Häuserlexikon Steinbach – Primärkataster-Nr.

Comburg 7/1 - Alte Abtei

Adresse: Comburg 7/1
Primärkatasternummer: 207 (6b)
Besitzer: 1827
Kameralamt Hall


Besitzerliste

1830 (Primärkataster): das Kameralamt Hall für den Staat

Befunde aus Bauforschung

Die „Alte Abtei“

Die „Alte Abtei“ gehört wie der südöstlich anstoßende „Adelmannbau“ zu den ältesten Bauten der Comburg. Im heutigen Baubestand haben sich Reste eines rechteckigen Steingebäudes erhalten, das zu der vor der  Klostergründung (um 1078) hier bestehenden Burg der Grafen von Comburg-Rothenburg gehört haben könnte. Mauerflächen dieses Bauwerks sind in der Nordostwand der alten Abtei zu erkennen. Die „Alte Abtei“ selbst wurde wie der benachbarte „Gebsattelbau“ spätestens bis zur 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet. Im oberen Stockwerk befand sich die Wohnung des Abts und ein Festsaal. Die auffällige romanische Zwerggalerie ist eine moderne Rekonstruktion und wurde erst 1964 nach Vorschlägen des Schwäbisch Haller Architekten und Bauforschers Dr. Eduard Krüger eingebaut. Grundlage hierfür waren die spärlichen, aufgrund später eingebrochener Fenster sehr lückenhaften Reste romanischer Arkaden, die man in den 1930er Jahren bei Umbau- und Renovierungsarbeiten freigelegt hatte. Im hinter den Arkaden gelegenen Festsaal hat sich in Teilen eine spätgotische Holzdecke erhalten. Im Vorraum des Festsaals befinden sich Freskomalereien des aus Konstanz stammenden Malers Michel Viol (1543-ca. 1600) mit lebensgroßen Kaiserdarstellungen, die dem Raum die heutige Bezeichnung „Kaisersaal“ eingebracht haben. Weiterhin haben sich im Haus illusionistische Architekturmalereien sowie Teile eines Freskos erhalten, das den Feldzug des Kaisers Karl V. gegen das vom osmanischen Reich kontrollierte Tunis zeigt. Der an der Südwand angebrachte, 7 m lange Wappenfries des Würzburger Fürstbischofs  Johann Philipp Franz von Schönborn und seines Domkapitels von 1722 war ursprünglich über den Architekturmalereien angebracht und konnte versetzt werden. Das Gebäude wurde immer wieder umgebaut und stark verändert, wobei man bis in das 20. Jahrhundert oft wenig Rücksicht auf die noch vorhandene historische Bausubstanz genommen hat.

Beschreibungen

1830 (Primärkataster): Hausschneiderei und Caplanei-Bau mit 1/8 Morgen und 20,6 Ruthen, Hof dabei mit 45,4 Ruthen

Comburg 1, 2, 4, 5, 6, 7, 7/1, 7/2, 8, 8/1, 9, 9/1, 10, 11, 12, 13, 15, 16, 17, Großcomburger Weg 8 (Flst.Nr. 2-112, 2-114, 2-116, 2-118, 2-123/1, 2-130, 2-134/1, 2-134/2, 2-168, 2-433, 2-433/1, 2-433/2, 2-433/3, 2-433/4, 2-433/5, 2-433/6, 2-433/7, 2-433/8, 2-433/9, 2-433/10, 2-433/11, 2-433/12, 2-433/13, 2-434, 2-434/1, 2-434/2, 2-434/3, 2-434/4, 2-434/5, 2-434/6, 2-434/7, 2-434/8, 2-434/9, 2-434/10, 2-434/11, 2-435, 2-435/1, 2-435/2, 2-435/3, 2-435/4, 2-436, 2-436/1, 2-436/2, 2-436/3, 2-436/4, 2-437, 2-437/2, 2-439, 2-439/1, 2-439/3, 2-439/4, 2-440, 2-440/1, 2-441-443) Sog. Große Comburg mit ehem. Fruchtkasten (Großcomburger Weg 8), bez. 1705 (Sachgesamtheit). § 28 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Zur Geschichte und Baugeschichte der Comburg insgesamt siehe Comburg 12 (Stiftskirche St. Nikolaus) unter „Beschreibungen“

Besonderheiten

Bei der Anlage des Primärkatasters 1830 erhielten die Gebäude der Comburg eine separate, mit 1 beginnende Nummerierung. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurden hier die späteren Nummern verwendet.

Quellen

Literatur:

  • Gabriele Kleiber: Groß- und Kleincomburg (Führer Staatliche Schlösser und Gärten), München; Berlin 1999, S. 43f.
  • Ulrich Knapp: Von der Grafenburg zur Königlich Württembergischen Kaserne. Die Befestigungsanlagen der Comburg, in: Klaus Gereon Beuckers (Hrsg.): Kloster Großcomburg. Neue Forschungen. Hrsg. von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Regensburg 2019, S. 369-468, hier S. 399f. u. 428-432, außerdem Planbeilage 5: Baualtersplan füf Adelmannbau, Älterer Vikarienbau (Abtei) und Kosthalterei

Archivalien:     

  • Landratsamt Schwäbisch Hall, Vermessungsamt, Primärkataster für Steinbach (Kopie im Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Signatur S01/1559)