Gebäudeverzeichnis

Oberlimpurg - Burgruine Limpurg

Adresse: Oberlimpurg
Primärkatasternummer: 687/1,689-691,701
Besitzer
PKN betreffen 1827: "Lange Gasse"


Beschreibungen

Einträge in den Denkmallisten

Mittelalterliche Burgruine innerhalb einer frühgeschichtlichen Wallanlage; zu Beginn des 13. Jh. von den Schenken von Limpurg erbaut, 1575 durch die Stadt Hall abgebrochen. Mittelalterliche Befunde sind innerhalb der gesamten Wehranlage zu erwarten. Am 08.10.1925 in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg eingetragen. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 426)

Oberlimpurg (Flst.Nr. 0-687/1, 0-689-691, 0-701). Ruine Oberlimpurg. Mittelalterliche Burgruine, frühgeschichtliche Wallanlage, 13. Jahrhundert, 1575 durch die Stadt Hall abgebrochen. § 28 ( aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)


Geschichte der Burg und der Schenken von Limpurg

Die Burg liegt innerhalb einer vermutlich vorgeschichtlichen Befestigungsanlage, über deren Alter mangels systematischer archäologischer Forschungen nur wenig bekannt ist. Ein Abschnittswall mit vorgelagertem Graben verlief östlich des Hofs Oberlimpurg und trennte den Bergsporn von der Haller Ebene ab. Ein knapp 40 m langes und bis zu 4 m hohes Teilstück hat sich an der südwestlichen Talkante erhalten. Meist bei Bauarbeiten gemachte Funde  stammen aus der Jungsteinzeit  (5. Jahrtausend v. Chr. bis ca. 1800 v. Chr.) und aus der Laténezeit (500/450 v. Chr. bis um Chr. Geb.). Ob es einen Zusammenhang mit dieser Befestigung und der ebenfalls laténezeitlichen, keltischen Saline im Bereich der Schwäbisch Haller Altstadt gab, kann nur vermutet werden.

Erbauer der mittelalterlichen Burg waren die Schenken von Schüpf, eine königliche Ministerialenfamilie, deren gleichnamiger Stammsitz bei Lauda (Main-Tauber-Kreis) lag. Schenk Walter von Schüpf kam vor 1230 wohl durch Heirat mit einer Erbin der edelfreien Herren von Bielriet in den Besitz der Herrschaft Bielriet, die vor allem Besitzungen im Haller Raum umfasste. In die am Rand des Bühlertals bei Bühlerzimmern gelegene Burg Bielriet setzten die Schenken Dienstmannen und erbauten kurz vor 1230 in unmittelbarer Nähe zu Schwäbisch Hall eine neue Burg. Nach deren Namen benannte sich die Familie nun "von Limpurg". Erstmals wird ein Walter "pincerna de Limpurc" (= Schenk von Limpurg) 1230 erwähnt, womit auch die indirekte Erstnennung der Burg vorliegt. Sie selbst ist erstmals 1263 im Zusammenhang mit einer Güterschenkung der Brüder Walther und Konrad von Limpurg an das Kloster Lichtenstern bei Löwenstein genannt. Der zwischen 1249 und 1286 erwähnte Schenk Konrad ist als Minnesänger bekannt und mit mehreren Liedern sowie einer Abbildung in der berühmten Manesse-Liederhandschrift vertreten. Konrad nahm am Italienzug des letzten Staufers Konradin und wahrscheinlich auch an der für diesen verhängnisvollen Schlacht bei Tagliacozzo (23. August 1268) teil. Später lebte er auf der Burg Bielriet. 

