Gebäudeverzeichnis

Crailsheimer Straße 44 - Hofgut Frenz (heute durch Bausparkasse überbaut)

Foto wahrscheinlich aus den 1930er bis 1940er Jahren. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06503) Ansicht vergößern
Adresse: Crailsheimer Straße 44
Primärkatasternummer: --
Besitzer
--


Besitzerliste

1860: Johann Georg Albrecht Rück, Bierbrauer im Schuppach (Im Schuppach 5, spätere "Schuppachburg"), erwirbt von der königlich württembergischen Staatsbauverwaltung ein Grundstück "an der Wegscheide der Staatstraße nach Crailsheim und Ellwangen" und errichtet hier im selben Jahr ein "zweistokigtes Wohnhaus".

1861: Caroline Rück geb. Renner, die Witwe des Johann Georg Albrecht Rück, verkauft am 1. November 1861 die Immobilien ihres 1860 verstorbenen Ehemannes. darunter ein Wohnhaus mit Bierbrauerei am Schuppach (PKN 235, heute Am Schuppach 5, ehem. "Schuppachburg"), ein dortiges Nebengebäude (PKN 234, heute Am Schuppach 7), die Hälfte an einem weiteren Haus (PKN 228, Am Markt 12, Nebengebäude "Adelshof") sowie das neu erbaute Anwesen an der Crailsheimer Straße mit weiteren Grundstücken und Fahrnis für 14.000 Gulden an Julius Friedrich Unkel, Bierbrauer in Hall. Das Datum des Besitzübergang wird auf spätestens 15. November 1861 festgelegt.

1863: Der "vormalige Gastwirth" Julius Unkel veräußert das "Wirthschafts Gebäude" an der Crailsheimer und Ellwanger Straße mit Kegelbahn, weiteren Nebengebäuden und Grundstücken am 7. November 1862 für 4.605 Gulden und 45 Kreuzer an den in Hall wohnhaften Leonhard Ikinger aus Hessental. Als Datum des Besitzübergangs wird Lichtmeß (2. Februar) 1863 festgelegt. In den Kauf engeschlossen sind u.a. "ein Hund, 6 Hühner u. 1 Hahn, 2 Kegelspiel mit 16 Kegeln" sowie ein Teil der Küchenausstattung.

1864: Leonhard Ikinger aus Hessental, wohnhaft in Schwäbisch Hall, verkauft das "Langenfelder Haus" am 4. Februar 1864 mit Zustimmung seines Pfandgläubigers Georg Engelhard (mit einer Kapitalforderung von 1.200 Gulden, verzinsbar zu 4%), für 4.700 Gulden an Maria Ilg [oder: Illig], Ehefrau des Sonnenwirts Carl Christoph Illig. Spätestens mit diesem Verkauf endet die Nutzung des Anwesens als Wirtschaft.

1882: Marie geb. Schwan, Witwe des Ökonoms Carl Christoph Illig, verkauft das Anwesen am 1. Mai 1882 zusammen mit Gärten, Äckern und Wiesen auf  den Gemarkungen Hall, Weckrieden und Hessental, für 33.425 Mark an Heium Heimann, Handelsmann in Hall. In den Verkauf eingeschlossen ist der Viehbestand und das "Bauerngeschirr" (s. unten unter "Besonderheiten").

1882: Handelsmann Hajum Heimann verkauft das Gut mit Nebengebäuden, Gärten und einem Acker "am engen Weg" (ohne die weiteren von Marie Illig erworbenen Grundstücke) am 23. Juni 1882 für 16.500 Mark an Friedrich Otterbach, Privatier in Hall.

1902: Das Anwesen wird an Carl Weckherlin, Ökonom von Hall, verkauft und in das Grundbuch Nr. 602 S. 2 übertragen.

1904: Karl Weckherlin, Privatier in Schwäbisch Hall, verkauft das Anwesen für 40.000 Mark an Ernst Frenz, Ökonom von Brachbach, vertreten durch Gustav Walker in Stuttgart.

In den Adressbüchern erwähnte Besitzer und Bewohner

1886: Besitzer: Friedrich Otterbach, Privatier [Anschrift "Crailsheimerstraße 974"]
Besitzer/Mitbewohner: G. Pfeifer, Bezirksbauinspektor

1890: Besitzer: Friedrich Otterbach, Landwirt
Besitzer/Mitbewohner: Adolf Mack, Gipsdielenfabrikant

1894: Besitzer: Friedrich Otterbach, Landwirt
Besitzer/Mitbewohner: Wilhelm Lang, Fabrikant; Pauline von Seeger, Freifräulein

1901: Besitzer: Friedrich Otterbach, Oekonom [Anschrift "Crailsheimerstraße 30"]
Besitzer/Mitbewohner: Wilhelm Lang, Fabrikant; Johann Conrad, Privatier

