Gebäudeverzeichnis

Pfarrgasse 7

Adresse: Pfarrgasse 7
Primärkatasternummer: 30
Besitzer
Feuchter, Christoph Carl, Wagknecht, 1/2; Schust, Peter, Straßenknecht, 1/2


Besitzerliste

1673 verkauften Johann Conrad Holderbusch, Ratsdiener, Lorenz Grondbach, Bäcker, Hans Adam Raiffeisen, Tuchmacher, Hans Caspar Rüeger, Gürtler, und Johann Melchior Zeiher, Schuhmacher, im Namen ihrer Ehefrauen sowie Johann David Stellwag, Mitglied des äußeren Rates und des Spitalgerichts sowie Apotheker, als Vormund der Catharina Barbara Schneckenbach ihre ererbte Weidnersche Behausung in der Pfarrgasse (zwischen Anna Barbara Küeneißen, Witwe des Hans Adam Küenießen, Schneider, und Georg Mack, Präzeptor) an David Wettemann, Bürgerarbeiter, um 210 fl. (StadtA Schwäb. Hall 4/844, fol. 49V-R)

1698 verkaufte Johann Michael Wilhelm, Bauschreiber, sein zwischen den Häusern von Johann Sigmund Gammersfelder, Kornschreiber, und der ledigen Töchter des Andreas Fischer, Mitglied des äußeren Rates und Obervormundschreiber, gelegenes Anwesen an Johann Ludwig Seiferheld, Konrektor des Gymnasiums. Der Kaufpreis betrug 400 fl (StadtA Schwäb. Hall 4/669, fol. 71R-72R)

1717 kaufte Johann Jacob Renner, Musikant, das Gebäude für 600 fl. Im Jahr zuvor hatte er Anna rosina Welther, die Tochter des Organisten und Komponisten Johann Samuel Welther (oder Welter) geheiratet. Renner starb 1755, seine Witwe lebte noch bis 1767. Euprosina Magdalena Renner, die 50 Jahre lang als Sängerin bei der Orgel wirkte, heiratete 1747 Adam Friedrich Bayerdörfer, Organist und Komponist, der 1758 das von seinem Schwiegervater ererbte Haus an Johann Joseph Kolb, Schreib- und Rechenmeister, um 450 fl verkaufte (StadtA Schwäb. Hall 4/684, fol. 129V-130V). Kolb starb schon 1759. Seine Witwe Rosina Barbara heiratete 1760 den Marktschreiber Johann Heinrich Müller. Nach ihrem Tod 1792 fiel das Haus an ihre Tochter Elisabetha Johanna aus der ersten Ehe mit Kolb, die mit Georg Heinrich Gräter, Pfarrer an St. Johann, verheiratet war.

 

Gräter verkaufte 1804 um 700 fl an Georg Peter Schust und Christoph Carl Feuchter, beide Beisitzer.

 

1809 trennte sich Schust von seiner Haushälfte, die um 300 fl an Johann Michael Schürle ging.

 

1804, am 19.11. verkauft die hinterblieben Witwe Elisabetha Johanna Gräter an zwei Besitzer. Schust, Georg Peter und Feuchter, Christoph Carl, Beisitzer für 700 Gulden.

1881 am 17.9. verkauft  Jakob Friedrich Schimpf (Trompeter auf der Comburg) , den 2. Stock für 1200 Mark an Friedrich Göller.

1886 besitzen zur Hälfte Christine Mörz ( Schwanenwirtswitwe) und Friedrich Göller (Taglöhner das Haus).

1887 verkauft Christine Mörz ihren Anteil, den 1. Stock, an Leonhard Rück (Gasfabrikarbeiter).

1896 erkauft Johann Schön (Fabrikarbeiter) von Friedrich Göller den 2. Stock für 1650 Mark.

1897 kauft Frederike Wender ( Lehrerswitwe) von Johann Schön für 1800 Markden 2. Stock

1901 besitzen Frederike Wender und Gottfried Blind die jeweils die Hälfte des Hauses.

1910 ist der Besitzer des ganzen Hauses Leonhard Krasser (Maschinenarbeiter).

1994 kauft Anneliese Reinmund das Haus

Haustafel

Vollflächig verputzte Häuser müssen nicht aus Stein gemauert sein. Die meisten Fachwerkhäuser in Hall erhielten spätestens im 19. Jahrhundert ein gleichförmiges Putzkleid über den Holzbalken. Einerseits war es damals Mode, ein gemauertes Haus vorzutäuschen, andererseits erhoffte sich der Eigentümer vom Verputz einen besseren Wetter- und Brandschutz. Hier steckt unter dem Mörtel ein spätgotisches Fachwerkhaus von 1388.

