanlage angebaut.

1938: Erstellung eines Doppelkamins an Stelle eines alten Kamins.

1939: Anschluss an die städtische Kanalisation.

1952: Die Geschäftsräume im Erdgeschos werden durch Ausbrechen von Zwischenwänden und den Einbau von Schaufenstern zur Mauer- bzw. Bahnhofstraße vergrößert.

1953: Durchführung einer Kaminverlängerung.

1965: Der Ladenraum im Erdgeschoss wird durch Entfernung des bisherigen Flurs und Abstellraums bis zur Treppe erweitert und erhält ein neues Schaufenster; im Obergeschoss  erfolgen mehrere statisch notwendige Reparaturen und Umbauten.

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit 17,2 Ruten, 2 Holzremisen mit 4,2 und Hof mit 6,1 Ruten, insgesamt 27,5 Ruten in Stuttgarter Straße

Das dreigeschossige, verputzte Fachwerkwohnhaus in Ecklage zeigt mit den zwei deutlich ausgeprägten Vorstößen auf kräftigen Knaggen (im ersten Obergeschoss die Gebäudeecke zurückgenommen, verkehrsreiche Straße zum ehem. Riedener Tor), ein Haller bürgerliches Wohngebäude aus dem 16. Jh. Das Gerberzunftzeichen im Keilstein der Türrahmung belegt, dass es sich um ein Gerberhaus handelte. Die (neuzeitliche) Inschrift am Schwellbalken des zweiten Obergeschosses bestätigt das mit Namen weiterer Bewohner des Hauses. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 321)

 

Mauerstraße 21 (Flst.Nr. 0-303/1). Wohnhaus. Dreigeschossiger verputzter Fachwerkbau. Zwei Vorstöße auf kräftigen Knaggen, Türrahmung mit Keilstein (Gerberzunftzeichen), 16. Jahrhundert. § 2 ( aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Quellen

Literatur:

 

  • Adressbücher 1886-1956