Gebäudeverzeichnis

Comburg 14-18 - Ringmauer mit Wehrgang

Adresse: Comburg 14-18
Primärkatasternummer: --
Besitzer
Kameralamt Hall


Besitzerliste

1830 (Primärkataster): das Kameralamt Hall für den Staat

Befunde aus Bauforschung

Die Befestigungsanlagen der Comburg

(siehe auch den Bauphasenplan bei den Abbildungen)

Die Befestigungen der Comburg sind in mehreren Etappen seit dem 11./12. Jahrhundert entstanden. Von der im 11. Jahrhundert bestehenden Burg der Grafen von Comburg-Rothenburg haben sich nur geringe Reste erhalten, die nur punktuelle Hinweise auf den Verlauf der Burgmauern erlauben. Das Burgtor wird im Bereich des romanischen Torbaus vermutet; in der Nordostwand der Alten Abtei sind zwei Mauerflächen erkennbar, die man als Reste eines vermutlich zur Burg gehörenden, turmartigen Steinbaus identifiziert hat. Die im wesentlichen bis zur 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts entstandene Ummauerung des Klosterbezirks war annähernd rechteckig. Im Nordwesten, Südwesten und Südosten umfasste sie – mit kleinen Abweichungen – das heutige (erst im 16. Jahrhundert durch Aufschüttungen auf eine einheitliche Höhe gebrachte) Plateau mit der Stiftskirche und den Klausurgebäuden. Auf der Nordseite verllief die Ummauerung von der Nordwestecke des romanischen Torbaus ausgehend in Richtung Nordwesten, wobei sie den hofseitigen (südwestlichen) Außenmauern der Alten und Neuen Dekanei sowie des Wamboldbaus folgte. Reste der mittelalterlichen Außenmauer des Klosters haben sich zumindest teilweise im Mauerwerk dieser Bauten erhalten.

Anfang des 15. Jahrhunderts zeichnet sich unter Abt Ehrenfried I. von Vellberg (im Amt 1402-1421) eine erste Erweiterung der Ummauerung ab. Eine mit Türmen versehene Ringmauer vergrößerte den Klosterbezirk nach Norden; sie wird durch die nordöstlichen Außenmauern des Wamboldbaus und der Alten Dekanei markiert. Einer der Türme hat sich im Bereich der Alten Dekanei erhalten; ein weiterer, heute abgängiger Turm stand zwischen der Neuen Dekanei und dem Wamboldturm. Möglicherweise entstand auch bereits ein Vortor vor der romanischen Toranlage. Eine weitere Erweitung errichtete man im Süden zwischen dem Großen Vikarienbau und der Südecke des Plateaus um die Stiftskirche. Ummauerung und Plateau wurden hier einige Meter nach Südwesten vorgeschoben. In diesem Bereich haben sich zwei Türme  am Mesnerhaus und beim Reischachbau erhalten.

In die Zeit des letzten Abts und ersten Propsts Seifried vom Holtz (im Amt 1488-1504) fällt eine größere Erweiterung des nunmehrigen Stifts nach Südosten. Die hier errichtete Wehrmauer mit zwei Türmen ist durch eine Inschrift am „Lecksfüdeleturm“ auf 1494 datiert. Auf diese Weise entstand ein großer Zwingerbereich, in dem heute der Gebsattelbau (Comburg 4) steht. Weiterhin wurde ein drittes, durch einen (nur noch in Resten erhaltenen) Rundturm gesichertes äußeres Tor geschaffen, dessen Platz heute durch das barocke Gittertor aus dem 18. Jahrhundert eingenommen wird.

