Gebäudeverzeichnis

Neustetterstraße 23

Adresse: Neustetterstraße 23
Primärkatasternummer: 80 (151)
Besitzer
Moser, Heinrich, Kaufmanns Witwe


Besitzerliste

1817: Christine Kleiner, Witwe des Joseph Alois Kleiner, gewesener Bürgermeister zu Steinbach und Oberumgelter zu Hall, verkauft am 8. Februar 1817 eine Behausung unten im Dorf neben Chirurg Andreas Angele und Joseph Pfizer für 1.000 Gulden an Johann Heinrich Moser, ehemaliger königlicher Leutnant.

1830 (Primärkataster): als Besitzerin genannt: Heinrich Moser, Kaufmanns Witwe

1848: Marianne Moser geb. Hofmann, Witwe des Kaufmanns Heinrich Moser, verkauft am 29. Febr. 1848  "1 zweistokigtes Wohnhauß, worin seither eine Spezereiwaaren-Handlung betrieben wurde, unten im Dorf, zwischen Josef Pfizer und Andreas Angeles Wittwe, mit 2 kleinen Gärtlen neben dem Hauß, 1 Dunglege zwischen dem Hauß des Franz Lachner und der Wiese des Mezgers Glasbrenner, u. 1 Keller unter dem Hauße des Mezgermstr. Carl Glasbrenner" für 1.500 Gulden an [ihren Sohn?] Maximilian Moser.

1864: Der bislang zum Anwesen gehörende Keller unter dem Wohnhaus des Carl Glasbrenner und der Wilhelmine Albrecht wird von Maximilian Moser an Anton Hirsch veräußert und von diesem an Carl Glasbrenner weiter verkauft (s. auch Kaufbuch Bd. 11, Bl. 235, 237) 

1866: Das Anwesen wird von Maximilian Moser an Catharina Stemmler geb. Thier, Witwe des Jacob Stemmler, verkauft (s. auch Kaufbuch Bd. XI Bl. 364)

1878: Nach dem 1877 erfolgten Ableben der Witwe Stemmler fällt die gesamte Verlassenschaft ihrem Sohn und Alleinerben Johann Leonhard Franz Thier in Steinbach zu.

Umgeschrieben in das Grundbuchheft No. 193 S. 4

Befunde aus Bauforschung

Das zweigeschossige, zur Neustetterstraße hin giebelständige Fachwerkhaus mit steinernem Sockel ist durch zwei Wappensteine im Erdgeschoss auf 1644  datiert. Die Steine zeigen die Wappen des Ritterstifts Comburg (Löwe mit Dachsparren) und des Dekans Franz Ludwig Faust von Stromberg (amtierend 1640-1672). Der in einem flachen Gewölbe unter dem Haus durchlaufende Bach hat die Vermutung entstehen lassen, es handele sich hier um ein ehemaliges Badhaus. Die baulichen Gegebenheiten und urkundlichen Belege deuten aber auf das Nachbarhaus Nr. 21. Auch für eine weitere Annahme, dass es sich um eine ehemalige Mühle mit Stampf- oder Schlagwerk (also eine Gips- oder Ölmühle) handelt, fehlt ein schriftlicher Beleg. Das Fachwerk stammt vermutlich zumindest noch in Teilen aus der inschriftlich angegebenen Bauzeit um 1644. Auf der südlichen Traufseite und am Giebel zur Neustetterstraße hin gibt es Hinweise auf eine spätere Erneuerung des Fachwerks (nach: Bedal, Historische profane Gebäude).  

Befunde aus Bauakten

(alle Angaben: Bauakten im Baurechtsamt)

1931: Der Hauseigentümer Friedrich Koppenhöfer lässt eine Abortgrube auf städtischem Boden anlegen.

1974-1977: Ein Anwohner drängt auf den Abbruch des Hauses, da es baufällig und ein Verkehrshindernis sei. Bei einer Begehung des Gebäudes werden eine Reihe von Mängeln festgestellt. UNter anderem seien "Standsicherheit und Dauerhaftigkeit" nicht gewährleistet, das Gebäuld über dem Bach "ist verfault und teilweise durchgebrochen". Küchenabwässer versickern hinter dem Haus, statt in die Kanalisation eingeleitet zu werden, was eine Geruchsbelästigung nach sich ziehe. Der Fußboden im Holz- und Kohlenlagerraum "ist teilweise durchgebrochen". Weiterhin ist das Dach undicht und das Abwasser aus dem WC laufe in den Bach (Schr. v. 26.6.1974). Bei einer weiteren Untersuchung werden weitere Mängel festgestellt, aus denen sich eine Gefährdung der Standsicherheit ergebe (Schr. v. 7.8.1974). Aufgrund dieser Festellung erhält der Besitzer des Hauses die Auflage, eine Instandsetzung durchzuführen (Schr. v. 22.10.1975). Weitere Forderungen des Anwohners, das (in Privatbesitz befindliche) Haus abzubrechen, werden abgelehnt. Laut Stadtplanungsamt zählen die Hausnummern 21 und 23 "wahrscheinlich zu den ältesten Häusern der Ansiedlung Steinbach ... und zeichnen sich durch eine besondere Originalität aus. Ihr Abriß würde sich auf den Altstadtcharakter des Straßenzugs Neustetter Straße schädlich auswirken (Schr. v. 22.2.1977).

1978: Umbau und Sanierung des mittlerweile durch die Stadt Schwäbisch Hall erworbenen Hauses werden geplant, aber nicht ausgeführt.

1984: Sanierung und Umbau; das Haus wird weiterhin an die Kanalisation angeschlossen.

Beschreibungen

1817 (Verkauf an Heinrich Moser): "Eine ganze Behaußung, unten im Dorf, neben Chirurgus Andreas Angele und Joseph Pfizer gelegen, gültet Hochlöbl. Königlichem Kameralamt Hall jährlich laut Gültbuchs fol. 159 4 ß, mit allen Rechten und Gerechtigkeiten aber auch Beschwerden",

1830 (Primärkataster): im untern Dorf, Wohnhaus mit 9,7 Ruthen, Hofram mit 3,4 Ruthen, Dunglege bei Parz. Nr. 88 mit 6,0 Ruthen

Neustetterstraße 23 (Flst.Nr. 2-88/2). Fachwerk-Wohnhaus, bez. 1644. § 2 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Quellen

Literatur:

  • Albrecht Bedal: Historische profane Gebäude in Steinbach - eine Spurensuche, in: Günter Albrecht, Andreas Maisch, Reinhard Schuster, Daniel Stihler (Hrsgg.): Steinbach. Geschichte eines Dorfs am Fuße der Comburg (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Hall; Heft 34); Schwäbisch Hall 2020, S. 191-219, hier S. 215f

Archivalien:

  • Landratsamt Schwäbisch Hall, Vermessungsamt, Primärkataster für Steinbach (Kopie im Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Signatur S01/1559)
  • Stadt Schwäb. Hall, Baurechtsamt, Bauakten Neustetterstraße 23
  • StadtA Schwäb. Hall 86/0227 (Güterbeschreibungen der Gemeinde Steinbach Nr. 83 bis 100), hier Nr. 98
  • StadtA Schwäb. Hall 86/249 (Kaufbuch Steinbach 1810-1819), Bl. 136r Nr. 74.
  • StadtA Schwäb. Hall 86/255 (Kaufbuch Steinbach 1843-1848), Bl. 190rff.