Gebäudeverzeichnis

Pfarrgasse 9 - Vorne schmal, hinten breit

Adresse: Pfarrgasse 9
Primärkatasternummer: 31
Besitzer
Brenner, Johann Friedrich


Besitzerliste

1653   Adam Küneisen, Schneider (wohnte schon 1651 im Haus) aus Gaugshausen, für 120 Gulden, Vorbesitzer: Erben der Katharina Gölner

1669   Anna Barbara Küneisen, Witwe, dritte Ehefrau des Adam Küneisen

1676   ersteigert von Johann David Seiferheld, Pfarrer zu Eutendorf

1680   (vermutlich) Johann Sigmund Gammersfelder, Bortenmacher, hat auch Pfarrgasse 5 erworben

1686   Susanna Katharina Fischer, Witwe, Schwiegermutter des Gammersfelder, für 115 Gulden

1694   Dorothea Magdalena, ledig, erbt das Haus von ihrer verstorbenen Mutter und lebt mit ihrer Schwester Maria Katharina darin

1714   Johann Friedrich Hornung, Bildhauer

1716   Euphrosina Cordula Hornung, Witwe, verheiratete Waldthier, lebt ab 1738 selber darin

1755   Erdgeschoss und Nebenräume: Anna Cordula Waldthier, Obergeschoss und Nebenräume: Maria Euphrosina Waldthier, beim Tod der Mutter wird das Haus auf 345 Gulden geschätzt

1768   Erdgeschoss: Johann Georg Wilhelm Waldthier, Bruder der Verstorbenen, sowie die Schwester Maria Euphrosina

1773   Erdgeschoss: Maria Euphrosina Wilhelmina Bornstett, geb. Waldthier

1779   Ein Drittel des Hauses geht für 100 Gulden in den Besitz der Stadt über; Maria Catharina Mittenmayer, Ehefrau des Küfers Friedrich Karl Mittenmayer, erwirbt für 220 Gulden den Hausteil der Maria Euphrosina Rosenfelder geb. Waldthier

1823   Johann Friedrich Brenner, Schneidermeister, kauft von der Stadt ein Hausdrittel (152 Gulden), die anderen zwei Drittel vom Ehepaar Mittenmayer für 300 Gulden

1839   David Friedrich Kühnle, Küblermeister (850 Gulden)

1859   Georg Ludwig Mayer, Schwiegersohn des Kühnle (600 Gulden)

1895   Karl Elser, Eisengießer, ersteigert das Haus für 4130 Mark

Haustafel

Hinter der unauffälligen Fassade verbirgt sich ein spätmittelalterliches Kleinod: 1337 entstanden, besitzt es heute noch eine ausgemalte hölzerne Wohnstube im Obergeschoss aus dem späten 16. Jahrhundert. Bei beleuchteter Stube ist abends die florale Bemalung der Balkendecke auch von außen gut zu erkennen. Die Rückseite des Hauses zeigt sich im einfachen Fachwerk der Zeit um 1700.

Befunde aus Bauforschung

Keller aus dem 12. bis einschl. 16. Jahrhundert, datiert auf 1337, 1390/1391 (StadtA Schwäb. Hall BF 211 und BF 205)

Dendrochronologisch datiert: Gerüst, Dach auf 1337; Südl. Bohlenwand, Spunddecke 1578; Anbau 1652. (BF Lohrum/Bleyer)

Es ist nicht eindeutig zu klären, ob das Gebäude von Anfang an ein Wohnhaus oder zunächst ein Speicher gewesen ist. Dass das Erdgeschoss stützenfrei war, deutet auf einen Lagerraum hin; im Obergeschoss gab es ursprünglich keine Innenwände, lediglich ein Stubenraum könnte abgetrennt gewesen sein (senkrechte Nuten). Die Rußschwärzung der Dachsparren deutet darauf hin, dass das Haus schon vor dem Umbau 1578 beheizt wurde. Zwei Latrinen waren bereits vor der Mitte des 15. Jahrhunderts verfüllt. War das Gebäude ein "Wohnspeicher", wie er auf dem Land bekannt war?

Eine von sechs Dielen in der Bohlenwand der Stube besitzt eine kleine rundbogige Fensteröffnung aus der Zeit um 1290, wahrscheinlich zweitverwendet seit dem späten 16. Jahrhundert.

