Gebäudeverzeichnis

Comburg 18 - Südostturm (Musikturm)

Adresse: Comburg 18
Primärkatasternummer: 218 (alt 20)
Besitzer
Kameralamt Hall


Besitzerliste

1830 (Primärkataster): das Kameralamt Hall für den Staat

Befunde aus Bauforschung

Der Südostturm oder „Musikturm“ wurde wie der benachbarte, inschriftlich auf 1494 datierte Ostturm und die zugehörigen Wehrmauern im Zuge einer ersten Verstärkung und Erweiterung der Befestigungsanlagen im Osten der Comburg in der Zeit des letzten Abts und ersten Propsts Seifried vom Holtz (Propst 1488-1504) errichtet. Vom ursprünglichen Bauwerk haben sich die beiden unteren, mit Schlüsselscharten versehenen Stockwerke erhalten. Eine Aufstockung um zwei weitere Stockwerke erfolgte in den 1570er Jahren im Zuge einer umfangreichen Erweiterung der Comburger Befestigungsanlagen in der Zeit des Dekans Erasmus Neustetter (im Amt 1551-1594, ab 1583 auch Propst). Direkt südöstlich vor dem Turm befand sich ein Straßentor, das wohl um 1829/1830 abgebrochen wurde. Der Barocksaal im Obergeschoss entstand 1707. Hierzu entfernte man die Zwischendecke, mauerte die alten (noch erkennbaren) Fensteröffnungen zu und brach deutlich größere, neue Fenster ein. Darüber hinaus erhielt der Raum eine aufwändig dekorierte Stuckdecke, zu deren Schmuckelementen Muscheln, Blattranken, Kartuschenrollen und verkropfte Profile sowie vier Halbkartuschen mit Adlern gehören. Die Stuckaturen gleichen stilistisch den Arbeiten in der barocken Stiftskirche, deren Bau im selben Jahr begonnen hatte. Die skurril anmutenden Freskomalereien im oberen Bereich der Wand zeigen ein auf Seerosen positioniertes Orchester aus musizierenden Fröschen, Käfern und Insekten. Sie wurden 1889 durch den künstlerisch begabten Schwäbisch Haller Konditormeister Conrad Schauffele (1838-1901) geschaffen und gehen vermutlich auf eine „Weinlaune“ zurück. Eine umfassende Sicherung und Restaurierung der durch eingedrungenes Wasser geschädigten Stuckdecke und der Malereien erfolgte 1996.

Beschreibungen

1830 (Primärkataster): Thurm am Thor mit 3,8 Ruthen

Comburg 1, 2, 4, 5, 6, 7, 7/1, 7/2, 8, 8/1, 9, 9/1, 10, 11, 12, 13, 15, 16, 17, Großcomburger Weg 8 (Flst.Nr. 2-112, 2-114, 2-116, 2-118, 2-123/1, 2-130, 2-134/1, 2-134/2, 2-168, 2-433, 2-433/1, 2-433/2, 2-433/3, 2-433/4, 2-433/5, 2-433/6, 2-433/7, 2-433/8, 2-433/9, 2-433/10, 2-433/11, 2-433/12, 2-433/13, 2-434, 2-434/1, 2-434/2, 2-434/3, 2-434/4, 2-434/5, 2-434/6, 2-434/7, 2-434/8, 2-434/9, 2-434/10, 2-434/11, 2-435, 2-435/1, 2-435/2, 2-435/3, 2-435/4, 2-436, 2-436/1, 2-436/2, 2-436/3, 2-436/4, 2-437, 2-437/2, 2-439, 2-439/1, 2-439/3, 2-439/4, 2-440, 2-440/1, 2-441-443) Sog. Große Comburg mit ehem. Fruchtkasten (Großcomburger Weg 8), bez. 1705 (Sachgesamtheit). § 28 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Zur Geschichte und Baugeschichte der Comburg insgesamt siehe Comburg 12 (Stiftskirche St. Nikolaus) unter „Beschreibungen“, zu den Befestigungen Comburg 14-18 (Ringmauer mit Wehrgang) unter „Befunde aus Bauforschung“.

Besonderheiten

Bei der Anlage des Primärkatasters 1830 erhielten die Gebäude der Comburg eine separate, mit 1 beginnende Nummerierung. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurden hier die späteren Nummern verwendet.

Quellen

Literatur:

  • Greiner, Dirk Vogt-Merz, Gabriele Kleiber, Hans-Reiner Soppa: Die Comburgen bei Schwäbisch Hall, Stuttgart 2010, S. 80ff [zu Restaurierungsarbeiten, hier auch die Datierung des Barocksaals auf 1707]
  • Ulrich Knapp: Von der Grafenburg zur Königlich Württembergischen Kaserne. Die Befestigungsanlagen der Comburg, in: Klaus Gereon Beuckers (Hrsg.): Kloster Großcomburg. Neue Forschungen. Hrsg. von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Regensburg 2019, S. 369-468, hier S. 441 u. 451

Archivalien:     

  • Landratsamt Schwäbisch Hall, Vermessungsamt, Primärkataster für Steinbach (Kopie im Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Signatur S01/1559)