1906: Besitzer: Ernst Frenz, Ökonom [Anschrift: "Crailsheimerstraße 44"]
Mieter/Mitbewohner: Emanuel Schnirring, Präzeptor; Johann Georg Conrad, Privatier

1910: Besitzer: Ernst Frenz, Ökonom
Mieter/Mitbewohner: Johann Georg Conrad, Privatier; August Hagelloch, Fabrikant

1920: Besitzerin: Karoline Frenz, Gutsbesitzers Witwe
Mieter/Mitbewohner: Johann Conrad, Privatier; August Hagelloch, Fabrikant

1928: Besitzerin: Karoline Frenz, Witwe
Mieter/Mitbewohner: August Hagelloch, Fabrikant (in Fa. Bader & Hagelloch); Johann Conrad, Rentner

1932: Besitzerin: Karoline Frenz, Witwe
Mieter/Mitbewohner: Wilhelm Bräuninger, Landwirt; Hugo Erb, Postschaffner

1938: als Bewohner genannt (Besitzer nicht mehr gekennzeichnet): Karoline Frenz, Witwe; Martha Frenz; Emma Deeg, Witwe; Rosine Deeg, Hausgehilfin; Frida Erb, Verkäuferin; Hugo Erb, Postschaffner

1956: nicht mehr genannt

Befunde aus Bauakten

Bem.: Bauakten fehlen, Hinweise stammen aus anderen Quellen

1860: Neu erbaut als Gastwirtschaft mit Kegelbahn (19/1030, S. 173)

1865: Neubau einer Scheuer (Güterbuch 14, S. 622)

1870: Bau eines Wasch- und Backhauses und Vergrößerung des Hofraums (Güterbuch 14, S. 622)

1883: Anbau an das Wohnhaus (Güterbuch 14, S. 622)

1904-1905: Ernst Frenz lässt einen neuen "Doppelstall" mit Wohnung erbauen (Pläne in Privatbesitz).

Beschreibungen

1862: (Verkauf an Ikinger):
"11,2 R[uten] Ein Wirthschafts Gebäude an der Krailsheimer Ellwanger Straße
15,8 R[uten] Eine Kegelbahn dabey
1/8 M[orgen] 2,0 R[uten] Hofraum
1,5 R[uten] Kellereingang
2,5 R[uten] Ein Garten Häusle
12,1 R[uten] Böschung vom Straßen Areal
..."

1864 (Verkauf an Illig): "Das Langenfelder Haus mit Garten u[nd] Aker und Wiesen"

1882 (Verkauf an H. Heimann): "Ein 2stockiges Wohnhaus an den Gärten No. 661/2 an der Wegscheide der Staatsstraße nach Crailsheim-Ellwangen"

1883 (Güterbuch, Bd. 14):
"Gebäude
1 Ar 45 qm Ein 2stock. Wohnhaus mit gewölbtem Keller
1 Ar 30 qm Remise
12 qm KellerEingang
04 qm Häuschen
2 Ar 97 qm 4barnigte Scheuer
33 qm Wasch- u. Backhaus
7 Ar 19 qm Hofraum"

Besonderheiten

Hinweise auf den Viehbestand und die Ausstattung 1882

"Dareingaben" beim Verkauf an Hajum Heimann sind:
"2 Pferde
6 Kühe
Der ganze Vorrath an Heu, Stroh, Oehmd u. Dung etc., wie solcher am Tage der Uebergabe vorhanden ist.
Das vorhandene Fuhr- und Bauerngeschirr, insbesondere 3 Wägen, 1 Futterschneid-Maschine, 1 Putzmühle, 2 Pflüge. 2 Eggen, Pferdegeschirr"
(19/1047, S. 160)

Bilder

Foto wahrscheinlich aus den 1930er bis 1940er Jahren. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06503) Ansicht vergößern

Foto wahrscheinlich aus den 1930er bis 1940er Jahren. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06503)

Ausschnitt aus der „rektifizierten“ Flurkarte von 1893, das damals Otterbach’sche Anwesen ist farbig hervorgehoben. Gut erkennbar sind das Wohnhaus bzw. ehemalige Wirtschaftsgebäude mit der hinten angebauten Kegelbahn direkt in der Straßengabelung, oberhalb die mit „A“ gekennzeichnete Scheuer und daneben das Waschhaus („B“). Original: Privat (StadtA Schwäb. Hall 06506) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der „rektifizierten“ Flurkarte von 1893, das damals Otterbach’sche Anwesen ist farbig hervorgehoben. Gut erkennbar sind das Wohnhaus bzw. ehemalige Wirtschaftsgebäude mit der hinten angebauten Kegelbahn direkt in der Straßengabelung, oberhalb die mit „A“ gekennzeichnete Scheuer und daneben das Waschhaus („B“). Original: Privat (StadtA Schwäb. Hall 06506)

Erdgeschoss-Grundriss zum Um- oder Neubau der Scheuer bzw. des Stalls von 1905 Original: Privat (StadtA Schwäb. Hall 06511) Ansicht vergößern