Die Schenken mussten aufgrund ihrer Teilnahme an der Rebellion König Heinrichs (VII.) gegen seinen Vater Kaiser Friedrich II. (1234/35) empfindliche territoriale Einbußen hinnehmen und verloren ihre Stammgebiete an Tauber und Main. Dadurch verlagerte sich ihr Herrschaftsschwerpunkt in die Haller Ebene; ihre Bemühungen, die Stadt Schwäbisch Hall ihrer Herrschaft zu unterwerfen, führten zu einem jahrzehntelangen, auch gewaltsam ausgetragenen Konflikt. Der "Wiener Schiedsspruch" König Rudolfs I. von 1280 beendete diese Auseinandersetzungen zugunsten Halls, das sich nun zur Reichsstadt entwickeln konnte und ein großes eigenes Territorium aufbaute. Ähnliche Bemühungen der durch die "Goldene Bulle" (1356) zu Reichserbschenken erhobenen Herren der Limpurg blieben weitgehend erfolglos; einzige Ausnahme war die Herrschaft Hohenlohe-Speckfeld, die ihnen 1413/35 durch eine Erbschaft zufiel. 1441 teilte sich die Familie in zwei Zweige, von denen die Linie Limpurg-Speckfeld auf der Limpurg saß, die andere sich in Gaildorf niederließ. 

Obwohl beide Seiten wirtschaftlich aufeinander angewiesen waren - die Limpurger lieferten aus ihren umfangreichen Waldungen das Holz, das die Haller für ihre Saline brauchten - kam es immer wieder  zu Konflikten, die im 15. Jahrhundert an Schärfe gewannen. Einen Höhepunkt erreichten sie 1431 mit der Zumauerung des Limpurger Tors durch die Haller. Diese Maßnahme brachte die Schenken um ihre Zolleinnahmen aus der durch das Tor führenden Straße. Während die Haller in der zweiten Hälfte des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts die Stadtbefestigungen Limpurg hin - z.B. das Crailsheimer Tor - massiv ausbauten, haben die Schenken auch ihre Burg ausgebaut und verstärkt. Schenk Erasmus (1502-1553) beendete 1541 schließlich den traditionsreichen Konflikt, verkaufte die Burg und einen großen Besitzkomplex für 45.700 Gulden an die Haller und ließ sich in Obersontheim nieder. Das 1648 in den Reichsgrafenstand erhobene Geschlecht der Schenken von Limpurg starb 1713 im Mannesstamm aus.

Die Burg selbst war beim Verkauf offenbar in einem schlechten Zustand, weshalb es in Hall Kritik am Kaufpreis gab. Der Chronist Johann Herolt notierte, es sei ein "teuerer Kauf umb solch ein alt, zerrissen, grundtlos Schlosz" gewesen. Die hohen Kosten für die Erhaltung der als Festung wie als Wohnsitz gleichermaßen nutzlosen Burg veranlassten den Rat schließlich dazu, die Limpurg abbrechen zu lassen, was in den 1570er Jahren durchgeführt wurde.

Die Flurkarte für Unterlimpurg von 1703 zeigt noch deutlich sichtbare Mauerreste, auch wenn diese nicht mehr einzelnen Gebäuden zuzuordnen waren. 1707 beklagte sich der Hofbauer Caspar Schmid, dass ein Müller namens Hans Martin Steiner sich im alten Schloss in der Höhle aufhalte und ihm Zaunstecken verbrenne und Wiesen verwüste. Steiner wurde des Landes verwiesen (StadtA Schwäb. Hall 4/316, fol. 243R).

Bis in das 19. Jahrhundert waren diese weitgehend verschwunden, wenn auch die südliche Ringmauer und der dortige Rundturm sichtbar blieben und auf Fotografien und Flurkarten des 19. Jahrhunderts zu erkennen sind. Der Burggraben wurde offenbar als Steinbruch genutzt und dadurch erheblich verändert.

Die verbliebenen Reste der Burg wurden 1904/05 unter der Leitung des Haller Gynasialprofessors und späteren Ehrenbürgers Georg Fehleisen ausgegraben und teilweise wiederhergestellt, nach heutigen Maßstäben aber unzureichend dokumentiert. Nach Fehleisens Tod 1934 wurden seine sterblichen Überreste in einer Urne auf dem Burggelände beigesetzt. Weitere, ebenfalls wissenschaftlich nicht dokumentierte Grabungen fanden 1985 durch einen "Öko-Trupp" statt. 