Befunde aus Bauforschung

Keller aus dem 12. bis einschl. 16. Jahrhundert. Datiert auf 1337, 1390/1391(StadtA Schwäb. Hall BF 211 und BF 205)

Archäologische Funde vom 14. und 16. Jahrhundert, datiert auf 1390/1391. (StadtA Schwäb. Hall BF 135)

Dach dendrochronologisch datiert auf 1387/88. (BF Lohrum/Bleyer)

Bericht über eine archäologische Befundaufnahme im Gebäude Pfarrgasse 7 in Schwäbisch Hall im Oktober 1994 der SBW ( Schaetz, Böhnisch, Weihs)

Ein Auszug aus dem Bericht:

Das Gebäude Pfarrgasse 7 ist in seinen aufgehenden Teilen nach 1390/91 datiert.

Im Vorfeld der anstehenden Sanierung 1994 war der zugängliche Teil der Kelleranlagen untersucht worden. Das Gebäude besitzt ein 1. Untergeschoss, welches nach Westen hin zur Pfarrgasse ebenerdig angelegt ist. Der heutige Hauseingang liegt im EG. Unter dem 1. UG liegt grundrissfüllend ein Gewölbekeller ( 2. UG). Unter diesem wiederum liegt ein wohl kleinerer Gewölbekeller ( 3. UG). Dieser Keller - vor wenigen Jahren noch einsehbar- ist heute mit Schutt verfüllt und nicht mehr begehbar.

Mit den Kelleranlagen wird also eine Tiefe von ca. 6 -7 Meter unter dem heutigen Niveau der Pfarrgasse erreicht.

Der Keller im 2. UG verlässt im Osten teilweise der Erd- bzw. 1. Untergeschossgrundriß.

In unmittelbarer Nachbarschaft unter dem heutigen Gebäude Pfarrgasse 11 konnte erst kürzlich ein um 1200 errichteter Steinbau erfasst werden. Es besteht daher der Verdacht, dass sich hier im Boden eine ältere Bebauungssituation erhalten hat.

Dies wäre im Zusammenhang mit der Diskussion um die Lage des Salischen Herrenhofs bzw. Spitalbereichs zu sehen. Auch liegt in unmittelbarer Nähe der sogn. Nonnenhof.

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit 8,6 Ruten, Hofraum 2,7, insgesamt 11,3 Ruten Grundfläche Diese Behausung gehört der Lage nach neben die Waldthiersche Behausung.

Pfarrgasse 7 (Flst.Nr. 0-31/4). Wohnhaus, 1390/ 91 (d). § 2 ( aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Hausgeschichten

Die Pfarrgasse wird erstmals urkundlich 1345 erwähnt und als Pfaffengasse bezeichne.

Laut "Baujahr 1337" - das Haus Pfarrgasse 9 "von Albrecht Bedal und Ulrike Marski ( Hrsg.) vereinnahmt das Haus Pfarrgasse 7 eine Hausecke der Pfarrgasse 9.

Dort heißt es : In jüngerer Zeitstellung - und zwar zwischen 1337 und 1390 - entstand das zweite Untergeschoß des Anwesens der Pfarrgasse 7. Die Strukturanalyse der Kellermauerwerke läßt eine Bauaktion des 14. Jahrhunderts erkennen. Archäologische Befunde belegen mit hinreichender Klarheit, dass das baueinheitlich errichtete zweite Untergeschoß der Pfarrgasse 7 vor dem Bau des aufstrebenden Baukörpers im Jahre 1390/91 existierte.... Gleichzeitig zeigt die gefügekundliche Untersuchung, dass spätestens bei Errichtung der Pfarrgasse 7 an der Nordwest Ecke in den Baubestand der Pfarrgasse 9 eingegriffen wurde. Dieser Umstand wirft prinzipiell die Frage nach dem Besitzer auf. Ist es denkbar, dass beide Grundstücke einen gemeinsamen Eigentümer haben ? ( Bedal s. 31).

(Teilabbruch der ursprünglichen Nordfassade).

Da sich das zweite Untergeschoss der Pfarrgasse 7 ebenfalls bis in diesen Bereiche hinein erstreckt, kann eine Entstehung für die Zeit zwischen 1337 und 1390/91 präzisiert werden.