Erdgeschoss-Grundriss zum Um- oder Neubau der Scheuer bzw. des Stalls von 1905 Original: Privat (StadtA Schwäb. Hall 06511)

Schnitt durch das Scheuer- und Stallgebäude, 1905. Sichtbar ist die Verwendung gusseiserner Säulen. Original: Privat (StadtA Schwäb. Hall 06512) Ansicht vergößern

Schnitt durch das Scheuer- und Stallgebäude, 1905. Sichtbar ist die Verwendung gusseiserner Säulen. Original: Privat (StadtA Schwäb. Hall 06512)

Foto des Wohnhauses aus den 1910er oder frühen 1920er Jahren. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06504) Ansicht vergößern

Foto des Wohnhauses aus den 1910er oder frühen 1920er Jahren. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06504)

Das Anwesen um 1930, fotografiert von der damaligen Tankstelle bei „Bader & Hagelloch“ aus. Im Vordergrund ist eine Zapfsäule erkennbar. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06493) Ansicht vergößern

Das Anwesen um 1930, fotografiert von der damaligen Tankstelle bei „Bader & Hagelloch“ aus. Im Vordergrund ist eine Zapfsäule erkennbar. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06493)

Blick am Wohnhaus vorbei über die Gabelung der Crailsheimer und Ellwanger Straße auf den damaligen Sitz von „Bader & Hagelloch“ mit Tankstelle, wohl frühe 1930er Jahre. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06492) Ansicht vergößern

Blick am Wohnhaus vorbei über die Gabelung der Crailsheimer und Ellwanger Straße auf den damaligen Sitz von „Bader & Hagelloch“ mit Tankstelle, wohl frühe 1930er Jahre. Foto: Privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06492)

Wohnhaus (rechts) und Scheuer (links), davor die Gabelung der Staatsstraßen nach Crailsheim und Ellwangen, wohl 1930er Jahre. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06495) Ansicht vergößern

Wohnhaus (rechts) und Scheuer (links), davor die Gabelung der Staatsstraßen nach Crailsheim und Ellwangen, wohl 1930er Jahre. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06495)

Blick entlang der Crailsheimer Straße auf das Anwesen, wohl 1930er Jahre. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06502) Ansicht vergößern

Blick entlang der Crailsheimer Straße auf das Anwesen, wohl 1930er Jahre. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06502)

Wohnhaus und Scheuer kurz vor dem Beginn der Abbrucharbeiten, August 1954. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06496) Ansicht vergößern

Wohnhaus und Scheuer kurz vor dem Beginn der Abbrucharbeiten, August 1954. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06496)

Die Rückseite des Wohnhauses mit der später offenbar als Schuppen genutzten Kegelbahn, August 1954 (StadtA Schwäb. Hall DIG 06500) Ansicht vergößern

Die Rückseite des Wohnhauses mit der später offenbar als Schuppen genutzten Kegelbahn, August 1954 (StadtA Schwäb. Hall DIG 06500)

Rückseite der Scheune mit der Ruine des offenbar bereits zuvor in Abgang geratenen Wasch- und Backhauses von 1870, August 1954. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06499) Ansicht vergößern

Rückseite der Scheune mit der Ruine des offenbar bereits zuvor in Abgang geratenen Wasch- und Backhauses von 1870, August 1954. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06499)

Nach dem Beginn der Abbrucharbeiten, die Scheune ist bereits abgerissen. Der „Mercedes“ rechts im Bild trägt ein Schild „Fahrschule“. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06485) Ansicht vergößern

Nach dem Beginn der Abbrucharbeiten, die Scheune ist bereits abgerissen. Der „Mercedes“ rechts im Bild trägt ein Schild „Fahrschule“. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06485)

Abbruch des Wohnhauses, 1954, im Hintergrund das Firmengebäude von Bader & Hagelloch. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06484) Ansicht vergößern

Abbruch des Wohnhauses, 1954, im Hintergrund das Firmengebäude von Bader & Hagelloch. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06484)

Das am Standort des Hofguts Frenz errichtete neue Verwaltungsgebäude der Bauparkasse, 1956. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06490) Ansicht vergößern

Das am Standort des Hofguts Frenz errichtete neue Verwaltungsgebäude der Bauparkasse, 1956. Foto: privat (StadtA Schwäb. Hall DIG 06490)


Quellen

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956

Archivalien:

  • 19/836 (Güterbuch 11), S. 368
  • 19/838 (Güterbuch 13),S. 478
  • 19/839 (Güterbuch 14), S. 622-623
  • 19/1030 (Kaufbuch Bd. 11, 1862-1863), Bl. 173r
  • 19/1031 (Kaufbuch Bd. 12, 1864), Bl. 1r
  • 19/1047 (Kaufbuch Bd. 29, 1882), S. 155ff, 245ff
  • S01/1941 (Kaufvertrag 1904)