Im Erdgeschoss hat sich eine provisorische Abstützung erhalten, die aus einem ehemaligen Stubendeckenbalken besteht. Das Holz muss um 1400 geschlagen worden sein.

Um 1500 wird nachträglich ein Keller gegraben, durch den das Erdgeschoss an Höhe verliert (von 2,70 auf 2,20 m).

Nach 1650 erhält das Haus einen nördlichen Anbau, der auf eine handwerkliche Nutzung hinweist.

Vgl. auch Datenbank Bauforschung Baden-Württemberg.

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit Anbau 9,7 Ruten und Hofraum 2,4 Ruten, insgesamt 12,1 Ruten Grundfläche

 

Pfarrgasse 9 (Flst.Nr. 0-31/5). Handwerkerhaus, 1337 (d). Bohlenstube mit bemalter Bohlendecke, 1578 (d). § 2 ( aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Besonderheiten

Zu diesem Haus ist das Buch "Baujahr 1337" erschienen (genauer Titel s. unten). Neben der Baugeschichte sind Keramikfunde darin ebenso beschrieben wie archäobotanische Befunde aus 600 Jahren. Auch den Erfahrungen der Bauhandwerker ist ein Kapitel gewidmet. Den Abschluss des Buches bildet eine Diskussion aller beteiligten Fachleute, die sich über Befunde im Haus austauschen.

Eine verformungsgerechte Bauaufnahme im Maßstab 1:25 (3 Grundrisse, 2 Schnitte) von 1993 liegt vor. Originalpläne bei Hochbauabteilung der Stadt Schwäbisch Hall.

Quellen

Archivalien:

  • StadtA SHA 2/37 (Totenbuch St. Katharina 1775-1795), S. 433-444; 2/70 (Totenbuch St. Michael 1635-1654), Bl. 434; 2/71 (Totenbuch St. Michael 1655-1677), Bl. 448, 481-482, 777; 2/72 (Totenbuch St. Michael 1678-1697), S. 740-741; 2/73 (Totenbuch St. Michael 1698-1717), S. 294-295, 602, 811; 2/75 (Totenbuch St. Michael 1738-1762), Bl. 321; 2/76 (Totenbuch St. Michael 1763-1775),  Bl. 1, 229; 2/77 (Totenbuch St. Michael 1776-1784) fol. 3;
    4/282 (Ratsprotokolle 1675), Bl. 695r; 4/283 (Ratsprotokolle 1676), Bl. 157r, 177, 272v; 4/383 (Ratsprotokolle 1762), Bl. 267, 278, 290; 4/609 (Einigungsgerichtsprotokolle 1762-1765), S. 114, 123; 4/656 (Kaufprotokolle 1601-1662), Bl. 184; 4/658 (Kaufprotokolle 1649-1659), Bl. 133; 4/665 (Kaufprotokolle 1683-1686), Bl. 236; 4/684 (Kaufprotokolle 1756-1761), Bl. 35vff.; 4/687 (Kaufprotokolle 1773-1774), S. 1130; 4/690 (Kaufprotokolle 1786-1788), Bl. 104ff; 4/1165 (Steuerstubenprotokolle 1778-1780), S. 208-209; 4/1903 (Beetliste 1651); 4a/240 (Steuerrechnung 1778/79), Bl. 192v, 4a/247 (Steuerrechnung 1784/85), Bl. 87r;
    6/275
    14/1811, 14/1138, 14/2749, 14/2987, 14/3232, 14/3547
    18/451/24
    19/826 (Güterbuch 1), S. 140; 19/838 (Güterbuch 13), S. 467, 471; 19/1020 Kaufbuch 1, 1838/39); 9/1028 (Kaufbuch 9, 1857-1859); 19/1059 (Kaufbuch 42, 1895)

Literatur:

  • Albrecht Bedal: Wohnhaus oder Speichergebäude?, in: Haus, Hof, Landschaft. Festschrift zum 80. Geburtstag von Karl Bedal (Quellen und Materialien zur Hausforschung in Bayern 7), 1994. S. 196-205.
  • Albrecht Bedal, Ulrike Marski (Hrsgg.): Baujahr 1337. Das Haus Pfarrgasse 9 in Schwäbisch Hall (Schriftenreihe des Vereins Alt Hall 15), Schwäbisch Hall 1997

Pläne und Ansichten vor 1827: 

  • StadtA SHA 5/2063 (1770)