Die unterirdische Bebauung der Pfarrgasse 7 hält eine weitere Überraschung bereit. Vor der östlichen Kellerstirnwand findet sich eine Öffnung im Kellerfußboden, in die ein Teil des Mauerwerks der Stirnwand abgerutscht ist. Trotzdem war erkennbar, dass der Kellerfußboden des zweiten Untergeschoßes auf eine weitere Gewölbevermauerung aufbaut. Der dazu gehörige Raum ( 3. Untergeschoß ?) ist vollständig verfüllt.

 

Laut Kaufbuch von 1887 war das zweistöckige Wohnhaus mit 71 qm und 22 qm Hofraum folgendermaßen aufgeteilt :

Anteil 1 im unteren Stock : Stube und Stubenkammer, eine Küche, eine weitere Stube hinter der Küche,allein eigentümlich. Tenne, Haustür und Staffel gemeinschaftlich.

Einem Hühnerstall unter der Stiege und ein Zwischenraum ganz allein.

Anteil 2 im oberen Stock : Eine Stube, Küche, Kammer, Kämmerlein und Privet, welches mit dem unteren Hausbesitzer gemeinschaftlich ist.

Der vordere Teil des unteren Dachbodens und die Hälfte des oberen Dachbodens.

Die Hälfte vom 22 qm gepflasterten Hofraumes, worin ein Schweinestall und ein Holzlager sich befinden.

Weiterhin steht in dem Kaufvertag, dass der hintere Keller gegen den neuen Bau zu, einen gemeinschaftlich Eingang hat und dass die unter diesem halben Keller befindliche gewölbte Kloake gemeinschaftlich zu benutzen und zu erhalten ist.

Das Höfle, die Höflesmauer und die Höflestür ist alles, wie überhaupt sämtlich zur gemeinschaftlich gemeinsamen Benutzung bezeichnete Hälfting mit den Miteigentümern und restlichen Bewohnern, sowie ebenfalls alle Eingänge ins Gemeinschäftliche sind hälftig zu benutzen und zu erhalten.

Besonderheiten

Besitzerinnen und Besitzer

Johann Ludwig Seiferheld ( 1661 - 1725 ) entstammte nicht der Ratsherrenlienie seiner Familie, sondern einer armen Siedersfamilie. 1716 rückte er zum Pfarrer von St. Michael, 1717 zum Prediger und 1718 zum Dekan auf.

Herr Adam Friedrich Bayersdörfer bewohnt möglicherweise bis 1758 die Pfarrgasse 7. Er war von 1755 - 1790 Organist in St. Michael. Er hat handschriftlich Motetten, Kantaten und Vokalkonzerte hinterlassen. Sein Schwiegervater war Johann Jakob Renner, auch Musikant und Organist von 1724 - 1755.

Frau Elisabetha Johanna Gräter verkauft an Georg Peter Schust und Christoph Karl Feuchter allhier beide im Besitz ihre bisher besessene gültfreie Behausung in der Pfarrgasse mit dem nehmlichen Recht und Gerechtigkeiten auch Beschwerden, wie solche Frau Verkäuferin bisher besessen hat, für die Summe von 700 Gulden. (19.November 1804)

Quellen

Archivalien:

  • StadtA SHA 19/826 (Güterbuch 1), S. 134ff, 145; 19/833 (Güterbuch 8), S.  436; 19/835 (Güterbuch 10), S. 410; 19/843 (Güterbuch 18), S. 694; 19/844 (Güterbuch 19), S. 362; 19/845 (Güterbuch 20), S. 320, 385; 19/998 (Kaufbuch 1804), Bl. 120b; 19/1046 (Kaufbuch 28, 1881); 19/1052 (Kaufbuch 34, 1887), S. 202; 19/1060 (Kaufbuch 43, 1896), S. 309

 

Literatur:

  • Adressbücher von Schwäb. Hall
  • Albrecht Bedal, Ulrike Marski (Hrsgg.): Baujahr 1337. Das Haus Pfarrgasse 9 in Schwäbisch Hall (Schriftenreihe des Vereins Alt Hall 15), Schwäbisch Hall 1997
  • Schaetz, Boensch, Weihs: Bauhistorische Voruntersuchungen der Kelleranlagen Pfarrgasse 7, 9, 11 (Ms.)
  • Gerd Wunder: Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802 (Forschungen aus Württembergisch Franken 16), Sigmaringen 1980, S. 108

 
Pläne und Ansichten vor 1827: 

  • StadtA SHA 5/2063 (1770)