Eine letzte Vergrößerung der Befestigungsanlagen geht auf die Zeit des Dekans Erasmus Neustetter (im Amt 1551-1594, ab 1583 auch Propst) zurück, der nach einem ersten, moderaten Ausbauphase eine auf zwischen 1572 und 1575 datierbare, massive Erweiterung vorantrieb. Komplett neu errichtet wurden im Westen, Nordosten und im Nordwesten vor die alten Befestigungen gesetzte Mauern mit überdachten Wehrgängen und Türmen, auf der Ostseite ließ Neustetter die aus dem späten 15. Jahrhundert stammenden Befestigungen aufstocken und das Torhaus vor dem romanischen Torbau neu errichten bzw. verstärken. Als zusätzliche Sicherung der Ostseite errichtete man zwischen dem Torbau und dem Südostturm („Musikturm“) eine zusätzliche, niedrigere Mauer ohne Wehrgang mit querliegenden Maulscharten, die einen Beschuss des Vorfelds mit Geschützen ermöglicht hätten. Die meist aus Muschelkalk errichteten Bruchsteinmauern sind bis zu 9 m hoch. Die Wehrgänge verlaufen über Strebepfeiler, die mit flachen Segmentbögen verbunden sind, die Überdachung des Wehrgangs ruht auf einer offenen Holzkonstruktion. In regelmäßigen Abständen eingebaute Schießscharten verjüngen sich von innen nach außen. Auf ihren Stürzen (Bänken) sind Vertiefungen zu erkennen, die wohl für die Stützgabeln der im 16. Jahrhundert noch üblichen, schweren und großkalibrigen "Hakenbüchsen" oder Arkebusen gedacht waren. Die Unter- und Erdgeschosse der Türme weisen Gewölbe aus Backsteinen auf, die Obergeschosse Einbauten aus Fachwerk. Da das Bodenniveau auf der Innenseite der Mauern im 19. Jahrhundert teils deutllich erhöht wurde, sind die Erdgeschossräume der Türme vielfach nur noch schwer oder gar nicht mehr zugänglich.
Die auf diese Weise geschaffenen Befestigungen boten zwar Schutz gegen leicht bewaffnete Truppen, waren aber nicht geeignet, einer Belagerung mit schwerer Artillerie standzuhalten. Zwar darf diese Schutzfunktion nicht gering geschätzt werden, da mobile und leicht bewaffnete Streifscharen und Trupps einen wesentlichen Bestandteil frühneuzeitlicher Kriegsführung bildeten. Die hauptsächliche Bedeutung dürfte aber weniger im militärischen Bereich gelegen haben. Die Befestigungen bildeten eine symbolische Grenze des Stiftsbereichs und waren eine Demonstration von Herrschaftsanspruch, Herrschaftsrechten sowie finanzieller Leistungsfähigkeit – nicht zuletzt gegenüber der benachbarten Reichsstadt Schwäbisch Hall, mit der es immer wieder Konflikte gab. Für die in der Literatur immer wieder zitierte Annahme, Neustetter habe mit der Ummauerung an das "Himmlische Jerusalem" nachempfinden wollen, scheint es keinen archivischen Beleg zu geben.

Als nennenswerte Ergänzung der Ringmauer kam im 17. Jahrhundert noch eine deutliche Aufstockung des rechteckigen Westturms und der diesen mit den Türmen am Wamboldbau und an der Kaplanei verbindenden Mauerzüge hinzu. In der Zeit des Dekans Wilhelm Ulrich von Guttenberg (amtierend 1695-1736), der auch den barocken Neubau der Stiftskirche verantwortete, entfernte man um 1720 das äußerste Vortor mit dem zugehörigen Rundturm und setzte an diese Stelle ein barockes Gittertor. Ebenfalls im 17./18. Jahrhundert erfolgte der teilweise Umbau einiger Türme, die im Obergeschoss größere Fenster erhielten und damit z.B. als „Sommerstuben“ (unbeheizte Wohnräume) nutzbar waren; der Südostturm (Comburg 18) bekam 1707 sogar eine ausgesprochen aufwändige Stuckdecke und macht den Eindruck eines kleinen Festsaals. Während es mit dem Abriss eines Teils der Klausurbauten erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz der Klosterbauten gab, sind die Befestigungen der Comburg bis heute im Wesentlichen in dem Zustand erhalten, wie er sich nach den letzten Umbauten des 18. Jahrhunderts repräsentierte. Ein beufälliger Abschnitt der Mauer beim Wamboldbau wurde 1880 komplett erneuert.

Beschreibungen

1830 (Primärkataster): die sämtliche Mauern um das Stift (ohne Messinhalt)

Comburg 1, 2, 4, 5, 6, 7, 7/1, 7/2, 8, 8/1, 9, 9/1, 10, 11, 12, 13, 15, 16, 17, Großcomburger Weg 8 (Flst.Nr. 2-112, 2-114, 2-116, 2-118, 2-123/1, 2-130, 2-134/1, 2-134/2, 2-168, 2-433, 2-433/1, 2-433/2, 2-433/3, 2-433/4, 2-433/5, 2-433/6, 2-433/7, 2-433/8, 2-433/9, 2-433/10, 2-433/11, 2-433/12, 2-433/13, 2-434, 2-434/1, 2-434/2, 2-434/3, 2-434/4, 2-434/5, 2-434/6, 2-434/7, 2-434/8, 2-434/9, 2-434/10, 2-434/11, 2-435, 2-435/1, 2-435/2, 2-435/3, 2-435/4, 2-436, 2-436/1, 2-436/2, 2-436/3, 2-436/4, 2-437, 2-437/2, 2-439, 2-439/1, 2-439/3, 2-439/4, 2-440, 2-440/1, 2-441-443) Sog. Große Comburg mit ehem. Fruchtkasten (Großcomburger Weg 8), bez. 1705 (Sachgesamtheit). § 28 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Zur Geschichte und Baugeschichte der Comburg insgesamt siehe Comburg 12 (Stiftskirche St. Nikolaus) unter „Beschreibungen“

Quellen

Literatur:

  • Ulrich Knapp: Von der Grafenburg zur Königlich Württembergischen Kaserne. Die Befestigungsanlagen der Comburg, in: Klaus Gereon Beuckers (Hrsg.): Kloster Großcomburg. Neue Forschungen. Hrsg. von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Regensburg 2019, S. 369-468

Archivalien:     

  • Landratsamt Schwäbisch Hall, Vermessungsamt, Primärkataster für Steinbach (Kopie im Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Signatur S01/1559)