Die Burgruine heute

Nach Westen hin wird das Burggelände durch einen noch 7-8 tiefen und 80 m langen Halsgraben von dem Plateau abgetrennt, auf dem der heutige Gutshof Oberlimpurg steht. Im Graben findet sich der Stumpf eines eckigen, 7,6 x 6 m messenden Rundturms, ihm gegenüber an der anderen Grabenseite (hinter dem Zaun) die Reste eines Rundturms. Zweiterer ist komplett mit Efeu und Gesträuch überwachsen und deshalb kaum noch zu erkennen. Die beiden Türme bildeten zusammen eine wohl im 15. Jahrhundert entstandene Zwingerbefestigung. Auch die links davon an der Talkante liegenden Mauerbrocken könnten hierzu gehört haben. Westlich des Grabens folgt ein Plateau, bei dem es sich um einen Zwingerbereich handeln könnte, dessen Funktionen aber nicht bekannt sind. Es wird in Richtung Westen durch den eigentlichen Burghügel begrenzt, nach Süden durch einen Schuttwall, bei dem es sich um die Reste eines Mauerzugs handeln könnte. Wiederum südlich davon folgt die an der Hangkante entlang verlaufende Ringmauer.

Ein hier stehender, 1905/06 zumindest teilweise neu aufgemauerter Rundturm gehörte möglicherweise zu einer ansonsten verschwundenen Toranlage, durch die man in einen zweiten Zwingerbereich gelangte. 18 m hinter dem Turm zweigt ein Weg zur höher gelegenen Hauptburg ab, ein weiterer führt in einen tiefer gelegenen Hof, der einen etwa trapezförmigen Grundriss hat.

Der Weg zur Hauptburg führt durch ein 1905/06 wieder hergestelltes Tor in den Burghof. Das eigentliche Tor zur inneren Burg lag offenbar unmittelbar rechts neben dem Abgang in den westlichen Felsenkeller, wo der Weg nach Nordosten abknickt und auf beiden Seiten von Mauerresten eingefasst wird. Teilweise sind noch Ecksteine aus Sandstein vorhanden. Über dem Keller befinden sich die Reste eines Wohngebäudes mit einem teilweise erhaltenen Fenstergewände, das wohl erst im 16. Jahrhundert entstand. An den Burghof grenzten weitere, in ihren Funktionen nicht mehr erfassbare Bauten sowie ein zweiter Felsenkeller. In Richtung Nordosten führt ein gewölbter Gang zu den noch maximal 1,80 m hohen, stark überwachsenen Fundamenten des staufischen Bergfrieds, der an seinem quadratischen Grundriss (8,5 x 8 m), der Dicke seiner Mauern und den verwendeten Buckelquadern erkennbar ist. In dem südwestlich anschließenden Gebäude wird ein stauferzeitlicher Palas vermutet. Es zeigt die Reste einer zweischiffigen Halle mit Kreuzgewölbe (ein sog. Dürnitz) und Buckelquader an der Süd- und Ostmauer. Die Ansätze für das offenbar aus Ziegelsteinen aufgeführte Gewölbe sind inbesondere an der westlichen Wand zu erkennen, Der hier stehende Bogen wurde offensichtlich 1905/06 neu aufgemauert. Daneben befindet sich eine Gedenktafel für Prof. Georg Fehleisen, den Ausgräber der Ruine, dessen Urne hier 1934 beigesetzt wurde.  Aufgrund des großen Zerstörungsgrades und der mangelhaften Dokumentierung der Grabungen lassen sich die Funktionen der meisten Gebäude bzw. Mauerreste nicht mehr erkennen (Siehe unter "Bilder" den Plan zu den Grabungen von 1905/06). 

Quellen

Literatur:

  • Alois Schneider: Die Burgen im Landkreis Schwäbisch Hall. Eine Bestandsaufnahme (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg; Bd. 18), Stuttgart 1995, S. 206-212 (mit weiteren Literaturhinweisen)

 Pläne und Ansichten vor 1827:

  •  StadtA SHA StadtA SHA HV HS 74, Bl. 35 (um 1600, Ausschnitt)