Gebäudeverzeichnis

Rosenbühl 15 - Folterturm oder Neuer Turm

Adresse: Rosenbühl 15
Primärkatasternummer: 878
Besitzer: 1827
Die Stadtgemeinde


Besitzerliste

1827: Die Stadtgemeinde

Beschreibungen

1827: Folterturm mit 9,2 Ruten, Stadtmauer oben und unten am Turm mit 18,5 Ruten, insgesamt 27,7 Ruten Grundfläche

Befestigungsturm, 13. Jh. Eingetragen in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08. Oktober 1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 362)

 

Rosenbühl 15: Befestigungsturm (§ 28), 13. Jahrhundert. (siehe auch unter Sachgesamtheit Stadtbefestigung "Am Markt 14, ...") (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Der Folterturm

Laut Eduard Krüger entstammt er der frühesten Phase der Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert. Wie andere romanische Befestigungsbauten in Schwäbisch Hall (Malefizturm) ist seine Außenwand bündig mit der Stadtmauer, springt also nicht über diese hinaus. Der Turm hat einen schmalrechteckigen Grundriss von 6,20 x 12,70 m, im Erdgeschoss sind die Wände etwa 1,50 m dick. Krügers Beobachtungen zufolge wurde das romanische Bauwerk im 16. Jahrhundert bis auf das Erdgeschoss und die Südwand des 1.Stocks abgetragen und neu aufgemauert. Zu dieser Zeit entstand ein mehrstöckiger, hoher Fachwerkaufsatz, durch den der Turm offenbar den Neubau überragte. Der Fachwerkaufsatz wurde im späteren 18. Jahrhundert vermutlich aus statischen Gründen abgetragen. Krüger sieht einen Zusammenhang zwischen diesen Abbrucharbeiten und heute noch vorhandenen Setzrissen. Der nun nur noch knapp (2,30 m) über den Wehrgang ragende Turm erhielt ein Walmdach. Das Erdgeschoss enthält ein 6 m tiefes Verlies mit einem Luftloch in Richtung Norden. Es war durch ein sog. „Angstloch“ im Gewölbescheitel zugänglich, das mittlerweile mit Beton verschlossen worden ist. Die Eingangstür in diesen Raum von Norden her ist eine spätere, 1755 bereits vorhandene Ergänzung. Im ersten Stock verläuft der Wehrgang durch zwei Rundbogentüren. In diesem Raum vermutete Eduard Krüger die namensgebende Folterkammer. Ob hier jedoch Folterungen stattgefunden haben, müsste erst durch weitere Nachforschungen nachgewiesen werden. Der heutige Name scheint nicht alt zu sein; in urkundlichen Nennungen, so 1506 und 1538 im Zusammenhang mit einem nahe gelegenen Haus (vielleicht Rosenbühl 13) ist vom „Neuen Turm“ die Rede. Eine gelegentliche Verwendung als Gefängnis scheint hingegen belegbar. So soll dort 1516/1517 wegen „etlicher im Rat verübter ungeschickter Reden“ der ehemalige Stättmeister Simon Berler inhaftiert worden sein. Sein Gefängnis habe man seitdem als „Doktorstüblein uffm Neuen Thurm“ genannt. Der Neue Turm diente auch als Haftort für Daniel Seyboth, nachdem dieser 1633 die Haalpfleger verspottet hatte. Der Name „Neuer Turm“ könnte nach dem Pogrom an der Schwäbisch Haller Judengemeinde von 1349 entstanden sein. Darauf lassen die Berichte der beiden Schwäbisch Haller Chronisten Widman und Herolt schließen. Laut Herolt haben die Haller  „etliche Juden, ... in einem alten Thurn zu Hall uf dem Rosenbühel ligendt verbrandt und ersteckth, seithero wider gebaueth, der newe oder Burgerthurn genandt wirdt“ (Widman, S. 82). Laut Herolt „verbranten die von Hall die Juden in dem Thurn uff dem Roszenbühel genant“ (Herolt, S. 150). Die beiden Chronisten geben die gebräuchlichen Rechtfertigungen für diese damals weit verbreiteten Massaker wider. Laut Widman hätten die Juden einen Ritualmord an einem Kind aus Hagenbach verübt, Herolt wiederholt die Behauptung, sie hätten Brunnen vergiftet (und die damals wütende Pest ausgelöst). Überlebende fanden zunächst Zuflucht auf der Burg Bielriet, wurden von deren Besitzer beraubt und verjagt.  (nach E. Krüger: Die Stadtbefestigungen von Schwäbisch Hall, S. 63ff).

Quellen

Literatur:

  • Edith Amthor u.a.: Jüdisches Leben in Schwäbisch Hall. Mittelalter und Frühe Neuzeit, 1241-1800 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Hall, H. 19), SchwäbischHall S. 4ff
  • Christian Kolb (Hrsg.): Herolts Chronica (Württembergische Geschichtsquellen, Bd. 1), Stuttgart 1894, S. 146 (Fußn.), 150f
  • Christian Kolb (Hrsg.): Widmans Chronica (Württembergische Geschichtsquellen, Bd. 6), Stuttgart 1904, S. 82
  • Eduard Krüger: Die Stadtbefestigungen von Schwäbisch Hall, Schwäbisch Hall 1966, S. 63ff.